„Hotel Paradiso“ von Familie Flöz : Slapstick-Turbulenzen im Foyer

Familie Flöz zeigt „Hotel Paradiso“ in der Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater - und feiert ihren 25. Geburtstag.

Melancholie in der Lobby des Hotel Paradiso.
Melancholie in der Lobby des Hotel Paradiso.Foto: Marianne Menke

Des Nachts verlässt der Portier des Hotel Paradiso schon mal seine Loge. Im Pyjama legt er einen spanischen Tanz hin zu Zarah Leanders „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ und fantasiert von amourösen Abenteuern. Nach diesem träumerischen Anfang wird es immer abgründiger, denn in dem Berg-Hotel geschehen seltsame Dinge.

Die Familie Flöz feiert ihren 25. Geburtstag mit der Berlin-Premiere von „Hotel Paradiso“ in der Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater (wieder am 15.9., 18 Uhr). Die Gruppe, die ihre Wurzeln an der Folkwang-Hochschule in Essen hat und 2001 nach Berlin zog, hat einen ganz eigenen Stil des Körpertheaters entwickelt. Ihr Markenzeichen sind die Pappmaché-Masken mit den großen Nasen – mal Stupsnase, mal markanter Zinken. Die Aufführungen kommen ganz ohne Worte aus, dafür ist das Körperspiel umso beredter.

Familie Flöz ist international erfolgreich, ihre Produktionen haben sie in unterschiedlichen Ensemblekonstellationen schon in 32 Ländern aufgeführt. In Berlin aber hat es die Gruppe schwer, muss sie sich doch immer wieder einen neuen Spielort suchen. Komödien-Intendant Martin Woelffer hat die Pioniere des physischen Theaters nun ins Schillertheater eingeladen.

Das „Hotel Paradiso“ hat schon bessere Tage gesehen. Die Heilquelle sprudelt zwar noch, doch man kann dabei zusehen, wie hier alles den Bach runter geht.  Anfangs regiert noch die Seniorchefin mit harter Hand. Doch nach ihrem Tod liefern ihre beiden Kinder sich einen erbitterten Streit um das Erbe. Der Sohn, ein Strickwesten-Schluffi, steht in seiner Portiersloge auf verlorenen Posten. Die forsche Schwester möchte alles umkrempeln.

Das skurille Figuren-Panoptikum sorgt für Erheiterung. Das Zimmermädchen entpuppt sich als Kleptomanin und bedrängt den biederen Junior-Chef mit dem Staubwedel. Der Koch, ein Hüne mit blutiger Schürze, schleppt Schweinehälften in seine Küche  und beobachtet mit kindlichen Staunen die Turbulenzen im Foyer.

Witzige Tanzszenen und schwarzer Humor

Die Truppe begeistert durch die liebevolle Figurenzeichnung und die leichtfüßige Art, in der hier existentielle Themen verhandelt werden. Vier Darsteller schlüpfen in mehr als ein Dutzend Rollen – und wechseln blitzschnell ihren Gestus. Witzige Tanzszenen wechseln  ab mit herrlichen Slapstick-Nummern, bei denen auch die Drehtür eine zentrale Rolle spielt.

„Hotel Paradiso“ wird zudem mit einer Prise schwarzen Humors angereichert. Als am Ende eine Leiche entsorgt werden muss, stellt sich der Juniorchef noch ungeschickter an als beim Flirten. Wenn der Koch mit der blutigen Schürze sich zum Schluss sein Schutzbrille anzieht, dämmert den Zuschauerinnen und Zuschauern, dass in der Küche nicht nur Schweinehälften zersägt werden. Wie der Familienbetrieb ins Stadion der Selbstzerfleischung schlittert, ist zwar lustig anzusehen. Doch bei aller Komik ist „Hotel Paradiso“ ein zutiefst melancholischer Abend.

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