Vor dem Attentat dominierte eine Hasshetze die nationalistischen Medien

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Serbien : Chronik eines angekündigten Todes
Dragoslav Dedović
Zoran Djindijć (1952-2002), erster demorkatisch gewählter Premier Serbiens.
Zoran Djindijć (1952-2002), erster demorkatisch gewählter Premier Serbiens.Foto: dpa

Bei den Parlamentswahlen siegt die Opposition, Djindjić wird Ministerpräsident. Eine seiner ersten Amtshandlungen ist die Verhaftung Miloševićs und dessen Auslieferung nach Den Haag 2001. Der neue serbische Staatspräsident Vojislav Koštunica spricht sich offen dagegen aus. Um ihn scharen sich die Reste des alten Regimes und diejenigen, die zumindest Miloševićs nationalistische Ziele weiter für richtig halten. In seiner kurzen Amtszeit ringt Djindjić mühsam um Demokratisierung und Modernisierung. Er will Serbien schnell und radikal umgestalten. Doch er ist politisch einsam, seiner Zeit zu weit voraus.

Der derzeitige Präsident, Tomislav Nikolić, damals Nummer zwei der extrem nationalistischen Radikalen Partei, unkt im Februar 2003 bei einer Kundgebung in Belgrad: Zoran Djindjić müsse aufpassen, denn vor seinem Tod hätte auch Tito Probleme mit seinem Fuß gehabt. Djindjić erholt sich gerade von einer Beinoperation, das Bild des Ministerpräsidenten mit Krücken ist allgegenwärtig. Jeder weiß: Tito wurde unmittelbar vor seinem Tod 1980 ein Bein amputiert.

Nur ein Wort in den Hasstiraden des Hardliners Nikolić? Oder wusste er schon, dass Djindjić ein paar Wochen später sterben wird? Natürlich verneint Nikolić dies. Doch der bittere Nachgeschmack bleibt. 2008 gründet er eine für serbische Verhältnisse gemäßigt nationalistische Partei, die ihm 2012 den Präsidentenposten bescherte. Nun gibt er sich als Europäer und Bekämpfer der Korruption.

Doch vor der Ermordung Zoran Djindjićs dominierte eine Hasshetze der nationalistischen Medien die Stimmung im Land. Am 12. März 2003 tötet der Scharfschütze Zvezdan Jovanović den 50-jährigen Djindjik mit einer Kugel ins Herz, als dieser gerade das Belgrader Regierungsgebäude betreten wollte. Legija soll den Befehl gegeben haben.

Bei der Beerdigung des Ministerpräsidenten erscheinen Hunderttausende. Als toter Märtyrer findet Djindjić den Weg zurück in die Herzen. Auf der Beerdigung spiegelt sich auch die damalige Hierarchie in der Demokratischen Partei. Die Parteifreunde, die Djindjić zu Grabe tragen, werden als Nachfolger gehandelt, vor allem Vize-Parteichef Zoran Živković. Er übernimmt die Regierungsgeschäfte und leitet die Polizeiaktion, in der die Mörder des „Kennedys vom Balkan“, gefasst werden. Sie sitzen heute hinter Gittern, ihre Auftraggeber blieben unbekannt.

Auch Čedomir Jovanović gehörte zu Djindjićs Sargträgern. Der politische Ziehsohn Djindjićs wird unter Živković Vize-Regierungschef. Doch einer aus der zweiten Reihe, der dem Premier ferner gestanden hatte, setzte sich in der Demokratischen Partei durch: Boris Tadić. Auch er trug den Sarg mit.

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