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Sponsoren-Suche für Kino-Festival : Berlinale will neue Partner vorstellen

Die neuen Berlinale-Chefs reagieren auf Berichte über drängende Probleme – die Präsentation neuer Sponsoren und Spielstätten soll kurz bevorstehen.

Dominique Ott-Despoix
Kartenverkauf in den Potsdamer Platz Arkaden auf der Berlinale 2019 in Berlin-Tiergarten.
Kartenverkauf in den Potsdamer Platz Arkaden auf der Berlinale 2019 in Berlin-Tiergarten.Foto: Thilo Rückeis

Die Berlinale hat auf Medienberichte über Probleme mit den Sponsoren und der Nutzung der bisherigen Spielstätten reagiert. Auf Anfrage des Tagesspiegels hieß es seitens der neuen Doppelspitze mit Carlo Chatrion als künstlerischem Leiter und Mariette Rissenbeek, dass man „gute Gespräche mit neuen Interessenten“ führe, was die Nachfolge der beiden im Frühjahr abgesprungenen Hauptsponsoren Glashütte und Tesiro betrifft.

Glashütte hatte seit 2018 den mit 50.000 Euro dotieren Dokumentarfilmpreis gestiftet, offenbar ist ein Nachfolger tatsächlich so gut wie gefunden. „Wir werden schon bald einen neuen Partner melden, der den dotierten Dokumentarfilmpreis stiften wird“, heißt es von der Festivalleitung. Details sollen bekannt geben werden, wenn die Verträge stehen. Mit den jetzigen Partnern – also den Hauptsponsoren Audi, ZDF und L‘Oreal sowie zahlreichen Drittpartnern – werde derzeit über Vertragsverlängerungen verhandelt. Reichlich spät, wenn man bedenkt, dass die 70. Berlinale am 20. Februar beginnt.

Verfrühter Optimismus

Was das von Schließung bedrohte Cinestar am Potsdamer-Platz betrifft, hatten Chatrian und Rissenbeek noch im Sommer gesagt, es zeichne sich ab, dass das Festival das Kino 2020 noch nutzen könne. Der Optimismus war offenbar verfrüht. „Es sieht nicht so aus, dass das Cinestar über das Jahresende hinaus bespielbar sein wird“, heißt es jetzt. „Wir sind in engem Austausch mit den Betreibern und haben selbstverständlich auch schon alternative Szenarios entwickelt.“

Bisher wurden im Cinestar Filme der Reihen Panorama und Forum gezeigt. Derzeit bemüht sich das Festival um zwei Optionen: die erweiterte Bespielung bestehender Spielstätten und/oder neue Festivalkinos. Auch hier bittet die Festivalleitung um Geduld bis zum Abschluss der Verträge. Am Potsdamer Platz nutzen die Filmfestspiele neben dem Berlinale-Palast bisher außerdem das Cinemaxx und die beiden Säle des Arsenal-Kinos.

Der Hintergrund des Cinestar-Debakels: Die seit Ende April laufende kartellrechtliche Prüfung der Übernahme der Cinestar-Kette durch Vue International – dem Unternehmen gehört auch die Cinemaxx-Kette – ist offenbar immer noch nicht abgeschlossen. Auch in anderen Städten stehen Cinestar-Kinos zum Verkauf oder haben ihre Schließung angekündigt. Der Belegschaft des Cinestar am Potsdamer Platz, einem beliebten Premieren-Kino und dem wichtigsten englischsprachigen Filmtheater der Stadt mit acht Sälen und 2276 Sitzen, war bereits im März mitgeteilt worden, dass das Haus zum Jahresende schließen soll.

Neuer zweiter Hauptwettbewerb

Unabhängig vom drohenden Cinestar-Aus wird sich die Bespielung der Berlinale-Kinos 2020 auch deshalb ändern, weil Chatrian mit „Encounters“ einen neuen zweiten Hauptwettbewerb mit eigener Jury einführt. Das Festival braucht dafür eine attraktive, möglichst zentrale Spielstätte.

Das dritte Problem für die Berlinale betrifft die Hauptspielstätte, den Musical-Palast am Marlene-Dietrich-Platz, wo die Wettbewerbs-Filme und Galas präsentiert werden. Dort soll Mitte Januar im Untergeschoss im Clubtheater „MagicMike“ eine neue Stripper-Show starten. Der Hauptsaal ist davon jedoch nicht betroffen. Die Berlinale-Leitung bestätigte nun, dass die  Eröffnungsveranstaltung und die Preisverleihung am 29. Februar 2020 im Berlinale-Palast stattfinden werden. „Wie wir den anschließenden Empfang gestalten, wird noch besprochen. Selbstverständlich sind wir mit den neuen Betreibern des Clubtheaters dazu in Kontakt.“

Mit anderen Worten: Es gibt noch viele Baustellen und viele offene Fragen, gut drei Monate vor Festivalbeginn. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

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