Krebse aus dem Berliner Tiergarten : Zuzügler, die man in die Pfanne hauen kann

Sie stammen aus Louisiana und gehören eigentlich nicht nach Berlin. Aber was soll's? Die Tiergarten-Krebse schmecken ausgezeichnet. Hier erfahren Sie, wo sie auf dem Teller landen.

Bei "Mrs. Robinson" in Prenzlauer Berg werden die Krebse aus dem Tiergarten scharf gegrillt und mit Nussbutter verfeinert.
Bei "Mrs. Robinson" in Prenzlauer Berg werden die Krebse aus dem Tiergarten scharf gegrillt und mit Nussbutter verfeinert.Foto: Kai Röger

Als die Krebse im Frühjahr 2017 zum ersten Mal durch den Tiergarten und den Britzer Garten krochen, war von "Bio-Invasion" und "Verdrängung heimischer Arten" die Rede. Ähnliches hörte man zuvor aus anderen Regionen, 2009 zum Beispiel aus dem Großraum München.

Die Schlagzeilen klangen nach schlechtem Science Fiction: "Amis machen die Deutschen platt" oder "Krieg der Arten". Ganz unwahr ist das nicht: Die Krebse der Gattung "procambarus clarkii", auch bekannt als Louisianakrebse, stammen wirklich aus Nordamerika. Und sie machen sich dort breit, wo vor 150 Jahren noch der Deutsche Edelkrebs lebte.

Die biodeutschen Krebse wurden aber nicht Opfer imperialistischer Aggression, sondern schlechter Wasserqualität durch die Industrialisierung. Die paar Tiere, die übrig blieben, fielen nicht im Krieg der Arten, sondern wurden von der Krebspest dahingerafft, deren Sporen ihre immunen Vettern aus USA einschleppten.

Auf den Speisekarten diverser Restaurants

Wie auch immer, jetzt sind die Louisianakrebse da – und der unverwüstliche Berliner hat einen Weg gefunden, sich und seine Gärten von ihnen zu befreien: Er isst sie auf. Gut so, denn sie schmecken fantastisch. Frisch, jedoch nicht lebend, kann man die Krustentiere direkt über den Spandauer Fischer Klaus Hidde beziehen, der sie im Tiergarten und im Britzer Garten fängt (nach vorheriger Terminvereinbarung unter Tel. 0152-53 47 24 77). Zubereitet allerdings finden sie sich auf Speisekarten diverser Restaurants. Im "Mrs. Robinson" werden sie scharf gegrillt und mit Nussbutter genial in Szene gesetzt. Arne Anker zaubert daraus im "Pauly Saal" mit Schweinskopf, Erbsen und Buttersauce ein köstliches Gourmetfrikassee. Und für 9,90 Euro kann man eine Portion mit Salat, Baguette und Mayo bei "Fisch Frank" in Spandau probieren.

Hier werden die Tiergarten-Krebse serviert (Auswahl): Mrs. Robinson, Pappelallee 29, Prenzlauer Berg, mrsrobinsons.de | Pauly Saal, Auguststr. 11, Mitte, paulysaal.com | Fisch Frank, Charlottenstr. 7, Spandau

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