Berliner Kiez-Kinos : Das Klick Kino muss wieder schließen

Ein Jahr lang wurde das Klick in guter alter Kiezkino-Tradition in Charlottenburg wieder betrieben. Nun muss es kurzfristig schließen, aber die Betreiber machen weiter Programm - ab April in Schöneberg.

Christos Acrivulis und Claudia Rische haben sich zur "Kulturspedition" zusammengetan und betreiben seit April 2017 das Klick Kino in der Berliner Windscheidstraße 19. Ein Jahr nach der Wiedereröffnung muss es schließen.
Christos Acrivulis und Claudia Rische haben sich zur "Kulturspedition" zusammengetan und betreiben seit April 2017 das Klick Kino...Foto: Thilo Rückeis

Die Geschichte des Kino-Standorts in der Charlottenburger Windscheidstraße 19 ist über 100 Jahre alt; Klick heißt das Kino seit 70 Jahren. Das Kiez-Kino mit Tradition wie nur wenige andere in Berlin musste 2004 schließen, wurde letztes Jahr in etwas anderer Form wiedereröffnet - und schließt nun wieder, zum 1. April.

Kein Scherz: Vor wenigen Tagen erhielten die beiden Betreiber Claudia Rische und Christos Acrivulis eine kurzfristige Kündigung. "Seit Sommer 2017 stand das Café, das gleichzeitig auch Haupteingang des Klick Kinos war, leer. Die Vermietungssituation, die auch das Klick Kino betraf, war lange unklar," auch wenn man mit allen Kräften nach Lösungsmöglichkeiten gesucht habe, teilen die Kinobetreiber mit. Die Räume werden nun an einen größeren Investor weitervermietet, deshalb muss der Kinobetrieb eingestellt werden. 227 Filmen wurden seit April letzten Jahres hier wieder gezeigt, Spiel- und Dokumentarfilme, Anspruchsvolles, Unterhaltung, Politfilme. 58 Filmgespräche wurden veranstaltet, auch Kinderfilm-Events und Retrospektiven.

„Der Aufbau des Kinos war eine großartige Erfahrung. Es ist traurig, dass wir viele unserer Pläne hier an diesem Ort nun nicht mehr umsetzen können," so Acrivulis. Es sei gelungen, eine Fan-Gemeinde aufzubauen, vom ersten Tag an habe das Klick wieder erklärte Stammgäste gehabt. Die Wiederbelebung eines eigentlich geschlossenen Kinos im "alten" West-Berlin war eine rühmliche Ausnahme, nachdem die Mehrzahl der traditionsreichen Ku'Damm-Kinos nach dem Fall der Mauer schließen musste. Überlebt haben, in neuer, luxusmodernisierter Form, das Astor und der Zoo-Palast. Als Programmkino hat sich in Charlottenburg das Filmkunst 66 in der Bleibtreustraße als unverwüstlich erwiesen; 1971 von Franz Stadler ins Leben gerufen, der 2017 starb, wird es inzwischen von den Filmproduzentinnen Regina und Tanja Ziegler betrieben.

Ende April geht's weiter im O-Ton Theater

Nach dem Kino ist vor dem Umzug: Rische und Acrivulis werden auch weiter Kinoveranstaltungen präsentieren, im O-Ton Theater in der Kulmer Straße in Schöneberg. Los geht's am 24. und 25. April mit zwei italienischen Produktionen. Laura Bispuris "La Vergine Giurata - Sworn Virgin" mit Alba Rohrwacher läuft am 24.4., als Gast wird Autorin Elvira Dones erwartet (ab 19 Uhr). Am 25. April steht Rossellinis Klassiker "Rom, offene Stadt" von 1945 auf dem Programm (20 Uhr), Anlass ist der Jahrestag der Befreiung Italiens. Und am 27.4. wird Rosa von Praunheims aktuelle Produktion "Act! Wer bin ich?" gezeigt, der jetzt auf DVD herauskommt. Anschließend stellt Maike Plath, die Protagonistin des Films", ihr neues Buch vor, "Befreit Euch! Anleitung zur kleinen Bildungsrevolution". (20 Uhr) Tsp

 

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