Interview mit „Supa Modo“-Machern : „Die beste Zeit meines Lebens“

Unsere Berlinale-Kinderreporter haben die Macher des kenianischen Films „Supa Modo“ getroffen, der in der Generation läuft.

Die elfjährige Stycie Waweru spielt ein krebskrankes Mädchen, das davon träumt, übermenschliche Kräfte zu besitzen. Neben ihr Drehbuchautor Mugambi Nthiga.
Die elfjährige Stycie Waweru spielt ein krebskrankes Mädchen, das davon träumt, übermenschliche Kräfte zu besitzen. Neben ihr...Foto: Mike Wolff

„Supa Modo“ handelt von Jo, ihrer Mutter, ihrer großen Schwester und ihrem Dorf in Kenia. Jo hat nur noch zwei Monate zu leben. Während ihre Mutter streng über sie wacht, veranstaltet ihre Schwester immer waghalsigere Aktionen, um Jo vorzugaukeln, dass sie selbst einer von ihren geliebten Superhelden ist – und das ganze Dorf macht mit. Das ist lustig, aber auch gefährlich und vielleicht nicht die beste Art, ihre letzten Wochen zu verbringen. Schließlich wird das gemacht, was Jo sich selbst wünscht: einen Film drehen! Dabei ist, mit den Worten von Co-Produzent Tom Tykwer bei der Premiere im Haus der Kulturen der Welt, der erste Superheldenfilm aus Afrika herausgekommen. Unsere Kinderreporter Johanna Kuhn und Jakob de Millas haben Hauptdarstellerin Stycie Waweru und Drehbuchautor Mugambi Nthiga Fragen gestellt, Susanna Nieder hat übersetzt.

Wie hast du die Rolle von Jo bekommen, die an einer schlimmen Krankheit leidet und Superhelden liebt?

STYCIE: Ich bin zu einem Casting gegangen, aber dann hieß es, sie suchen einen Jungen.

NTHIGA: Die Hauptperson sollte eigentlich ein Joshua sein und keine Joanna. Aber dann waren die Mädchen bei den Castings so viel stärker als die Jungen, dass wir uns umentschieden haben. Wir haben ungefähr 500 Kinder angeschaut, bis wir Stycie gefunden haben.

STYCIE: Ich bin dann erst mal heimgegangen, aber dann hat mir meine Mutter erzählt, dass sie jetzt doch ein Mädchen wollen. Also bin ich wieder hin. Die haben mich dort alle ganz erstaunt angeschaut, so, als dachten sie: Mensch, die kann ja schauspielern! Und als ich das nächste Mal dort war, haben sie mir gesagt, dass ich die Rolle habe.

Wie alt bist du?

Elf.

Also sind alle drei Kinder hier elf.

NTHIGA: Wie, du bist elf?

STYCIE: Ich bin elf, wieso?

NTHIGA: Ich dachte, du bist zehn.

STYCIE: Aber du hast mir doch zum Geburtstag gratuliert!

NTHIGA: Echt? Mensch, stimmt ja! (Sie lachen)

War es schlimm, dass du dir für den Film die Haare abschneiden lassen musstest?

STYCIE: Das ist mir nicht leichtgefallen, ich liebe meine langen Haare. Aber wenn man Krebs hat, bekommt man Medizin, von der die Haare ausfallen. Und wer das spielen will, muss sie sich abrasieren, so ist das eben.

Wie lange haben die gebraucht, um nachzuwachsen?

STYCIE: Die hier? Das sind gar nicht meine Haare. Meine gehen mir erst wieder zu den Ohren. Aber ich dachte, ich mach mich hübsch für die Berlinale.

Bist du traurig, dass der Regisseur Likarion Wainaina heute nicht hier sein kann?

STYCIE: Sehr traurig. Er hat die ganze Arbeit gemacht, und jetzt kann er nicht dabei sein.

NTHIGA: Er hat gestern erst erfahren, dass er nicht das richtige Visum hatte. Aber nächste Woche auf dem Toronto Filmfestival ist er dabei. Sagt mal, wollt ihr ihm eine Sprachnachricht schicken?

Susanna Nieder in sein Handy (auf Englisch im Namen der Kinderreporter): Hallo Likarion Wainaina, zwei unserer Kinderreporter haben gerade „Supa Modo“ gesehen und lassen ausrichten, dass er ihnen sehr gut gefallen hat. Vor allem, wie Sie es hingekriegt haben, dass der Film gleichzeitig traurig und glücklich ist, finden sie ganz toll. Vielen Dank!

NTHIGA: Das wird ihn freuen.

Sie waren der Chef eines vierköpfigen Teams von Drehbuchautoren. Ist der Film so geworden, wie Sie sich ihn vorgestellt haben?

NTHIGA: Ja und nein. Einerseits ist alles drin, aber wenn man den ganzen Film zum ersten Mal auf der großen Leinwand sieht, entwickelt die Geschichte viel mehr Kraft als auf dem Papier.

Stycie, es macht bestimmt Spaß einen Film zu drehen, aber gab es auch Tage, an denen du gar keine Lust darauf hattest?

Ja klar, Filmedrehen ist echt ermüdend. Die mussten eine ganze Menge Pizza holen, um mich auf Trab zu halten.

Gab es eine Szene, die du besonders anstrengend fandest?

STYCIE: Ja, wenn ich rennen musste. Die haben gesagt: Du bist zu langsam. Dann musste ich es nochmal machen. Und Gesichtsausdrücke, traurig oder wütend schauen, das ist nicht so einfach.

NTHIGA: Erinnerst du dich an den letzten Drehtag?

STYCIE: Oh Mann. Das war die letzte Szene, das allerletzte Bild, wo Jo schon tot ist. Man sieht sie noch einmal, sie steht auf einem Berg, langsam lösen sich ihre Füße vom Boden, und sie kann endlich fliegen, wie sie sich das immer gewünscht hat. Wir haben am Abend gedreht, es war windig und kalt, und ich dachte: Ich mag nicht mehr!

Wie findest du dich im Film?

STYCIE: Also, ein paar Szenen hätten wir vielleicht doch wiederholen sollen, die habe ich nicht richtig hingekriegt.

Welche zum Beispiel?

STYCIE: Als meine große Schwester mich ablenken will, indem sie so tut, als ob sie das Marmeladenglas nicht aufmachen kann. Ich kriege es sofort auf und grinse, weil ich weiß, dass sie nur so getan hat. Das haben wir am ersten Tag gedreht, und ich finde mich nicht echt.

Aber du hast schon gemerkt, dass es allen im Kinosaal gefallen hat, oder?

STYCIE: Ja, doch.

Wie lange haben die Dreharbeiten gedauert?

NTHIGA: In Kenia gibt es unter dem Titel Brain Room Workshops, in denen Drehbuchautoren und Regisseure sich ihre Ideen vortragen. Die Geschichte zu diesem Film war eine Idee unseres Regisseurs Likarion Wainaina, über die wir in der ersten Workshopwoche im Januar letzten Jahres geredet haben. In der zweiten Woche sind wir mehr ins Detail gegangen. Dann wurde seine Geschichte ausgewählt, und im März haben wir begonnen. Wir hatten fünf Monate Zeit zum Schreiben, und im August waren die Dreharbeiten.

STYCIE: Das war nicht im August.

NTHIGA: Nicht?

STYCIE: Im Juli.

NTHIGA: Stimmt, im Juli. Wir haben den Film in vier Wochen gedreht.

War das in deinen Ferien?

STYCIE: Nein, während der Schulzeit.

Echt, vier Wochen Filmdreh statt Schule?

STYCIE: Ja. Es war die beste Zeit meines Lebens!

21.2., 12.30 Uhr, (Filmtheater am Friedrichshain), 22.2., 13.30 Uhr (Cinemaxx)

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