Kultur : Nelly Furtado

Diese Woche auf Platz 4 mit: „All Good Things (Come To An End)“

Esther Kogelboom

Whoa, Nelly! Sieht so aus, als würde sich jede Single aus ihrem aktuellen Album „Loose“ verkaufen wie geschnitten Brot. Mit „All Good Things (Come To An End)“ singt sie einen klassischen Ohrwurm – den perfekten, etwas öden, schmerzlosen Popsong; eine große Koalition aus Furtado selbst und ihrem Co-Producer Timbaland, dessen Azubi Danja und dem Coldplay-Kopf Chris Martin.

Dabei hatte die Kanadierin mit ihrem dritten Album eigentlich die Wandlung vom Folklore-Mädchen zur R & B-Sirene bereits vollzogen. Doch so ganz ohne den gewohnten Zuckerüberzug geht es bei Nelly Furtado offenbar doch nicht. So sind auf dieser mantra-mäßigen Platte keine irritierenden Beats, kein Geheule wie noch auf „Promiscuous Girl“. Wenn im Studio in Miami beim Einspielen von „Maneater“ noch die Lautsprecher in Flammen standen – Voodoo-Zauber, behauptete Furtado einmal, wegen der ungeheuren Kraft des Songs, ach so –, ist es ein Wunder, dass alle Beteiligten bei der Aufnahme von „All Good Things (Come To An End)“ nicht einnickten.

Am spannendsten ist, dass es sich bei dem Song um einen Vertreter des Klammersong-Genres handelt. Nicht zu verwechseln mit Klammerblues oder Klammeraffe! Unter Klammersongs versteht man Songtitel, die in zwei Hälften geteilt sind, wovon eine Hälfte in Klammern steht und die andere (meist ergänzende) nicht. Gern genommen von den Rolling Stones – „(I Can’t Get No) Satisfaction“, Patti Smith – „So You Want To Be (A Rock ’n’ Roll Star)“ oder auch als Albumtitel von Oasis – „(What’s The Story) Morning Glory?“. Sogar die Beatles fielen auf den diffusen Reiz des Klammersongs rein. Wusste jemand, dass „Norwegian Wood“ eigentlich „Norwegian Wood (This Bird Has Flown)“ heißt? Konnten die sich nicht zwischen zwei Songtiteln entscheiden? Wollten sie einen kurzen Titel, ihn jedoch im selben Atemzug auch erklären?

Entschuldigung für diesen Exkurs. Aber die Platte ist so langweilig.

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