R'n'B-Star in Haft : Handschellen für R. Kelly

Angeklagt wegen sexuellem Missbrauch: Der Sänger stellt sich der Polizei.

Christian Schröder
Robert Kelly, bekannt als R. Kelly, auf einem von der Chicagoer Polizei verbreiteten Foto.
Robert Kelly, bekannt als R. Kelly, auf einem von der Chicagoer Polizei verbreiteten Foto.Foto: REUTERS

Mehr als zwei Jahrzehnte ist R. Kelly von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs begleitet worden, ohne dass ihm daraus juristische Konsequenzen erwachsen wären. Nun aber hat die Staatsanwaltschaft Chicago einen Haftbefehl gegen den Sänger erwirkt. Am Freitagabend (Ortszeit) stellte er sich daraufhin der Polizei. Filmaufnahmen zeigen, wie der 52-jährige Star, begleitet von einem Pulk von Beamten und Reportern, in Handschellen abgeführt wird. Gegen ihn hatten die Ermittler Anschuldigungen in zehn Punkten erhoben, von denen sich neun auf den Missbrauch von Minderjährigen beziehen.

Laut Staatsanwältin Kim Foxx stammen die Fälle aus den Jahren 1998 bis 2010. Sie sollen vier Opfer betreffen, darunter drei Minderjährige im Alter von 13 bis 16 Jahren. Jede Anklage kann zu einer Verurteilung zwischen drei und sieben Jahren Gefängnis führen. Möglicherweise wird Robert Kelly – so sein vollständiger Name – also erst nach siebzig Jahren wieder freikommen.

Belastendes Video

Der Prominentenanwalt Michael Avenatti hat den Behörden ein 40-minütiges Video überreicht, das Kelly beim Sex mit einem 14-jährigen Mädchen zeigen soll. Ob es als Beweismittel zugelassen wird, ist unklar. Laut „New York Times“ spielt der Sänger in den Aufnahmen mehrfach auf das Alter seines mutmaßlichen Opfers an. Außerdem soll Kelly dem Mädchen ein weiteres Video zeigen, auf dem er beim Geschlechtsverkehr mit einer anderen jungen Frau zu sehen ist. Avenatti vertritt zwei Opfer und hat nach eigenen Angaben Informanten aus dem Umfeld des Musikers. Bekannt wurde er, als er die Pornodarstellerin Stormy Daniels vertrat, die behauptete, eine Affäre mit Donald Trump gehabt zu haben.

Anwalt bestreitet Vorwürfe

Und die Gegenseite? Routiniert wies Kellys Anwalt Steven Greenberg die Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft beuge sich bloß dem öffentlichen Druck, die Frauen würden allesamt „lügen“, sein Klient werde am Ende rehabilitiert. 2008 war der Sänger vom Vorwurf, Kinderpornografie besessen zu haben, freigesprochen worden. Andere Anschuldigungen sollen nach außergerichtlichen Geldzahlungen nicht weiterverfolgt worden sein.

Mit seinem sanften, fingerschnipsend groovenden R ’n’ B hat Kelly vor allem in den 2000er Jahren die Hitparaden dominiert. Seine Hits heißen „I Believe I Can Fly“ oder „If I Could Turn Back the Hands of Time“, er arbeitete mit Janet Jackson, Céline Dion und Jay-Z und verkaufte mehr als 150 Millionen Tonträger. Seine 1994 geschlossene Ehe mit der Sängerin Aaliyah ist annulliert worden, weil sie bei der Hochzeit erst 15 Jahre alt war.

Frauen als Sklavinnen

Endgültig erschüttert wurde das Ansehen des Musikers, als der Sender Lifetime Anfang des Jahres die sechsstündige Dokumentation „Surviving R. Kelly“ ausstrahlte. Darin berichteten mehrere Frauen von körperlichen und emotionalen Misshandlungen, sie hätten sich als Sexsklavinnen gefühlt. Darunter war auch seine Ex-Frau Andrea, die 13 Jahre lang mit Kelly verheiratet war und drei Kinder mit ihm hat. Fast alle waren Teenager, als sie den Sänger kennenlernten, viele noch minderjährig.

Die Medienkampagne #MuteRKelly macht seit einem Jahr gegen den Beschuldigten mobil. Das zum Sony-Konzern gehörende Plattenlabel RCA hat inzwischen die Zusammenarbeit mit Kelly beendet. (mit AFP)

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