Positive Geschichten aus dem Homeoffice : Cardi Bs Rap-Hymne gegen den Corona-Frust

Inspiration für die Zeit in der Isolation: wie aus einem Instagram-Video ein virales Pop-Phänomen wurde.

Mit 60 Millionen Insta-Followern muss Cardi B nur einmal Husten, um ein Internet-Phänomen zu starten.
Mit 60 Millionen Insta-Followern muss Cardi B nur einmal Husten, um ein Internet-Phänomen zu starten.Foto: Francois Mori/AP/dpa

Die Kinos, Theater, Konzert- und Opernhäuser sind geschlossen. Darum geben wir jetzt täglich Tipps für spannende Kulturerlebnisse zu Hause. Wir empfehlen Bücher, Sehens- und Hörenswertes: drinnen bleiben und die Welt bereisen.

Das Bücherregal endlich mal reparieren, kochen und Playlists erstellen – das alles sind sinnvolle Tätigkeiten in Zeiten selbstverordneter Isolation. Und nebenbei können wir uns ein paar Gedanken machen über den Zustand der Welt und welchen Beitrag wir dazu leisten. Rapperin Cardi B hat ihre Gedanken vor einer Woche mit ihren 60 Millionen Instagram-Followern geteilt, 46 Sekunden dauert das Video. Sie stand dabei in ihrer Küche in einem extravaganten Freizeit- Outfit, das nichts mit der schlabberigen Jogginghosen/T-Shirt-Kombination zu tun hat, mit der wir Normalverdiener im Homeoffice aufkreuzen.

In ihrer unnachahmlichen Kunstsprache aus Unflätigkeiten, Straßenslang, Klickgeräuschen und Gegacker amüsierte sie sich über Leute, die sich zu Hause einbunkern, aber immer noch per Mailorder Produkte „Made in China“ bestellen. Und kommt am Ende ihrer hochkomischen Tirade, inklusive Quasi-Refrain, zu der bahnbrechenden Erkenntnis: „Coronavirus, this shit is real!“

Cardi B unterstützt Bernie Sanders im Wahlkampf

Ach, Cardi. Wir haben Dich vermisst, jetzt wo Bernie Sanders, den Du im Wahlkampf unterstützt hat, wohl aus dem Rennen ist. Eine gefühlte Woche kann sich verdammt lang anfühlen, in Corona-Isolation, ohne Cardi B. Das Video ging innerhalb eines Tages viral – darf man das Wort heute überhaupt noch so leichtfertig benutzen? Es wurde jedenfalls geklickt wie blöd.

Und wie es sich für ein lebendes Gesamtkunstwerk gehört, hat Cardi B damit ganz nebenbei noch das Genre des Corona-Pop erfunden. Nur einen Tag später hatte der Brooklyner Produzent und Meme-Künstler iMarkkeyz aus dem Video das Hip-Hop-Stück „Coronavirus“ gemixt: ein paar Wortfragmente, etwas Bass und ein abgebrochener Trapbeat. 2 Minuten 30 Sekunden für die heimische Covid-19-Playlist, zwischen MC Hammers „U Can’t Touch This“ und Cascadas „Evacuate the Dancefloor“. Der Song schlug sofort in den internationalen Charts ein, zuerst übrigens in Bulgarien und Brasilien. Seit Ende der Woche steht er auch in den Top10 von iTunes.

Man fühlt eine innere Verbundenheit. Auch Cardi B muss sich morgens nicht mal vernünftig anziehen, um Geld zu verdienen. Da Cardi aber schon genug davon auf dem Konto hat, haben sie und iMarkkeyz beschlossen, die Einnahmen Opfern der Pandemie zu spenden. Die Genese von „Coronavirus“ steht in einer Reihe mit den italienischen Balkonkonzerten. Von solchen Geschichten brauchen die Menschen gerade mehr.

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