• Seine Unterschrift, sein Rückzug - und die Folgen: Lit-Verleger Wilhelm Hopf und die populistische "Erklärung 2018"

Seine Unterschrift, sein Rückzug - und die Folgen : Lit-Verleger Wilhelm Hopf und die populistische "Erklärung 2018"

Wilhelm Hopf hat sich von der "Erklärung 2018" distanziert. Dabei hatte der Lit-Verleger mit Bedacht unterschrieben. In den 80ern hat er den neurechten Vordenker Henning Eichberg publiziert.

Clemens Heni
Im Gegenlicht zeichnen sich Passanten auf einem Gehweg in Dresden als dunkle Silhouetten ab.
Im Gegenlicht zeichnen sich Passanten auf einem Gehweg in Dresden als dunkle Silhouetten ab.Foto: DPA

Es war ein seltsames Statement, das Wilhelm Hopf, der Verleger des Lit Verlags, Anfang dieser Woche abgab. Warum hat er seine Unterschrift unter die von Henryk M. Broder, Vera Lengsfeld und Uwe Tellkamp angeführte „Gemeinsame Erklärung 2018“ gegen die Migrationspolitik von Angela Merkel zurückgezogen? Nachdem sich Autoren und Autorinnen und einige Verlagsmitarbeiter über Hopfs Unterschrift empört und auch mit Austritt aus dem Verlag gedroht hatten, erklärte Hopf offiziell, dass die „Erklärung 2018“ seine „Haltung zur Migrationspolitik“ nicht differenziert genug widerspiegele und er nur unzureichend registriert habe, „dass die Erklärung zu vereinfachenden populistischen Folgerungen verleitet: Das hätte nicht passieren dürfen.“

Nun stehen in dieser viel debattierten „Erklärung 2018“ nur zwei Sätze (der erste: „Mit wachsendem Befremden beobachten wir, wie Deutschland durch die illegale Masseneinwanderung beschädigt wird.“), die überdies eine recht eindeutige populistische Zielrichtung haben. Das hätte Hopf sofort auffallen können. Dass er sich jetzt besinnt, als Verleger auch repräsentative Funktionen zu haben, er sich als solcher an „exponierter meinungsbildender Stelle“ befindet, wie er einräumt, hat auch damit zu tun, dass er Angst davor hat, ihm können Autoren und Autorinnen davonlaufen, das Ansehen seines Verlages Schaden erleiden. Hopfs Lektoren sprechen davon, dass der Verlag einen „pluralistischen, multiperspektivischen Ansatz“ habe; Hopf betont, „Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit“ würden dem Verlag „fernliegen“.

Hopf hat Texte von Eichberg auch mit Nachworten angepriesen

Doch so naiv-bedenkenlos hat Hopf seine Unterschrift nicht unter die „Erklärung 2018“ gesetzt. Denn er dürfte durchaus Sympathien für neue rechte Bewegungen haben. In den achtziger Jahren veröffentlichte der Lit Verlag diverse Schriften des neurechten Vordenkers Henning Eichberg, die von Hopf zum Teil mit Nachworten angepriesen wurden, etwa „Die Veränderung des Sports ist gesellschaftlich“ von 1986 oder „Körperkulturen und Identität. Versuche einer alternativen Aufmerksamkeit“ von 1989.

Henning Eichberg, der 1942 in Schweidnitz geboren wurde und vergangenes Jahr starb, war nicht nur Historiker, Sport- und Kulturwissenschaftler, sondern primär politischer Aktivist und ein Fan des Nazi-Thingspiels, einem Massentheater. Den nationalistischen Ausdruck vom „deutschen Deutschland“ benutzte er 1978 in dem ersten deutschsprachigen Buch mit dem Titel „Nationale Identität“. Das ist die Sprache der Neuen Rechten zu Zeiten der Bundesrepublik Deutschland, von Eichberg so auf den rechten Punkt gebracht: „Kulturrevolution – für ein deutsches Deutschland. (…) Kein Sozialismus ohne Kulturrevolution. Kein Sozialismus ohne ein deutsches Deutschland, kein amerikanisiertes, kein russisches, kein multinationales".

Eichberg hat sowohl die rassistische Ideologie des „Ethnopluralismus“ – „Deutschland den Deutschen oder den deutschen Deutschen, die Türkei den Türken etc“ – in den siebziger Jahren entwickelt (parallel zu Alain de Benoist in Frankreich), als auch die Taktik der Querfront, nämlich rechtsextreme Ideologie als links zu verkaufen. 1979 gehörte er zu den Mitbegründern der Grünen, publizierte in SPD-Organen, warb später auch für die PDS, postulierte „antideutsch oder antiimperialistisch“ und attackierte Anfang des 21. Jahrhunderts sowohl George W. Bush als auch Israels Ministerpräsident Ariel Sharon.

Die "Sezession" nannte Eichbergs Einfluss gleich auf eine ganze Generation von Rechten "erheblich"

Eichbergs Wandel vom neuen Rechten zum Linken aber ist ein vorgeblicher gewesen. Er diente vor allem dem Zweck, die eigene Theoriebildung umzuprofilieren, linke Theoreme raffiniert ins Gedankengut der neuen Rechten einzuspeisen. Wie heißt es in einem Nachruf der von Götz Kubitscheks Antaios Verlag herausgegebenen Zeitschrift „Sezession“ auf Eichberg: „Der Einfluss von Eichbergs Ideen – insbesondere des Ethnopluralismus – auf eine ganze Generation der jungen rechten Intelligenz war erheblich, wenngleich seine Sprunghaftigkeit und fehlende Bereitschaft zur Ausarbeitung seiner Weltanschauung letztlich immer mit der Enttäuschung seiner Anhänger endete.“

Wilhelm Hopf publizierte viele Jahre einen Vordenker der Neuen Rechten, worüber er sich auf Anfrage nicht geäußert hat. Insofern ist es viel weniger verwunderlich, dass er seinen Namen unter die Lengsfeld-Erklärung setzte.

Allerdings ist der Lit Verlag kein rechter Verlag, sondern akademischer Mainstream. Doch passt die Eichberg-Lit–Hopf-Verbindung gut zu der Strategie der Neuen Rechten seit den siebziger Jahren, ihre Themen nicht nur in rechten Postillen, sondern auch in seriösen liberalen Publikationen und Verlagen zu lancieren.

Clemens Heni ist Politikwissenschaftler und Direktor des Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA). Seine Doktorarbeit schrieb er 2007 über Henning Eichberg und die „Salonfähigkeit der Neuen Rechten“

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