Die neue Galerie und ihre Probleme : Wo bitte geht's zu James Simon?

Mit der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel feiern die Staatlichen Museen einen Riesenerfolg. Nur leider nutzen sie ihn nicht. Ein Besuch.

Rein und rauf und runter. Besucher erkunden am Eröffnungstag die James-Simon-Galerie.
Rein und rauf und runter. Besucher erkunden am Eröffnungstag die James-Simon-Galerie.

Schön voll hier in der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel. So sind wir Berliner: Ob Museum oder Mall, kaum wird was Neues eröffnet, gehen die Leute gucken. Rennen rein und rauf und runter, genießen die Aussicht und meckern ein bisschen über die „anämischen“ Säulen und dass es kein Grün gibt, nur kalten Beton. Auch das ist typisch Berlin: Neugier und Respekt kommen im Gewand des Understatement daher, das sich schnell in einem Bonmot oder Spitznamen manifestiert. Wahrscheinlich wird es was mit Stangenspargel. Auf der Café-Terrasse macht der Spruch von der „teuersten Garderobe der Welt“ die Runde.

Schön voll hier, und alle wollen wissen, wer dieser James Simon nun war. Verdankt die Stadt ihm nicht Nofretete? Der Rest ist in dem Gebäude, das seinen Namen trägt, nicht leicht herauszufinden. Die nach Protesten anstelle der geplanten Gipsabguss-Eröffnungsausstellung kurzfristig präsentierte Videoschau über den Mäzen und sozialen Wohltäter funktioniert nicht richtig. Auf vier Leinwänden wird das Publikum über den Unternehmer und Kunstsammler informiert. Ist das nicht die Stimme von Katharina Thalbach, die aus den Lautsprechern tönt? Kindheit und Jugend, erste Schenkungen ... bis die Nazis die Erinnerung an den jüdischen Stifter aus dem öffentlichen Gedächtnis verbannten: Die Erzählungen überlagern sich. Es herrscht Thalbachsches Stimmengewirr. Kein Standort, an dem man das Gezeigte problemlos verstehen könnte.

Lauter Renaissance-Schätze

Aber da ist ja noch das Kabinett von James Simon. Pünktlich zur Galerie-Eröffnung wurde sein privates Kabinett rekonstruiert, das zur Einweihung des Kaiser-Friedrich-Museums (heute: Bode-Museum) 1904 dorthin verlegt wurde, in die Öffentlichkeit. Es versammelt einige seiner ersten Schenkungen, lauter Renaissance-Schätze. Mantegnas wunderbare „Maria mit dem schlafenden Kind“, Terrakotten von Luca della Robbia, Gemälde, Skulpturen, kostbares Mobiliar. Wieso ist das Kabinett nicht ein paar Wochen in der James-Simon-Galerie zu sehen, im noch halb leeren Wechselausstellungsraum? So könnten die Besucher Simons Kunstsinn ihrerseits sinnlich und räumlich erleben.

Okay, dann also auf ins Bode-Museum. Es schadet ja nicht, das Kabinett am Originalort zu sehen und zur Eröffnung des zentralen Eingangsgebäudes in jene Museen auszuschwärmen, die eines Tages allesamt unterirdisch miteinander verbunden sein werden. Dummerweise kostet der Eintritt auch am Eröffnungswochenende den vollen Preis. Wer neben der Galerie auch das Kabinett sehen möchte, muss zwölf Euro bezahlen.

Verwirrung am Standort

Und wo genau findet sich der Saal? Im David-Chipperfield-Bau hat der Mitarbeiter am Informationsstand keine Ahnung von nichts, die Besucherin wird an die Kasse verwiesen. Dort wissen sie es auch nicht – und entschuldigen sich freundlich. Im Bode-Museum, nach zehn Minuten Fußmarsch und Dutzenden Treppenstufen abwärts wie aufwärts, findet sich schließlich: nicht der geringste Hinweis. Zum Glück weiß die Ticketkontrolleurin Bescheid und verrät einem den kürzesten Weg: Nordosttreppe rauf, rechts rum durchs Café und immer geradeaus.

Mit der James-Simon-Galerie feiern die Staatlichen Museen einen Riesenerfolg. Nur leider nutzen sie ihn nicht. Locken das Publikum mit Sonderpreisen auf die Museumsinsel, aber nur für einen einzigen Tag, nur am Samstag und nur fürs Neue Museum und fürs Pergamonmuseum. Und sie würdigen James Simon, endlich, während sie ihn ein paar Meter weiter schon wieder verstecken.

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