Schlechte Wirtschaftslage in der Türkei : Selbstheilung 2.0

Was hilft gegen eine verlangsamte Konjunktur? Abwarten und Tee trinken? Eine Kolumne.

Ahmet Refii Dener
Menschen in der Türkei müssen ein paar Stunden in der Schlange stehen, wenn sie subventioniertes Obst und Gemüse kaufen wollen.
Menschen in der Türkei müssen ein paar Stunden in der Schlange stehen, wenn sie subventioniertes Obst und Gemüse kaufen wollen.Foto: Ozan Kose/AFP

Die Weltkonjunktur verlangsamt sich zusehends. Kann sich die Türkei davon abkoppeln und die eigenen – zumeist durch die Unfähigkeit der Regierenden – hausgemachten Probleme, in den Griff bekommen? Natürlich nicht.

Die türkische Währung ist schwach, was zum Vorteil der Exporte wäre, denn die türkischen Produkte sind somit günstiger zu haben. Nur scheint dies kaum etwas zu bewirken: der Export stagniert.

Was sollte also eine Verbesserung der Wirtschaftslage bewirken? Nichtstun? Abwarten und Tee trinken? Worauf warten? Beim Menschen kommt es schon mal vor – besonders in Deutschland – dass die Selbstheilung einsetzt, weil der Arzttermin so weit weg ist. Ich zum Beispiel wollte wegen meines rechten Knies zum Orthopäden. Ich bekomme einen Termin zwei Monate später an dem ich trotz drei Stunden Wartens nicht drankomme. Also bekomme ich einen neuen Termin, mit dem Hinweis: „Eigentlich ist kein Termin frei. Bringen sie viel Zeit mit, denn ich habe sie zwischen den bestehenden Terminen eingetragen.“ Und wann ist der Termin? In zwei Monaten. Mittlerweile sind die Schmerzen am rechten Knie weg. Jetzt habe ich Schmerzen im linken Fuß. Wollen wir hoffen, dass bis zum Termin nur noch ein Schnupfen übrig ist und ich auf den Termin verzichten kann.

Das funktioniert in der Wirtschaft nicht. Derzeit schafft man in der Türkei immer wieder neue Baustellen und tut so, als ginge es der Wirtschaft gut. Was anderes darf man auch nicht vermelden, denn das kann bei der jetzigen Gesetzeslage als terroristischer Akt angesehen werden. Die Arbeitslosigkeit hat dramatische Formen angenommen. Sie lag im August bei 14 Prozent (neuere Zahlen gibt es nicht), die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei mehr als 27 Prozent.

Da fällt mir die Geschichte von dem Mann ein, der immer wieder in den Himmel herausschreit „Allah, hilf mir!“ Das wiederholt er fast täglich, ohne dass etwas passiert. Jahre vergehen und auf einmal meint er eine Stimme gehört zu haben. „Allah, hilf mir, bist Du da Du Allmächtiger?“ „Ja, was willst du von mir?“ sagt eine Stimme. „Oh Allah, hilf mir bitte. Ich bin arm und kann meine Familie nicht ernähren.“ „Ich werde dir helfen. In knapp drei Jahren werden deine Probleme überwunden sein!“ „Danke, oh allmächtiger Allah, werde ich dann reich sein?“ „Das nicht, aber du wirst dich an das Armsein gewöhnt haben!“

Das ist in Bezug auf die Türken auch meine Befürchtung.