Israel Philharmonic zu Gast beim Musikfest : Das Leben ein Traum

Abschied nach einem halben Jahrhundert: Zubin Mehta und sein Israel Philharmonic zu Gast beim Musikfest Berlin.

Lachender Abschied. Zubin Mehta inmitten seines Israel Philharmonic Orchestra beim Gastspiel in der Philharmonie.
Lachender Abschied. Zubin Mehta inmitten seines Israel Philharmonic Orchestra beim Gastspiel in der Philharmonie.Foto: Monika Karczmarczyk

Es geht nicht einfach nur eine Ära zu Ende, wenn Zubin Mehta sich auf seine letzte Tournee mit dem Orchester begibt, dem er 50 Jahre lang vorstand. Die Verbindung des 83-jährigen Dirigenten mit dem Israel Philharmonic Orchestra ging immer über die Musik hinaus. Als Mehta den Taktstock übernahm, dirigierte er noch Musikerinnen und Musiker, die vor den Nazis geflohen waren. Dann folgten russische Exilanten, die während des Kalten Krieges Seite an Seite mit amerikanischen Juden spielten. Schließlich erlebte der Maestro ein Orchester junger Israelis. Immer stand Mehta am Pult, ob bei Bombengefahr oder im Krieg. Auch als Ehrenbürger des Landes ließ er sich nicht davon abhalten, die israelische Regierung zu kritisieren.

Daniel Barenboim, Freund seit Jugendtagen, hat der besonderen Beziehung zwischen Orchester und Dirigent einen Programmhefttext gewidmet, der sich erstaunlich sachlich liest, beinahe wie ein Lexikon-Eintrag. Vielleicht sollte er nicht klingen wie ein Nachruf zu Lebzeiten, vielleicht entspricht er aber auch dem Wesen Mehtas, dem dramatische Zuspitzungen eher fern liegen. Auf einen Stock gestützt erklimmt er sein Pult, setzt sich und wirft das Hilfsmittel schwungvoll beiseite. Sein feines Lächeln vermittelt liebevolle Gegenwart, immer bereit für ein Staunen über das, was das Israel Philharmonic zum Klingen bringen kann.

Nur keine Schwere – und als Zugabe eine Polka

Das eröffnende Concertino für Streichorchester von Ödön Pártos erinnert mit leicht angeschärftem Schwung an die Geschichte des Orchesters. Pártos, von den Nazis aus Berlin vertrieben, fand Zuflucht als Bratscher im Ensemble, das damals noch Palestine Symphony hieß. Das Concertino war die einzige im alten Europa entstandene Komposition, die er später gelten ließ.

Der Geiger Gil Shaham spielte als Teenager zum ersten Mal mit Mehta, heute ist er scherzend mit auf Abschiedstour, jetzt nur keine Schwere aufkommen lassen. Mendelssohns Violinkonzert beschwört in der Philharmonie die Gemeinschaft von Solist und Orchester, eine wache Romantik jenseits des bloßen Verschmelzens. Berlioz’ Symphonie fantastique singt sich nach der Pause in großen Bögen aus, das Orchester atmet prachtvoll mit Mehtas weichem Taktschlag. Das Ganze bleibt, was es ist – ein Traum, geborgen von einem weisen Hüter. Als Zugabe dirigiert der bejubelte Maestro noch die Polka „Leichtfüßig“ von Hellmesberger, die durch den Saal perlt, als müsste sie kein Ende finden.

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