Design : Ausstellung zeigt Mies-Entwürfe

Bisher unbekannte Möbel nach Entwürfen des Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe und seiner Partnerin Lilly Reich sind im Krefelder Museum Haus Lange zu entdecken.

Krefeld - Nahezu alle der knapp 30 Sessel, Sofas, Stühle, Tische und Wandvitrinen waren von Mies (1886-1969) und Reich (1885-1947) zwischen 1928 und 1930 für die Bauhaus-Villa des Krefelder Unternehmers Hermann Lange, Vorbesitzer des heutigen Ausstellungshauses, und für die Berliner Wohnung einer Lange-Tochter entworfen worden. Die noblen, von klaren Linien und edlem Material bestimmten Möbel hatte die Kunsthistorikerin Christiane Lange unlängst im Besitz ihrer Tanten wiederentdeckt.

Von Sonntag an bis zum 3. Juni sind die lange verborgenen Schätze der Design-Geschichte sozusagen am "Originalschauplatz" zu bewundern. Mit zwei nach ebenfalls wiedergefundenen historischen Fotos rekonstruierten Räumen erscheint die bauhistorisch bedeutsame Krefelder Mies-Villa von 1930 wieder als Gesamtkunstwerk aus Architektur und Ausstattung, die sich oft an der großzügigen Horizontalen des Bauwerks orientiert. Eine von Mies - Weltmeister des "Weniger ist mehr" - konzipierte Holzwand wurde wieder eingebaut und hinter Rigips eine Vitrine freigelegt.

Kriminologe half bei der Suche

"Meine Großtanten haben immer von beiden, von Mies und Reich, der Innenarchitektin, gesprochen", erklärte Christiane Lange, die den überraschend hohen kreativen Part der Entwerferin mit Hilfe eines kriminologischen Schriftsachverständigen und der Originalpläne ermitteln konnte. So gingen drei von 12 Plänen für Haus Lange und 12 von 40 Möbeln für das weltbekannte Haus Tugendhat in Brünn auf Lilly Reich zurück. Zwar müsse jetzt die Design-Geschichte nicht umgeschrieben werden, aber man sollte dieses Kapitel einer vergessenen Kooperation "vertiefen und differenzieren", sagte die Kunsthistorikerin.

Die Verschmelzung klarer Linien mit noblen Materialien, eine allgegenwärtige ästhetische Finesse, die die bis heute weltweit stilbildende Architektur von Mies ausmacht, sind auch im Kleinformat das Grundprinzip der gefundenen Möbel. Ein schwarzes Ledersofa wirkt ebenso aus einem geometrischen Block geschnitten wie die zahlreichen Ess- und Schreibtische, für die das deutliche Furnier edler Hölzer raffiniert optisch genutzt wurde. In unterschiedlich variierten Maßen und Volumina wirkt jeder Tisch trotz des gemeinsamen Kompositionsprinzips durchaus individuell.

Ein Tagesbett Lilly Reichs galt bislang als Mies-Klassiker: Mit Palisander-Holzrahmen auf Stahlrohrfüßen könnte es nicht einfacher und formschöner sein. Nach der Krefelder Ausstellung wird eine der Großtanten der "Entdeckerin" ihr historisches Möbel wieder im Alltag nutzen. (Von Gerd Korinthenberg, dpa)

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