Kloster Tholey im Saarland : Gerhard Richter entwirft Kirchenfenster

Gerhard Richter hat drei Chorfenster für das Kloster Tholey entworfen. Die Anfrage war ihm willkommen - er kämpft mit gesundheitlichen Problemen

Die Benediktinerabtei St. Mauritius im saarländischen Tholey ist das älteste Kloster Deutschlands.
Die Benediktinerabtei St.Mauritius im saarländischen Tholey ist das älteste Kloster Deutschlands.Foto: Oliver Dietze/dpa


Der 87-jährige Künstler Gerhard Richter hat drei große Kirchenfenster für das Benediktinerkloster im saarländischen Tholey mit großer Freude entworfen. „Die kamen mir wie gerufen. Zufällig“, sagte Richter der Deutschen Presse-Agentur. Als der Anruf einging, habe er gerade mit Mustern aus seinem Künstlerbuch „Patterns“ gespielt. „Ich hatte gleich an Kirchenfenster gedacht, als ich mit den Mustern spielte“, sagte er. „Wäre eine gute Methode, diese Muster zu verwenden.“

Die Entwürfe für die Chorfenster werden am kommenden Mittwoch in Tholey erstmals öffentlich vorgestellt. Tholey ist das – mit erster urkundlichen Erwähnung im Jahr 634 – älteste Kloster in Deutschland. Richter hat die Entwürfe unentgeltlich gestaltet. Sie sollen in diesen Tagen in Produktion gehen und im Sommer 2020 eingeweiht werden. Die gotische Abteikirche wird zurzeit renoviert.

Richter habe der Abtei damals gesagt: „Ich versuche es mal und habe es dann versucht und verschiedene Muster gemacht. Drei sind dann richtig geworden“, erzählte er. „Sie sehen aus wie orientalische Muster.“ Wie sind sie entstanden? „Man muss das Buch (Patterns) kennen: Da ist ein abstraktes Bild. Das wird vervielfältigt und geteilt in die Hälfte, in Viertel, in Achtel, in Sechzehntel, in Zweiunddreißigstel und so weiter. Bis es nur noch abstrakte Linien sind. Und aus den abstrakten Linien sind dann später Bilder entstanden.“

Es geht auch ohne Gott

Die bunten Bilder seien also durch Zerlegung und Spiegelung quasi „von alleine“ entstanden. „Das Faszinierende ist, dass man da nichts dazu tut. Ich erfinde das nicht, die Orientalen hingegen mussten das ja alles erfinden. Und da hatte es eine Bedeutung.“ Seine Bilder für die knapp vier Meter breiten und knapp elf Meter hohen Fenster dagegen „haben nichts auszusagen“. Sie seien „halb abstrakt, halb erzählerisch“. Und sie zeigten: „Wir müssen da gar nichts glauben und Gott drin sehen, es geht auch so.“ Die Besucher sollten sie einfach nur „schön“ finden.

Zu Gott habe er „keine Beziehung“, sagte Richter, der als junger Mann aus der evangelischen Kirche austrat. Dem Christentum stehe er aber nahe. „Ist ja immerhin meine Wurzel. Da komme ich her.“ Wie er sich selbst beschreiben würde? „Ich bin ein Suchender, wie es alle mehr oder weniger sind.“ An ein Leben nach dem Tod glaube er nicht: „Tot ist tot.“ Es sei aber „eine schöne Vorstellung, die die Menschheit sich da erfunden hat: Wenn sie stirbt, dass sie dann in den Himmel kommt“.

Derzeit kämpft der Künstler Gerhard Richter, 87, mit gesundheitlichen Problemen.
Derzeit kämpft der Künstler Gerhard Richter, 87, mit gesundheitlichen Problemen.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Richter hat gesundheitliche Sorgen

Auch die Kirche sei eine „schöne Erfindung“ gewesen. Sie habe „eben diese wunderbaren Bauten gemacht“. Solche Gebäude brauche man heute noch. „Was bisschen mehr Ernst hat und Würde reinbringt ins Leben.“ Richter hat zuvor bereits einmal ein Kirchenfenster entworfen, für den Kölner Dom. Das dortige Fenster im Querhaus wurde 2007 eingeweiht.

Richter war noch nicht in der Benediktinerabtei St. Mauritius in Tholey. Auch zur Vorstellung seiner Entwürfe oder zu der Einweihung 2020 werde er „sicher nicht kommen“. Es gehe ihm zurzeit gesundheitlich nicht so gut.

„Deswegen kann ich auch nicht reisen.“ Er sei im Atelier und bereite unter anderem Ausstellungen vor. An neuen Werken arbeite er derzeit nicht. Der Künstler gilt als bedeutendster Maler Deutschlands. Was er dazu sage? „Aha.“ Und was dies für ihn bedeute? „Im Moment ist es ganz gut für mich, weil es mir nicht so gut geht, (...) und da ist das ein schöner Ausgleich, wenn ich das lese.“ Kunst könne „ein guter Trost“ sein. (dpa)

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