Bundeswettbewerb Gesang 2018 : Bretter, die das Geld bedeuten

Im Finalkonzert des Bundeswettbewerb Gesang traten elf junge Sängerinnen und Sänger in der Komischen Oper um die begehrten Preise an.

Jonas Zerweck
Die Gewinnerin des Bundeswettbewerb Gesang 2018 bei ihrem Auftritt: Ylva Sofia Stenberg
Die Gewinnerin des Bundeswettbewerb Gesang 2018 bei ihrem Auftritt: Ylva Sofia StenbergFoto: M. Heyde

Jede Bewegung steht unter Beobachtung, von den ersten bis zu den letzten Schritten auf der Bühne. Jeden einzelnen Ton nimmt das Publikum hier ganz besonders bewusst wahr. Die elf Finalisten im „Bundeswettbewerb Gesang“ haben nur wenige Minuten, um sich dem Publikum vorzustellen. Um zu gewinnen, müssen sie allerdings die Jury überzeugen. Und die hat sie bereits während der letzten Tage genauestens beobachtet. 200 Nachwuchskünstler hatten sich beworben, zwei Finalrunden galt es zu überstehen, um – besonnen und feinfühlig begleitet von Axel Kober und dem Orchester der Komischen Oper, präsentiert von Annette Dasch – die Chance zu bekommen, auf der Bühne in der Behrenstraße ein letztes Mal zu punkten.

All den jungen Sängern und Sängerinnen gelingt das sehr gut. Panagiota Sofroniadou beispielsweise beweist mit „Depuis le jour“ aus Charpentiers „Louise“, wie mühelos sie ihre Stimme über das Orchester setzen, wie elegant sie Töne aus zerbrechlichem Piano in dramatische Stärke entwickeln kann. Bis zum Schlusston hält sie den Spannungsbogen, dass es knistert.

Dominanz der kraftvollen Stimmen

Überhaupt dominieren sehr kraftvolle Stimmen in dieser letzten Auswahl – wie auch die von Corinna Scheurle, die in der Tiefe wie in der Höhe einen vollen, warmen Ton zeigt. Ausdrucksstark ist auch die Mimik der Mezzosopranistin, mit der sie ihre Interpretation von „Enfin je suis ici“ aus Massenets „Cendrillon“ toll unterstützt. Den stimmlichen Kontrast bietet Theresa Pilsl. Ihren luftigen Sopran führt sie flexibel und frei durch die Koloraturen von Kleopatras Arie „Piangerò la sorte mia“ aus Händels „Giulio Cesare“, der schlanke Klang passt herrlich zu dem barocken des Orchesters – körperlich aber bleibt sie unbeteiligt.

Nur zwei Herren hatten neben neun Damen die Finalrunde erreicht. Der Bariton Konstantin Krimmel macht mit Leporellos Registerarie aus Mozarts „Don Giovanni“ großen Spaß. Mit reduzierten, aber umso effektvolleren Gesten, dazu einer vielsagenden Mimik, baut er einen engen Kontakt zum Publikum auf. Seine sonore, voll klingende Stimme baut er auf einem breiten Fundament auf.

Nach den elf Arien geht es in die Pause, die Jury zieht sich zur Beratung zurück. Als Siegerin steht danach die Schwedin Ylva Sofia Stenberg fest. Bernsteins „Glitter and be gay“ aus „Candide“ hat sie mit deutlich mehr Körpereinsatz auf die Bühne gebracht als ihre Konkurrentinnen, wobei sie damit szenisch nicht unbedingt überzeugender wirkt. Beeindruckend dagegen, wie sie weit oben einen langen Ton zart ansetzen und dann spannungsgeladen ins Fortissimo aufziehen kann. Den zweiten Preis vergibt die Jury an Slávka Zámecníková, die mit ihrem vollen Sopran sehr präzise und klar „Nun eilt herbei“ aus Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ gesungen hat. Platz drei geht an Konstantin Krimmel. Den gemeinsamen Preis der drei großen Berliner Opern erhält völlig verdient Panagiota Sofroniadou.

Daneben gibt es sechs weitere Sonderpreise. Corinna Scheurle darf den Preis der Stiftung des Bundesverbands Deutscher Gesangspädagogen entgegennehmen, Theresa Pilsl den der Walter Kaminsky-Stiftung. Ihr Pianist Daniel Gerzenberg wird zudem für seine Klavierbegleitung ausgezeichnet. Strahlende Gesichter gibt es auch bei Inga Schäfer (Preis des Deutschen Bühnenvereins für den besten Vortrag einer zeitgenössischen Komposition), Julian Habermann (Stiftung Rosenbaum für besonders überzeugende Darbietung einer Arie aus dem Barock) und Marie-Dominique Ryckmanns (Preis der Walter und Charlotte Hamel Stiftung).

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