Europäisches Kulturerbejahr 2018 : Gezielt in die Kultur investieren

EU-Kommissar Tibor Navracsics über die Kraft des Kreativen und die Notwendigkeit der europäischen Kulturförderung

Tibor Navracsics
Tibor Navracsics ist Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Europäischen Kommission.
Tibor Navracsics ist Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Europäischen Kommission.Foto: EU/Jennifer Jacquemart

Kultur ist wieder da, wo sie hingehört: ganz oben auf der politischen Agenda der Europäischen Union. Die Staats- und Regierungschefs haben deutlich gemacht, dass sie in diesem Bereich mehr erreichen wollen. Und ich bin stolz darauf, dass wir nun gemeinsame Ziele entwickeln – ambitionierte Ziele. Das ist nur richtig. Kultur ist viel mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung, etwas, das man in Museen findet. Kultur spielt eine entscheidende Rolle für Innovation und wirtschaftliches Wachstum. Sie hilft uns, starke Verbindungen zu unseren Partnern auf der ganzen Welt aufzubauen und Werte wie Frieden und Demokratie, Menschenwürde und Freiheit zu fördern. Vor allem bringt sie uns zusammen. Sie hilft uns, einander besser kennenzulernen, unterschiedliche Standpunkte zu verstehen und zu respektieren – und zu schätzen, was uns verbindet. Kultur ermöglicht uns, starke Gemeinschaften, ein Zugehörigkeitsgefühl und eine europäische Identität aufzubauen. Eine europäische Identität, die unsere nationalen, regionalen und lokalen Identitäten nicht ersetzt, sondern bereichert.

Das Europäische Jahr des Kulturerbes ist ein hervorragendes Beispiel für diese Kraft der Kultur. Das Jahr zeigt, dass es beim kulturellen Erbe nicht nur um die Vergangenheit geht, sondern darum, wer wir heute sind, und dass unser Kulturerbe für den Aufbau des Europas der Zukunft enorm wichtig ist. Das Hauptziel des Europäischen Jahres ist es, Kultur und kulturelles Erbe in den Mittelpunkt unseres täglichen Lebens zu stellen. Unser Kulturerbe allen zugänglich zu machen, damit jeder es entdecken kann.

Das Europäische Jahr des Kulturerbes gibt uns auch den Schwung, den wir brauchen, um sicherzustellen, dass Kultur und kulturelles Erbe weiterhin die politische Aufmerksamkeit und die finanziellen Mittel erhalten, die sie verdienen. Erst vergangenen Monat habe ich meinen Vorschlag für eine neue Europäische Kulturagenda vorgestellt. Ziel: die Schubkraft von Kultur für Wirtschaftswachstum und soziale Entwicklung optimal einzusetzen. Zur Förderung der sozialen Inklusion beispielsweise formuliert die Agenda das Ziel, Projekte zu unterstützen, die Migranten dabei helfen, sich über eine gemeinsame kulturelle Erfahrung einzugliedern. Des Weiteren wollen wir es Künstlern ermöglichen, in der EU über nationale Grenzen hinweg mobil zu sein, um gemeinsames künstlerisches Schaffen zu fördern.

Natürlich brauchen große Ambitionen eine ausreichende Finanzierung. Ich bin sehr stolz darauf, dass die Europäische Kommission vorgeschlagen hat, das EU-Programm für den Kultur- und Kreativsektor „Kreatives Europa“ in der Finanzperiode nach 2020 zu stärken, und das Budget hierfür auf 1,85 Milliarden Euro anzuheben. Ich zähle auf starke Unterstützung aus Deutschland für diesen Vorschlag in den anstehenden Verhandlungen. Es wird eine der besten Investitionen sein, die wir überhaupt nur tätigen können. In Europas Kreativität und Wettbewerbsfähigkeit. In seine Menschen. Und in seine Zukunft.

Der Autor ist Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Europäischen Kommission.

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