Brit Awards 2020 : Dave rappt gegen Boris Johnson, Lewis Capaldi dankt der toten Oma

Politisch, emotional und viel Livemusik - das waren die diesjährigen Brit Awards. Billie Eilish, Stormzy und Lewis Capaldi sind die Gewinner des Abends.

Billie Eilish und ihr Bruder Finneas.
Billie Eilish und ihr Bruder Finneas.Foto: Adrian Dennis/AFP

Die fünffache Grammy-Gewinnerin Billie Eilish („Bad Guy“) ist auch bei den Brit Awards ausgezeichnet worden. Die US-Sängerin erhielt am Dienstag in London den Preis als Beste Internationale Künstlerin. „Ich habe mich in letzter Zeit sehr gehasst gefühlt“, erklärte die 18-Jährige, als sie den Preis annahm. Zuvor hatte sie in einem BBC-Interview von Cyber-Mobbing berichtet. Mit zittriger Stimme und Tränen in den Augen fügte sie hinzu: „Aber als ich auf der Bühne stand und gesehen habe, wie ihr mich angelächelt habt, da wollte ich weinen. Und jetzt möchte ich auch weinen.“

Außerdem lieferte die 18-Jährige einen gefeierten Auftritt: Gemeinsam mit einem Orchester, dem deutschen Filmkomponisten Hans Zimmer, dem Gitarristen Johnny Marr sowie ihrem Bruder Finneas sang sie unter großem Jubel „No Time To Die“ - ihren Titelsong für den kommenden James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“.

Die Brit Awards wurden zum 40. Mal verliehen. Als Bester Britischer Künstler wurde wie schon 2018 der Londoner Rapper Stormzy („Own It“) ausgezeichnet. Der Preis für das Beste Britische Album ging dieses Mal aber an einen anderen Rapper aus London - an Dave für sein sozialkritisches Debüt „Psychodrama“. Der 21-Jährige sorgte bei der Preisverleihung mit seinem politischen Song „Black“ für Aufsehen. „Die Wahrheit ist, unser Premierminister ist ein echter Rassist“, rappte er. Außerdem erinnerte Dave - wie Stormzy vor zwei Jahren - an die Opfer der Grenfell-Katastrophe, eines tödlichen Hochhausbrandes im Londoner Stadtteil Kensington.

Sängerin Mabel („Don't Call Me Up“), die auch für den Nachwuchspreis nominiert gewesen war, durfte sich über die Auszeichnung als Beste Britische Solokünstlerin freuen. Die 23-Jährige dankte ihrer Mutter Neneh Cherry, die 30 Jahre zuvor zwei „Brits“ gewonnen hatte und bei der Preisverleihung in der O2-Arena ebenfalls anwesend war.

Die Gewinnerinnen und Gewinner:

  • Bester Künstler: Stormzy
  • Beste Künstlerin: Mabel
  • Beste/r Newcomer/in: Lewis Capaldi
  • Beste Band: Foals
  • Song des Jahres: Lewis Capaldi - Someone You Loved
  • Album des Jahres: Dave - Psychodrama
  • Beste internationale Künstlerin: Billie Eilish
  • Bester internationaler Künstler: Tyler, the Creator

Größter Gewinner des Abends war der vierfach nominierte schottische Sänger und Songwriter Lewis Capaldi, der zwei Brit Awards erhielt - als Bester Nachwuchskünstler und für die Single des Jahres („Someone You Loved“). Die zweite Dankesrede des 23-Jährigen geriet etwas bizarr: Erst stellte Capaldi klar, der Song sei nicht seiner Ex-Freundin, sondern seiner gestorbenen Oma gewidmet. Dann sagte er: „Danke an meine Großmutter dafür, dass sie gestorben ist.“

Als Beste Band wurden die Rocker Foals („My Number“) ausgezeichnet, die sich unter anderem gegen Coldplay und Bastille durchsetzten. Frontmann Yannidaves Philippakis sagte in seiner Dankesrede: „Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr mehr Frauen in dieser Kategorie sehen.“ Im Vorfeld war kritisiert worden, dass weder in der Band-Kategorie noch beim Album des Jahres Künstlerinnen nominiert waren.

Die Brit Awards werden seit 1977 verliehen. Zum Jubiläum reduzierten die Organisatoren die Kategorien, um die Show dynamischer zu machen und mehr Platz für Live-Musik zu schaffen. Neben diversen Preisträgern sorgten der frühere One-Direction-Sänger Harry Styles („Adore You“), die US-Sängerin und Rapperin Lizzo („Good As Hell“) und Rod Stewart für Stimmung in der nicht ausverkauften Halle. Stewart trat gemeinsam mit Ronnie Wood und Kenney Jones auf, seinen ehemaligen Kollegen aus der Rockband The Faces („Stay With Me“). (Mit dpa)

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