Grimm-Preis für Fantastische Vier : Deutsche Reimkultur

Die Fantastischen Vier bekommen den Grimm-Preis für Sprachkultur. Die Schwabenrapper kommen in der Hochkultur an.

Die Fanta Vier erhalten für ihre Verdienste um die deutsche Sprache den Jacob-Grimm-Preis.
Die Fanta Vier erhalten für ihre Verdienste um die deutsche Sprache den Jacob-Grimm-Preis.Foto: Göran Gehlen/dpa

Als die Fantastischen Vier Anfang der Neunziger mit „Die Da?!“ auf dem Musiksender Viva auftauchten, hat man die komischen Homeboys aus dem Schwabenland ausgelacht. Als Stilikonen galten die vier Berufsjugendlichen schon damals nicht in ihren bunten Popperklamotten, die eher von Vanilla Ice geklaut waren als von MC Hammer. Aber irgendwie trafen sie mit ihren Gaga-Texten, die anfangs noch in kein Reimschema passen wollten, doch einen Nerv. Jedenfalls haben sie sich um den deutschen Hip-Hop verdient gemacht, obwohl Jan Delay, Samy DeLuxe und Moses P das sicher nie zugeben würden.

Da freut man sich mit Smudo, Thomas D, Michi Beck alias DJ Hausmarke und Andreas Rieke aka Andy Ypsilon, denen am Samstag der Jacob-Grimm-Preis für deutsche Sprachkultur verliehen wurde. Damit befinden sie sich nun in bester Gesellschaft: dem genialischen Nuschler Udo Lindenberg zum Beispiel, auch Katharina Thalbach und Loriot. Amerika hat den Pulitzer-Preisträger Kendrick Lamar, wir haben jetzt die Fanta Vier. Geht schon in Ordnung. Nach dem jüngsten Echo-Eklat um Kollegah und Farid Bang und Diskussionen um antisemitische Texte im deutschsprachigen Hip-Hop freut man sich wieder richtig über etwas positive Öffentlichkeitsarbeit.

Die Fantastischen Vier – sie debütierten 1991 auf der Compilation „Krauts with Attitude“ – sind ja längst so was wie die „Elder Statesmen“ des Deutsch-Hip-Hops. Das Preisgeld stellen sie natürlich auch einem guten Zweck zur Verfügung, dem Seenotretterschiff „Lifeline“. Das klingt doch gleich ganz anders als geschmacklose KZ-Witze, die heutzutage dank jung-brutal-gutaussehender Vollpfosten auf deutschen Schulhöfen zu hören sind. Sicher, es ist kaum vorstellbar, dass sich vor 25 Jahren Frühpubertierende Schulhof-Battles mit Fanta-Vier-Texten lieferten. Hip-Hop hat hierzulande einen anderen kulturellen Stellenwert als in den USA oder Frankreich. Das branchenübliche Kokettieren mit dem eigenen Underdog–Image klingt bei ihnen schon ironischer: „Lang bevor man uns fantastisch fand / spielten die Fantas vereinzelt fürs Flaschenpfand“, rappen sie auf ihrem aktuellen Album.

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