Diskussion um Placido Domingo : Die Wiener Staatsoper steht dem Star weiterhin offen

Opernchef Dominique Meyer will Placido Domingo nicht vorverurteilen. Der Künstler wird darum wie geplant in Wien singen und dirigieren.

Domingo bei einem Konzert am 29. August 2019 im ungarischen Szeged
Domingo bei einem Konzert am 29. August 2019 im ungarischen SzegedFoto: dpa

In der Diskussion um den Umgang mit den #MeToo-Vorwürfen gegen den Opernstar Placido Domingo hat sich jetzt auch die Wiener Staatsoper positioniert. Auf Anfrage des Tagesspieles erklärte die Geschäftsführung, dass die Vorwürfe sexueller Übergriffigkeit in keinem Zusammenhang mit der Wiener Staatsoper stünden und darum auch kein Anlass bestehe, die mit Domingo geschlossenen Verträge nicht zu erfüllen. Die geplanten Auftritte des Sängers in der Titelrolle von Verdis "Macbeth" im Oktober 2019 werden also stattfinden. Ebenso seine Engagements als "Nabucco" sowie als Dirigent von "La traviata" im Juni 2020.

"Ich war sehr betroffen, als ich von den Vorwürfen über die Medien erfahren habe", erklärte der Wiener Staatsoperndirektor Dominique Meyer. "Konkret kann ich sie nicht beurteilen und will sie auch nicht verharmlosen. Gleichzeitig will ich auch Plácido Domingo nicht vorverurteilen. Wir leben in einem Rechtsstaat und die momentane Faktenlage sagt mir, dass es a) keine Anklage oder polizeiliche Ermittlungen gegen ihn gibt, dass b) die Los Angeles Opera, an der er im Gegensatz zur Wiener Staatsoper eine Entscheidungsfunktion innehat, eine Untersuchung eingeleitet hat, dass c) die Unschuldsvermutung gilt und dass d) uns in unserem Verantwortungsbereich keinerlei Vorwürfe bekannt sind. Übrigens wurde Plácido Domingo im ganzen Haus sowohl künstlerisch als auch menschlich immer sehr geschätzt. Wir werden also bestehende Verträge mit Plácido Domingo aufrechterhalten".

Bereits am Mittwoch dieser Woche hatte die Berliner Staatsoper Unter den Linden auf Tagesspiegel-Anfrage erklärt, dass sie Placido Domingo ebenfalls wie geplant willkommen heißen werde, für zwei "Traviata"-Aufführungen im Januar 2020.

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