Doris Šramlová gibt dem Wald seine Farbe zurück

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Tschechien : Wo Petrus selber weißelt

An diesem Tag flitzen nur ein paar Skater und ein Langläufer mit seinem Terrier auf der Überholspur vorbei. Inzwischen schneit es, als wolle Petrus noch die letzten Flecken in der Landschaft weißeln. An einer Loipenkreuzung haben sich einige Skiläufer vor einer Baude gesammelt. Solch ehemalige Schutzhütten für Schafhirten werden heute als Kiosk oder Restaurant betrieben. Vor der Schieferdachhütte löffeln die Gäste dampfende Krautsuppe. Loipenmacher Jirí kommt oft in der Pause vorbei und trinkt einen Tee mit Zitrone, aufgebrüht mit Gewürzen nach dem Geheimrezept des Wirts Zdenek Müller.

Drinnen zeigt Müller auf ein paar Holzski aus dem vorigen Jahrhundert, die an den Deckenbalken hängen: „Die habe ich mal ausprobiert, gar nicht einfach. Damals musste man schon echter Könner sein.“ Schon dreimal hat er am Isergebirgslauf teilgenommen. Oft schnappt er sich am Abend noch Skier und Stirnlampe und läuft nach der Arbeit eine Runde im Dunkeln.

Ebenso wie die Bauden sind die vielen Aussichtstürme Markenzeichen der Region. Einst konnte man von oben bis auf die Gipfel der Nachbarhügel schauen. Eifrige Turmbesteiger verewigten die Anzahl ihrer Besuche in sogenannten Gipfelbüchern, die in den Gaststätten auslagen. Der 1012 Meter hohe „Jeschken“ mit seinem markanten Turm ist das Wahrzeichen der Region. Die Einwohner von Liberec (Reichenberg) sind so angetan von Berg und Turm, dass Wohnungen um so teurer sind, je besser man den Jeschken vom Fenster aus sehen kann.

Nach einer ausgedehnten Skitour in frischer Luft ist der Kopf wieder frei. Ein Saunabad am Abend entspannt die müden Muskeln. Danach besänftigen Knödel und Schweinebraten den Magen und mit Dr. Kittels Schlaftrunk geht es schnell ins Reich der Träume. Am nächsten Tag schneit es erneut. Eine trockene Alternative ist der Besuch der Spielzeugfabrik in Albrechtsdorf. Dort gibt Doris Šramlová dem Wald seine Farbe zurück. Die freundliche Tschechin bemalt Holzfiguren in der Werkstatt mit dem Türschild „Maulwurfgeburtsklinik“.

Vor ihr auf dem Tisch steht Krtek, der berühmte Maulwurf, bekannt als Pauli aus der „Sendung mit der Maus“. „Man muss eine ruhige Hand haben“, sagt Doris und tupft Krtek einen roten Klecks auf die Nase. Das traditionsreiche Unternehmen fertigt seit 1920 Holzspielzeug und erledigt dabei alle Arbeitsgänge selbst. Erst seit Kurzem kann man die Produktion besichtigen. Hier leuchtet alles herrlich bunt. So bunt, dass man sich bald wieder nach draußen sehnt – in die erholsame schwarz-weiße Winterlandschaft.

Tschechien auf der ITB: Halle 11.1

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