Das Essen wird vornehm mit Menükarte serviert

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Schiffsreise : 16020 Container und ich
Geräumig. Eine Passagier“kammer“
Geräumig. Eine Passagier“kammer“Foto: Bernd Ellerbrock

Passagieren steht darüber hinaus ein Aufenthaltsraum („Lounge“) mit Fernseher und CD-Player zur Verfügung, außerdem eine Mini-Bibliothek, ein Fitnessraum und ein Mini-Swimmingpool auf dem A-Deck, der bei warmen Temperaturen mit Meerwasser gefüllt wird. Sogar Internetnutzung gegen Entgelt ist möglich. Mahlzeiten werden in der Offiziersmesse eingenommen, abwechslungsreich zubereitet vom philippinischen Koch TimTim Edgar (49), jeden Tag vornehm mit Menükarte serviert vom „Messboy“ Robas Jayson (31).

Dazu gibt’s ein Viertele Rotwein am Abend. Nur für Passagiere, denn eigentlich herrscht absolutes Alkoholverbot an Bord. Natürlich wird auf dem Schiff einer französischen Reederei Bordeaux kredenzt. Ansonsten ist auf dem Schiff allerdings so gar nichts französisch. Außer, dass ausgerechnet die sogenannten Rattenteller (sie werden zum Schutz gegen diese unliebsamen Gäste auf die Festmachertaue gesteckt) in den Farben der Trikolore bemalt sind. Das Schiff fährt allerdings unter der Flagge Großbritanniens, Heimathafen ist London, Bordsprache Englisch und die Besatzung stammt aus Kroatien und von den Philippinen.

Kapitän Slavko Malsic (58) aus dem kroatischen KuK-Städtchen Opatija („Sagen Sie einfach Kapitän zu mir.“) ist auf dem Weg nach Rotterdam allerbester Laune. Noch drei Häfen, dann endet seine Zeit an Bord erst mal wieder. Seine Ablösung, Landsmann Cvijeto Vukic (55), hat sich schon in Hamburg eingeschifft, da kann nichts mehr schiefgehen.

Als 1. Offizier angefangen habe er auf einem Mini-Containerschiff, erzählt Malsic. „Also auf einer Art Luftmatratze“, fügt er schmunzelnd hinzu. Und sein nächster Job führe ihn nach China, wo er für die Reederei einen noch größeren Frachter von der Bauwerft abholen würde, einen mit 18 000 Containern Ladekapazität. Da schwingt Stolz mit, es zum verantwortungsvollen Kommando auf solch einem Giganten gebracht zu haben.

Lade- und Löschvorgang wie von Geisterhand

Die „French Asia Line 1“ zwischen Europa und Asien, auf der CMA CGM ihre größten Schiffe einsetzt, gilt als der weltweit längste „Loop“. Auf dem Hinweg aus Asien transportiert das Schiff vor allem Konsumgüter für die europäischen Verbraucher, von Computern und Elektrotechnik über Kleidung bis hin zu Spielzeug und Haushaltswaren. Auf dem Rückweg sind die Schiffe weniger ausgelastet und bringen Autoteile, Maschinen und andere Investitionsgüter nach Asien.

Wer genügend Zeit und Geld hat, kann als Passagier für eine komplette Rotation an Bord gehen. Auch Teilstrecken sind buchbar. Fährt man etwa von Hamburg nach Hongkong, dauert das 48 Tage, von Hamburg nach Malta – die Passage ist nach Auskunft der Vermittlungsagenturen die mit Abstand am meisten nachgefragte – kommen wir in zwölf Tagen.

Die „Alexander von Humboldt“ ist ein Gigant. Knapp 400 Meter lang hat das Schiff Platz für 16 020 Container
Die „Alexander von Humboldt“ ist ein Gigant. Knapp 400 Meter lang hat das Schiff Platz für 16 020 ContainerFoto: Bernd Ellerbrock

Die Zeit reicht allemal, um die schon beeindruckende Welt hektischer Containerterminals, interessante Revierfahrten wie die durch die Meerenge von Gibraltar mit Delfinen und Walen, aber auch das Alleinsein auf weiter See, schwierige nautische Manöver und schließlich den stressreichen Arbeitsalltag der Seeleute an Bord kennenzulernen.

So macht die „Alexander von Humboldt“ in Rotterdam am hypermodernen, fast voll automatisierten Euromax-Terminal fest, wo Lade- und Löschvorgang wie von Geisterhand erfolgt. Im engen Hafen von Zeebrügge wird das Schiff unter Kontrolle von zwei Kapitänen, zwei Lotsen und drei weiteren Nautikern auf der Brücke wie ein rohes Dinosaurierei um 90 Grad gedreht – stundenlange Zentimeterarbeit mit Unterstützung von gleich drei Schleppern.

Spannung pur: Touchiert der Riese das Kreuzfahrtschiff?

Von der abgedunkelten Brücke, auf der nur die Befehle an den Steuermann und dessen monotone Befehls-Wiederholung die knisternde Stimmung unterbrechen, sieht das so aus, als könnte der Containerriese das gegenüberliegende edle Kreuzfahrtschiff „Ventura“ jeden Augenblick touchieren. Spannung pur. In Le Havre wird das Schiff mit 3000 Tonnen Treibstoff betankt. Allein dieses „Bunkern“ mit Schläuchen groß wie Pipelines dauert mehr als sechs Stunden, während auf der gegenüberliegenden Mole ein Bus Schaulustiger nach dem anderen vorfährt.

Passagiere genießen das Treiben wie von einem schwimmenden Aussichtsturm oder aus einem tief fliegenden Hubschrauber, denn ihre Logenplätze auf Brücke und Brückenauslegern (den „Nocks“) befinden sich in mehr als 50 Meter Höhe über dem Wasser – an den Terminals in gleicher Höhe mit den Brückenfahrern in ihren Kanzeln. Zum Vergleich: Die Hamburger Köhlbrandbrücke könnte unser Schiff nicht unterqueren – zu niedrig.

Auf der Passage zwischen Rotterdam und Le Havre beehren Inspektoren der Klassifizierungsgesellschaft Bureau Veritas (eine Art Schiffs-Tüv) das Schiff und überprüfen mit strenger Miene sämtliche Sicherheitseinrichtungen – von den Rauchmeldern bis zu den Rettungswesten. „Alles okay“, freut sich Sicherheitsoffizier Metrio Cesar (39).

In Le Havre kommt ein Geistlicher der Seemannsmission an Bord, um schließlich etwas resigniert festzustellen, dass die Crew entweder arbeiten oder schlafen muss und kein Interesse an seinem Angebot besteht. Bleibt das Gespräch mit dem Koch und einem Passagier.