Kunst : Der Maler und Grafiker Paul Wunderlich wird 80

Ein Skandal machte Wunderlich im Alter von 33 Jahren mit einem Schlag berühmt: Ein zu erotisch geratener Bilder-Zyklus wurde erst von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und dann vom Museum of Modern Art in New York aufgekauft.

Hamburg - Wegen "unzüchtiger Abbildungen" beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft 1960 die Bilder seines erotischen Lithographie-Zyklus' "qui s'explique". Das sorgte bis nach Amerika für Aufsehen. Das Museum of Modern Art in New York kaufte nicht nur den umstrittenen Zyklus, sondern auch die Folge "20. Juli 1944", die am Galgen hängende verstümmelte Körper zeigt und an die Hitler-Attentäter erinnert. Eros und Tod sind in Wunderlichs Werk immer wiederkehrende, oft zusammenhängende Themen. Am Samstag feiert Wunderlich seinen 80. Geburtstag.

Der Künstler arbeitet Tag für Tag hoch über den Dächern von Hamburg in seinem Atelier - die Hälfte des Jahres verbringt er jedoch zusammen mit seiner Frau, der Fotografin Karin Székessy, an seinem Zweitwohnsitz in der Provence. Geboren wurde Wunderlich in Eberswalde bei Berlin. Nach Schule, Kriegsdienst und kurzer Kriegsgefangenschaft studierte er von 1947 bis 1951 an der Hamburger Kunsthochschule. Bereits 1951 wurde er dort mit der Leitung der Druckwerkstatt betraut und druckte unter anderem für Oskar Kokoschka und Emil Nolde. Nach einem Aufenthalt in Paris kehrte er 1963 als Professor für Malerei nach Hamburg zurück, 1968 verzichtete er auf seine Professur und lebt seitdem als freier Künstler.

Hart an der Grenze zur Kommerzialisierung der Kunst

Bis heute hat es in Hamburg keine Einzelausstellung mit Werken Wunderlichs gegeben, dafür zeigten die Kunsthalle in Kiel, das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum und das Buddenbrockhaus in Lübeck seine Arbeiten. Kritiker warfen dem Künstler, der auch Möbel, Leuchter, Porzellan und Schmuck entworfen hat, die Kommerzialisierung der Kunst vor. "Ich beging die Todsünde, die Grenzen zwischen Kunst und Kunstgewerbe zu überschreiten", sagte Wunderlich einmal. "Ob Sie hier ein Bild, eine Skulptur, einen Tisch, einen Leuchter, eine Teetasse oder Messer und Gabel sehen - alles ist von mir entworfen und in dem von mir geschaffenen surrealen Stil gehalten, den sie stets erkennen können. Ich hätte mich auf den Lorbeeren meines lithographischen Werks ausruhen können, doch das war mir nicht genug." Vor einigen Jahren überraschte Wunderlich mit einer von ihm bis dahin verschmähten Technik, der Kaltnadelradierung.

Auch zu seinem 80. Geburtstag wird Wunderlich, der als einziger deutscher Künstler in die französische "Académie des Beaux Arts" aufgenommen wurde, außerhalb Hamburgs geehrt. Das Schloss Gottorf zeigt vom 1. April bis zum 22. Juli die Ausstellung "Poesie und Präzision. Das Werk von 1987-2007". Seine Geburtsstadt Eberswalde baut zudem für 30 Millionen Euro ein neues Verwaltungszentrum, das "Paul-Wunderlich-Haus" heißen und im Juni dieses Jahres eröffnet werden soll. Dort soll auch eine Ausstellung mit seinen Skulpturen und Grafiken zu sehen sein. "Für mich bedeutet dies Anerkennung und Ehre wie sie selten zu Lebzeiten eines Künstlers geschehen", schrieb Wunderlich 2004. (Von Carola Große-Wilde, dpa)

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