Comic „Unschlagbar“ : Spielerisch durch Raum und Zeit

Der Franzose Pascal Jousselin gewinnt mit seiner grafisch ausgefeilten Superhelden-Persiflage „Unschlagbar“ der Kunstform Comic völlig neue Aspekte ab.

Peter Hetzler
Hinrzerdatternde Spielereien: Eine Szene aus „Unschlagbar“ (für Komplettansicht auf Plus-Symbol klicken).
Hinrzerdatternde Spielereien: Eine Szene aus „Unschlagbar“ (für Komplettansicht auf Plus-Symbol klicken).Foto: Carlsen

Ein Superheld, der klein und pummelig ist? Der sonntags regelmäßig bei seiner Oma zu Mittag isst? Der seine Klamotten selber bügelt und in seinem schwarzgelben Kostüm eher an Fasching als an den Retter der Menschheit erinnert?

Vorhang auf für Unschlagbar, wie sich unser Held in aller Bescheidenheit nennt. Er hat weder Superkräfte noch Röntgenaugen, er ist weder Verwandlungskünstler noch Fassadenkletterer, und er ist auch nicht intelligenter als andere. Aber er findet Wege, die sonst niemand findet. Beispielsweise, um Dinge aus der Zukunft in die Gegenwart zu holen.

Nein, kein Science-Fiction. Sondern eine ausgeklügelte Grafik, die die Panelstruktur des Comics dazu nutzt, um den Raum für die Zeit durchlässig zu machen.

Spiel mit der Panelstruktur

Klingt kompliziert? Beispiel: Unschlagbar wird von jemandem mit einer Pistole bedroht. Der Angreifer steht links im Bild, Unschlagbar steht ihm rechts gegenüber. Unschlagbar hat ein heißes Bügeleisen in der Hand, das er hinter sich hält – und zwar bis in das nächste Panel hinein. Dadurch versengt er seinem Angreifer in nächsten Panel den Hintern, obwohl er ihm auch dort wieder gegenüber, und nicht hinter ihm steht.

Von Panel zu Panel: Eine weitere Sequenz aus „Unschlagbar“.
Von Panel zu Panel: Eine weitere Sequenz aus „Unschlagbar“.Foto: Carlsen

Der 1973 geborene Autor und Zeichner Pascal Jousselin gewinnt dem Medium auf diese Weise völlig neue Aspekte ab. Er spielt mit der Panelstruktur und nutzt sie dazu, die Handlung auf mehreren, sich einander beeinflussenden Zeitebenen gleichzeitig laufen zu lassen. Unser Gefühl für Raum und Zeit wird dabei auf bizarre Weise auf den Kopf gestellt. Solange etwas noch nicht passiert ist, kann man es noch verhindern? Hier nicht.

Mitdenken kann nicht schaden

Mitdenken kann dabei nicht schaden, denn die Handlungsabläufe sind oft absolut verblüffend. Der Versuch, sie logisch nachzuvollziehen, ist allerdings leicht hinrzerdatternd – man versteht nicht immer, wie Jousselin das jetzt wieder gedreht hat. Seine Geschichten entfernt an die grafischen Spielereien von Marc-Antoine Mathieu.

Unterstützung bekommt Unschlagbar übrigens von Fabian, alias Two-D-Boy – ein pickelgesichtiger Jugendlicher, der gerne ein Praktikum bei Unschlagbar machen möchte. Two-D kann Gegenstände schrumpfen lassen. Das ist oft praktisch, führt aber zu Problemen, wenn er es nicht schafft, ihnen ihre ursprüngliche Gestalt zurück zu geben.

Das Cover des vorgestellten Albums.
Das Cover des vorgestellten Albums.Foto: Carlsen

Das Ergebnis ist kein Superheldencomic, in dem sich hochgezüchtete Muskelmänner über die Seiten prügeln oder Cyborgs futuristische Waffensysteme erproben. Hier stehen grafische Überraschungen und Situationskomik im Vordergrund. Ausgeführt in klassisch frankobelgischem Stil bieten die ein- bis zehnseitigen Geschichten originelle Unterhaltung und sind auf ihre Art einzigartig in der Comicwelt. Ende Februar soll ein zweites Album erscheinen.

Pascal Jousselin: Unschlagbar 1: Gerechtigkeit und Gemüse. Carlsen, 48 Seiten, Softcover, 12 Euro

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