Neues Kreuzberger Musical : Untotenmusik

Benedikt Eichhorn muss komponieren: Das Musical „Zombie Berlin“ feiert Premiere im BKA.

Dominique Ott-Despoix
Horrorfratzen. Ein „Chor der Untoten“ treibt sein Unwesen im BKA.
Horrorfratzen. Ein „Chor der Untoten“ treibt sein Unwesen im BKA.Foto: Sven Ihlenfeld

„Zombie Berlin“, das klingt nach dem neusten Escape Room der Hauptstadt, meint aber ein von Benedikt Eichhorn komponiertes Musical, das pünktlich zu Halloween im Kreuzberger BKA-Theater Premiere feierte (weitere Aufführungen bis 9. November). Regisseur Robert Löhr, der auch die Story erfunden hat, setzt ganz auf Selbstironie: Der sozialkritischen Dimension, die der Zombie-Gattung anhaftet, ist er sich dabei bestens bewusst, und das populäre Musiktheater muss mit Songs wie „Ich hasse Musical“ einiges einstecken.

Nach dem Ausbruch einer Zombie-Epidemie verbarrikadiert sich Theaterredakteur Henry (Christoph Keune) mit seiner Freundin Maren (Alice Köfer) und dem Foodora-Fahrradkurier Tristan (Thilo Prothmann) in einer verlassenen Bühne. Dort geht es dann vor allem um die Kluft zwischen Bildungsbürgertum und breiter Masse. Henry verabscheut die niederen Künste, Tristan steht zu ihnen. Maren ist zwischen beidem hin- und hergerissen.

Als eine zum Zombie gewordene Wurstwenderin (Isabelle Gensior) auf die drei Überlebenden losgeht, muss der arrogante Theaterkritiker feststellen, dass die Regeln des Musicals doch ihre Vorteile haben. Schließlich kann jemand, der gerade einen internen Monolog singt, nicht einfach von einem Zombie verspeist werden.

Dem hochnäsigen Henry tut der Perspektivenwechsel erstaunlich gut, wenn er nach seiner Zombifizierung plötzlich die Sprache des Volkes spricht. Und wenn gegen Ende ein großer „Chor der Untoten“ völlig überraschend den Saal flutet, steht fest, dass aus dem heiklen Vorhaben, mit dem eigentlich ausgelutschten Zombie-Thema einen Brückenschlag zwischen zwei Welten zu schaffen, das denkbar Beste gemacht wurde.

Tobias Bartholomeß sorgt am Flügel für die beschwingte Begleitung, die Choreografien greifen Musical-Klischees auf, während die witzigen Dialoge mit Referenzen von Kafka bis Disney gefüllt sind. Gleichzeitig wird mit kabarettistischem Ton auf aktuelle Entwicklungen Bezug genommen: Wie wirkt sich die Zombie-Seuche eigentlich auf den Berliner Wohnungsmarkt aus?

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