Mendelssohn-Wettbewerb 2020 : Klassiker, neue Musik und zwei Uraufführungen

Stimmt so: Kaum jemand ist so wettbewerbserprobt wie junge Musikerinnen und Musiker. Beim Abschlusskonzert des Mendelssohn-Wettbewerbs zeigen sie ihr Talent.

Elias Pietsch
Junges Talent. Die Preisträgerinnen und Preisträger des Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerbs 2020.
Junges Talent. Die Preisträgerinnen und Preisträger des Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerbs 2020.Foto: © www.fmbhw.de/ Urban Ruths

Neben Sportlern zählen junge Musikerinnen und Musiker zu den wettbewerbserprobtesten Menschen überhaupt. Man werfe nur einen Blick auf die Biografien in den Programmheften der Konzerthäuser. Das Wettbewerbswesen hat natürlich seinen Sinn, erhalten die jungen Menschen doch so wichtige Förderungen und Erfahrungen auf ihrem Weg in die professionelle Musikwelt.

Der Wettbewerb, dessen Preisträger am Sonntag im Konzerthaus vorgestellt werden, etablierte dieses Konzept schon 1878. Der „Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb“ geht auf die Familie des Komponisten zurück, die dessen Nachlass dem preußischen Staat vermachte. Als Gegenleistung verpflichtet der sich, Nachwuchsmusikerinnen und -musikern unter die Arme zu greifen.

Das Finale überstrahlt alles

Genauso abwechslungsreich wie die Kombination der diesjährigen Wettbewerbsfächer Gesang und Streichquartett gestaltet sich das Programm. Neben Klassikern der Musikgeschichte stehen Neue Musik und zwei Uraufführungen.

Die erste, das Rezitativ „Antigone“ der griechischen Komponistin Konstantia Gourzi, verwirrt das Publikum: Als die Sopranistin Mengqi Zhang die Bühne betritt, erstirbt der aufbrandende Applaus: Zhang schaut wild um sich, atmet lautstark und schwer, bis sie in dramatischen Gesang auf Altgriechisch ausbricht.

Das Quartett „La Voce Abbandonata“ von Sidney Corbett interpretieren die ersten Preisträger des Wettbewerbs, das Baum Quartett, sanft und zerbrechlich. Einer kurzen Improvisation über einen auf den Instrumenten geschlagenen Groove und funky gezupften Noten folgt nahtlos Beethovens 15. Streichquartett: Modernes fließt wunderbar in Klassisches. Das Cheng Quartet interpretiert Jörg Widmanns Streichquartett Nr. 1. Mit Zupfen, Klopfen und Quietschen reizen die zweiten Preisträger die ganze Klangpalette ihrer Instrumente aus.

Das Finale überstrahlt alles: Die erste Preisträgerin Carmen Artaza begeistert mit einer Altstimme, die in allen Tonlagen gleichermaßen Fülle zeigt. Begleitet vom Konzerthausorchester unter der Leitung von Julien Salemkour singt sie verspielt und heiter Lieder aus Berlioz’ Zyklus „Le nuits d'été“, klagend und dramatisch „Du lieber Heiland Du“ aus Bachs Matthäus-Passion.

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