Comic „I Kill Giants“ : Auf dem Kriegspfad

Die Tragikomödie „I Kill Giants“ verbindet Surreales mit Alltäglichem. Jetzt erscheint der US-Comic hierzulande zeitgleich zur Filmveröffentlichung.

Matthias Penkert-Hennig
Misanthropisch-rotzig: Eine Seite aus dem besprochenen Buch.
Misanthropisch-rotzig: Eine Seite aus dem besprochenen Buch.

Die kleine Barbara ist ein wirklich eigenartiges Mädchen. Darauf deuten nicht nur ihre aufgesetzten Hasenohren und ihre Glasbausteinbrille hin, sondern vor allem die Tatsache, dass sie glaubt, die Menschheit würde von der Rückkehr grausamer Riesen bedroht. Ausgerechnet die schmächtige Schülerin behauptet nun von sich, mit ihrem mächtigen, magischen Kriegshammer „Coveleski“ die mythologischen Ungetüme aufspüren und töten zu können. Angesichts dieser wahrhaft riesigen Verantwortung fallen Barb alltägliche Dinge wie ihr Dasein als Schülerin, die Pflege sozialer Kontakte und das Zusammenleben mit ihren Geschwistern ausgesprochen schwer.

Es ist kein Zufall, dass die Übersetzung von „I Kill Giants“ erst nach zehn Jahren, aber zeitgleich mit seiner Hollywood-Verfilmung auf den deutschen Markt kommt. Die geht hierzulande direkt in den DVD/BluRay- Markt, ab Donnerstag ist der Film im Handel erhältlich. Allerdings bleibt die durchweg gut besetzte und respektabel geschriebene Adaption dem Betrachter die so wichtige, bissige Komik ihrer vielbeachteten Vorlage oft schuldig.

Eine komisch-traurige Achterbahnfahrt

Der von Joe Kelly geschriebene und minimalistisch von Ken Nimura bebilderte Coming-Of-Age-Comic begeistert vor allem durch seine Hauptakteurin, deren misanthropisch-rotzige Art für einen eigenständigen, angenehm unaufdringlichen Humor sorgt. Die Leichtigkeit mit der das Kreativ-Team so seine originelle Tragikomödie durch stürmische Stimmungswechsel manövriert, verdeutlich, wie perfekt die Kunstform Comic sich für die emotionale Gratwanderung dieses sträflich unterrepräsentierten Genres eignet.

Egal ob während Barbaras verstörender Wutausbrüche, in angespannten Interaktionen mit ihrer Familie oder während der surrealen Sequenzen, in denen sich die möglicherweise fiktive Welt der Riesen mit dem tristen Alltag der wehrhaften jungen Dame vermengt: „I Kill Giants“ erzeugt eine dichte Atmosphäre.

Riesige Verantwortung. Die Hauptfigur in einer Szene aus dem Buch.
Riesige Verantwortung. Die Hauptfigur in einer Szene aus dem Buch.Foto: Splitter

Den Leser treibt dabei immer die zentrale Frage nach dem Wahrheitsgehalt hinter Barbaras wilden Geschichten an. In Kombination mit der leichtfüßigen Präsentation hält dieses Rätsel den Spannungsbogen tatsächlich über stolze 240 Seiten kontinuierlich straff gespannt.

„I Kill Giants“ ist eine komisch-einfühlsame und erschütternd traurige Achterbahnfahrt, beobachtet durch die Augen eines verstörten Kindes. Das überzeugt auch ganz ohne plastik-bunten Disney-Kitsch. Oder vielleicht gerade deshalb.

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Joe Kelly/Ken Niimura: I Kill Giants, Übersetzung Bernd Kronsbein, Splitter, 240 S., 29,80 €

Das Titelbild des besprochenen Bandes.
Das Titelbild des besprochenen Bandes.Foto: Splitter

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