Orchester der deutschen Oper : Wenn Bruckner singt

Donald Runnicles führt mit dem Orchester der Deutschen Oper das 7. Sinfoniekonzert von Anton Bruckner auf.

Gesangvoll. Donnald Runnicles dirigiert die Siebente von Bruckner besonders stimmbetont.
Gesangvoll. Donald Runnicles dirigiert die Siebente von Bruckner besonders stimmbetont.Foto: Ken Freidman/Deutsche Oper

Anton Bruckners dritte Symphonie ist Richard Wagner gewidmet. In tiefer Verehrung war der arme Bruckner nach Bayreuth gereist, um die Annahme der Widmung durch den Bayreuther Meister demütig zu erbitten. Die Anekdoten, die sich um diese Reise ranken, bestätigen nur, was Bruckner für Wagner empfunden hat. Das tut auch seine Musik.

Das Orchester der Deutschen Oper Berlin wagt sich an die Siebente Bruckners, und der Beckenschlag im Adagio mit der folgenden Coda wird unter der Leitung von Donald Runnicles zum dramatisch-emotionalen Gipfel des Abends. „Wagner machte mich zu dem, der ich bin“, hat Donald Runnicles im Tagesspiegel-Interview formuliert. Wie er nun auf den riesenhaften musikalischen Höhepunkt der Bruckner-Partitur zusteuert, sempre fff, das enthält schon die Vorahnung der Gewissheit von Wagners Tod. So sagt es die Interpretation. Bruckner soll die Nachricht bei seiner Komposition des Satzes empfangen haben. Und still verklingt der Abgesang „zum Andenken an der hochseligen, heißgeliebten, unsterblichen Meister“. Die Wagner-Tuben crescendieren, die Hörner fahren darein, bis die Violinen „recht gesangvoll“ die Führung übernehmen.

Vertonte Gedichte von Erich Wolfgang Korngold

Gesangvoll ist das Stichwort für die ganze Interpretation. Runnicles, der Wagner-Dirigent, musiziert mit seinem auf Wagner spezialisierten Opernorchester seinen besonders stimmbetonten Bruckner. Eine eigene wunderschöne Kantabilität entfaltet sich bis in die Celli und zumal die Kontrabässe, wenn sie sich im ersten Satz in weiter Lage mit der Flöte verbinden. Runnicles dirigiert einen singenden Bruckner. Wie sicher bei ihm die Tempi „stehen“, reflektieren nicht nur die durchtaktierten Generalpausen im Scherzo-Tanz, die Dynamik gestaltet sich über stets zartem Tremolo der Violinen. Das Orchester, ganz Melodie und Farbe der selbstständigen Stimmen, erntet mit seinem Chefdirigenten an der Bismarckstraße herzlichsten Beifall.

Dem ehrfürchtigen Abschied von Wagner gehen „Lieder des Abschieds“ voraus, die der junge Erich Wolfgang Korngold in Nachbarschaft zu seiner „Toten Stadt“ komponiert hat. Die vertonten Gedichte – Alfred Kerr als Übersetzer, Edith Ronsperger, Ernst Lothar – atmen wienerisches Flair, während die Gesänge Richard Strauss nicht fern stehen. Eine verlorene Innigkeit webt in ihnen: „Dies eine kann mein Sehnen nimmer fassen ...“ Irene Roberts, die amerikanische Mezzosopranistin im Ensemble der Deutschen Oper, singt die Lieder mit wunderbarer Einfühlung in ihre Intervallstruktur und wortgebundene Klangwelt. Bravos auch für sie.

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