Kinderbücher für den Sommer : Nächstes Kapitel: Ferien!

Eine Gespensterschule, Yosemite und der unheimliche Kinderhasser. Sechs Bücher, die auch Eltern gefallen.

Kurt von Hammerstein
Illustration: Irvandy Syafruddin

DER AUTOR

Kurt von Hammerstein, 45, ist Inhaber der Buchhandlung Hundt Hammer Stein (Alte Schönhauser Straße 23/24, Berlin-Mitte). Er liebt Kinderbücher, darum kennt er sich besonders gut mit ihnen aus. Erwachsene schätzen sein großes Sortiment englischsprachiger Literatur.

ZUM GUTFÜHLEN

Zugegeben, als Gespenst ist Gustav eine komplette Niete. Darum landet er auf der Gespensterschule auch in so ziemlich jeder Gruseldisziplin auf dem letzten Platz. Irgendwann reicht es dem Direktor, und er verbannt Gustav, sehr unpädagogisch, in den verlassenen alten Turm. Dort macht Gustav Bekanntschaft mit der Katze Miau, und die beiden schaffen in dem Gemäuer etwas, das viel wichtiger ist als ordnungsgemäßes Spuken - ein gemütliches Zuhause für alle Gespenster. Guido van Genechten hat ein wunderbar witziges und liebevoll gezeichnetes Bilderbuch geschaffen, das klarmacht, dass jeder seine ganz eigenen Fähigkeiten hat und dass es okay ist, wenn diese anders sind als die der anderen. (Guido van Genechten, „Keiner gruselt sich vor Gustav“, Annette Betz Verlag, 14,95 Euro, ab 4 Jahre)

ZUM SELBERLESEN

Stuart ist viel zu klein für sein Alter, und als wäre das nicht schlimm genug, muss er mit seinen Eltern umziehen - in die Heimatstadt seines Vaters, der erstaunlicherweise nicht die geringste Ortskenntnis hat (was vielleicht daran liegt, dass er von Beruf Kreuzworträtsel-Erfinder ist und die Realität ihn nicht sonderlich interessiert). Als Stuart in einer Schatulle seines Magier-Großonkels acht alte Münzen findet, beginnt eine fantastische Schnitzeljagd, denn die Münzen passen in acht Automaten, die überall in der Stadt versteckt sind. Die Stuart-Horten-Reihe ist sauspannend, sehr witzig und unglaublich klug. Gute Chancen, dass man gleich beide Bände an einem Tag durchliest! (Lissa Evans: „Stuart Horten - Acht Münzen und eine magische Werkstatt“ und „Sieben Rätsel und ein magischer Stern“, Mixtvision Verlag, 10 €, ab 10 Jahre)

ZUM ANKUSCHELN

Freunde, lasst es euch gesagt sein: Dieses Buch ist das schönste Buch der Welt. Nicht nur das schönste Kinderbuch, nein! Das schönste Buch überhaupt. Die Geschichte vom großen Bären, der alle und alles (aber hauptsächlich Bäume) so lieb hat, dass er ständig alle und alles umarmen muss, ist für sich alleine stehend schon hinreißend. Die Illustrationen von Nicholas Oldland sind aber dazu so bezaubernd, dass man eigentlich immer wieder selbst den Bären umarmen möchte. Nur einmal, als er versucht, einen Biber und einen Baum gleichzeitig zu umarmen, passiert etwas, was ihn nicht gerade in Umarmelaune versetzt  Übrigens: Der große Bär hat noch ein paar Freunde, nämlich den Biber und den etwas ängstlichen Elch, die in weiteren Büchern ihre kleinen Abenteuer erleben. (Nicholas Oldland: „Der große Bär“, Jacoby & Stuart, 12 €, ab 3 Jahre)

ZUM WACHBLEIBEN

Der Satz sagt schon alles: „Mr. Gum ist durch und durch böse, und er hasst Kinder, Tiere, Spaß und Maiskolben mit Butter und Salz.“ Und alle in der Stadt zittern vor ihm. Aber als er sich an dem Hund Jacob rächen will, der seinen Garten zerrupft (was dazu führt, dass eine verärgerte Fee, die in seiner Badewanne wohnt, ihm eine Bratpfanne über den Kopf zieht), nimmt das Mädchen Polly den Kampf gegen das Super-Ekel auf. „Mr. Gum“ von Andy Stanton ist wie Erich Kästner auf Speed, wahnwitzig komisch und komplett durchgeknallt. Und Gott sei Dank vom genialen Harry Rowohlt übersetzt. Für Kinder und Eltern und generell alle, die nicht einschlafen wollen und sollen - denn das passiert bei diesem Buch und seinen zehn Nachfolgern garantiert. (Andy Stanton: „Sie sind ein schlechter Mensch, Mr. Gum“, Sauerländer Verlag, 6,95 €, ab 6 Jahre)

ZUM GEMEINSAM LESEN

Da sitzt die Familie urlaubsabends auf dem Balkon herum, und die Langeweile wächst, weil es eigentlich nichts mehr zu tun gibt. Im Pool ist es öde, und das Eis ist längst aufgegessen - was soll man denn jetzt machen? Eine ganz großartige Idee ist es da, sich „Die Wunder der Welt“ zu schnappen und gemeinsam zu lesen und anzuschauen. Dieses übergroße Bilderbuch führt in unglaublichen Illustrationen zu den spannendsten Bauwerken und Naturwundern, die unsere Erde zu bieten hat, von Angkor Wat bis Yosemite. Genug erklärende Texte gibt's dazu, damit es auch für die Älteren spannend bleibt. Achtung, bitte nicht übersehen: Auf der letzten Seite steht ein kleines Suchspiel, das einen rückwärts durch das ganze Buch führt. (Ben Handicott/Lucy Letherland: „Die Wunder der Welt“, Gestalten Verlag, 29,90 €, ab 6 Jahre)

ZUM SCHLAFENGEHEN

Es ist doch ein Kreuz mit dem Einschlafen! Manchmal will es einfach nicht gelingen. Da geht es den Großen genauso wie den Kleinen. Nur dass die Großen sich meistens nicht mehr fragen, was die Eltern eigentlich nachts machen. Die kleine Sofia macht sich hierzu so ihre Gedanken, die eigentlich alle recht vernünftig klingen.

„Wahrscheinlich esst ihr lauter Kekse und Bonbons und schleckt Lutscher und Eis ...“ Aber egal, auf welche Ideen sie verfällt, die Eltern winken immer ab: „Hör schon auf, Sofia!“ Ja, aber was machen die Eltern dann? Die Antwort wird die Kinder überraschen, die übermüdeten Eltern garantiert nicht. Eine zauberhaft illustrierte kleine Geschichte für alle, die schon im Bett liegen, aber keine Lust haben, die Augen zuzumachen. (Thierry Lenain / Barroux: „Was machen Eltern nachts?“, Schaltzeit Verlag, 15 €, ab 3 Jahre)

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