Greenpeace Foto Award : Wie die Staaten Amerikas ihre indigenen Völker vertreiben

Der Greenpeace Foto Award fördert politische Fotografie. Die Gewinnerschau in Mitte blickt auf die katastrophalen Missstände im globalen Süden.

Schönheit der Zerstörung. Der brennende Amazonas, festgehalten von Ian Willms.
Schönheit der Zerstörung. Der brennende Amazonas, festgehalten von Ian Willms.Foto: Ian Willms

Der Regenwald im Amazonas brennt. Wochenlang blieb das international unbemerkt. Bis Fotografien den Einzug in die Medien fanden. Der Greenpeace Foto Award will auf die Bedeutung dieser Art von Berichterstattung hinweisen. In den Räumen der Berliner f3-Galerie werden nun die Werke des Kanadiers Ian Willms und des Argentiniers Pablo E. Piavano, beide Gewinner des letztjährigen Wettbewerbs, ausgestellt. Sie dokumentieren die aggressive Landnahme der kanadischen, chilenischen und argentinischen Regierung ohne Rücksicht auf die indigene Bevölkerung.

[f3 – Freiraum für Fotografie, Waldemarstr. 17, 10179 Berlin-Kreuzberg, bis 3. 11.]

Piavanos Werk, in Schwarz-Weiß gehalten, gibt einen intimen Einblick in das Leben der Mapucke-Indianer in Patagonien, wo Militär und Regierung mit aller Härte gegen den Widerstand der Ureinwohner vorgehen. Sie werden zu Terroristen erklärt, selbst vor Mord schrecken die Machthaber nicht zurück. Widerstand hat beim Stamm der Mapucke Tradition. Im Gegensatz zu Inkas wurden sie nicht von den Spaniern vernichtet. Sie schafften es, sich diplomatisch gegen die Eroberer zu behaupten. 1641 wurden sie als erster Indianerstamm anerkannt. Mit anklagendem Blick halten die Ureinwohner Fotos ihrer getöteten Verwandten in die Kamera. Frustration und Schmerz glühen in ihren Augen.

Die Bilder von Ian Willms wiederum strotzen nur so von Farben und Ausdruck. Die Regionen im Bundesstaat Alberta, die er ablichtet, sind zerrissen zwischen der malerischen Schönheit ihrer Natur und dem Aufbau der Schwerindustrie. 2011 stieg Kanada aus dem internationalen Kyoto-Protokoll aus, um den Abbau der wertvollen Ölsande in Angriff zu nehmen zu können: Rund ein Drittel der weltweiten Vorräte liegen in eben dieser Region. Die Folgen sind verheerend. Die Verheerungen, die der Landraub an den sogenannten First Nations anrichtet, auch die unnachgiebige Zurückweisung der Natur durch den Menschen, werden in teils bedrückenden Aufnahmen überdeutlich. „Ich persönlich wusste nichts über unsere indigenen Vorfahren“, sagt Ian Willms. „Aufschluss darüber erhalten wir in der Schule so gut wie gar nicht. Justin Trudeau ist letztendlich nur das kleinere Übel. Neoliberal bleibt er trotzdem.“

Video
Europas Hunger auf Fleisch facht Brände im Amazonas-Gebiet an
Europas Hunger auf Fleisch facht Brände im Amazonas-Gebiet an
Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!