Fantasy-Comic-Satire „Raowl“ : Ein Raufbold als Retter

Tébos Fantasy-Comic-Satire „Raowl - Die Schöne und das Biest“ unterhält mit furioser Cartoon-Gewalt und einer Extraportion Humor.

Klar zum Entern: Eine Szene aus „Raowl - Die Schöne und das Biest“.
Klar zum Entern: Eine Szene aus „Raowl - Die Schöne und das Biest“.Foto: Carlsen

Der Rohling Raowl hätte gern eine Prinzessin, die ihn küsst und mit ihm in seinem verwunschenen Garten lebt. Aber Raowl ist von monströser Gestalt und brutaler Natur – und mit einer besonderen Variante des Biestfluchs beladen.

Trotzdem zieht Raowl aus, um heldenhaft eine Holde zu retten und so für sich zu gewinnen. Das erweist sich in der Fantasy-Comic-Satire „Raowl - Die Schöne und das Biest“ (Carlsen, 72 S., 14 €) des französischen Autors und Zeichners Tébo allerdings als schwierig.

Die Prinzessinnen haben einen eigenen Willen

Denn in Tébos Märchenfantasy-Welt ist nichts so wie traditionell gewohnt. Statt dankbarer Damen-in-Nöten, die sich dem rauflustigen Raowl nach ihrer Rettung an den Hals werfen, trifft das Biest auf Prinzessinnen, die andere Vorstellungen von ihrem Traumprinzen und ihrer Zukunft haben.

Und selbst wenn eine der adeligen Ladys Raowl einmal in seinen Garten folgt, wird sie am Ende von einer Schar Fledermäuse entführt, und Raowl muss ihnen auf eine Insel nachjagen, die von einer kannibalistischen Hexe und deren Schergen beherrscht wird ...

Das Titelbild des besprochenen Albums.
Das Titelbild des besprochenen Albums.Foto: Carlsen

Tébo wurde 1972 als Frédéric Thébault in Caen geboren und zeichnete unter anderem den Disney-Hommage-Band „Die jungen Jahre von Micky“, der beim Comicfestival von Angoulême ausgezeichnet wurde.

Dass Tébo auch mit Zep, dem Schöpfer der erfolgreichen Serie „Titeuf“, zusammengearbeitet hat, sieht man seinen Figuren in „Raowl: Die schöne und das Biest“ an – besonders den Proportionen der Charaktere, deren Köpfe größer sind als alles andere.

Schwert voran auf einen Drachen

Tébo versteht es, Reduktion und Details zu vermischen. Die flache, bunte Kolorierung von Ann-Claire Thibaut-Jouvray („Lincoln“) passt gut dazu. Ein visuelles Highlight sind zudem Splashpages wie die Doppelseite, auf der Raowl Schwert voran auf einen Drachen springt.

Die Gags sitzen. Der freche Umgang mit den Tropen und Archetypen der High Fantasy erinnert an Lewis Trondheim („Donjon“), mit dem Tébo ebenfalls schon kooperierte.

Sprache, Themen und Motive des Genres der Prinzessinnen und Monstertöter werden von Tébo ähnlich flott interpretiert und persifliert, sie bekommen eine Dosis furioser Cartoon-Gewalt und eine Extraportion Humor verpasst.

Doch bereits das erste Album macht deutlich, dass kürzere Episoden dem Konzept auf Dauer eher zum Vorteil gereichen dürften als zu lange Einzelgeschichten.

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