Elke Heidenreich zum 75. : Leben lieben, leiden

Sie wird nicht müde, für das zu werben, was sie im Herzen bewegt. Der Schriftstellerin Elke Heidenreich zum 75. Geburtstag.

Die Autorin Elke Heidenreich feiert ihren 75. Geburtstag.
Die Autorin Elke Heidenreich feiert ihren 75. Geburtstag.Foto: Henning Kaiser/dpa

Elke Heidenreich ist eine Frau, die ihr Herz auf den Lippen trägt. Egal, ob sie über Bücher redet oder über Musik: Immer ist da diese überbordende Leidenschaft, die sich in einem ebenso emotionalen wie eloquenten Redeschwall Bahn bricht. Im Interview mit dem Tagesspiegel hat die 1943 geborene, im Ruhrgebiet aufgewachsene Tochter eines KfZ-Mechanikers und einer musikbegeisterten Mutter ihre Liebe zur Kultur mal so beschrieben: „Mit zunehmendem Alter treiben mich Fragen um, wie diese: Habe ich alles falsch gemacht? Kann ich das Ruder noch herumreißen? Welche Verluste kann man überleben? Und dann kommt eine Geschichte und erzählt genau davon, worüber ich gerade grüble. Das tröstet mich. Jeder Leser liest sich selber in jedem Buch, hat Proust gesagt. So ist es auch mit der Musik. Musik ist das beste Mittel, um unsere inneren Verhärtungen zu lösen. Wir sind alle so tough, unser Leben ist komplett durchgetaktet - da dürfen wir uns ruhig mal zwei, drei Stunden zugestehen, die uns aufweichen.“

Darum gehört Elke Heidenreich auch zu den Menschen, die offen zugeben, gerne in der Oper zu weinen. Aber sie kann auch sehr lustig sein. Zur nationalen Berühmtheit brachte sie es von 1975 an in der Rolle der Comedyfigur Else Stratmann aus Wanne-Eickel, die den bundesrepublikanischen Alltag frei Schnauze kommentiert. 1970 hatte sie ihre journalistische Karriere als freie Autorin und Literaturkritikerin gestartet, 1981 wurde Heidenreich Nachfolgerin von Alfred Biolek im „Kölner Treff“, von 1984 bis 1987 moderierte sie beim SFB die Talkshow „Leute“, 2002 bis 2008 präsentierte sie im ZDF die Sendung „Lesen“.

Heidenreich fordert „Kultur für alle“

1992 debütierte sie als Schriftstellerin, ihre 1995 erschienene Katzengeschichte „Nero Corleone“ wurde zum Bestseller. Und sie hat bereits mehrere Opernlibretti geschrieben, zuletzt 2015 für „Adriana“ des Komponisten Marc-Aurel Floros, die in der Kammeroper Schloss Rheinsberg ihre Uraufführung erlebte.

In ihrer missionarischen Art ist Elke Heidenreich über die Jahrzehnte zur vielleicht einflussreichsten Vertreterin des sozialdemokratischen Forderung nach einer „Kultur für alle“ geworden. Weil sie nicht müde wird, für das zu werben, was sie im Herzen bewegt. Weil sie Literatur wie auch Oper herunterbringen will „von diesem hohen Kunstberg“, auf dem sie nur scheinbar stehen. Zum heutigen 75. Geburtstag sei ihr dafür noch viel Erfolg gewünscht.

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