Umstrittene Mauer-Aktion : Berliner "Dau"-Projekt schrumpft weiter

Die Berliner Festspiele legen ein modifiziertes Konzept für das "Dau"-Projekt mit einer Replika der Mauer vor. Auch der Boulez Saal bleibt nun außen vor.

Das Kronprinzenpalais wird jetzt der wichtigste Veranstaltungsort des "Dau"-Projekts.
Das Kronprinzenpalais wird jetzt der wichtigste Veranstaltungsort des "Dau"-Projekts.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Das „Dau“-Projekt wird deutlich kleiner als bisher geplant. Am Dienstag legten die Berliner Festspiele als Veranstalter des Kunstprojekts mit einer Replika der Berliner Mauer den zuständigen Berliner Behörden ein modifiziertes Konzept vor. Danach liegen nun auch die Staatsoper und die Barenboim-Said-Akademie nicht mehr innerhalb des Areals, das vom 12. Oktober bis zum 9. November von einer temporären Mauer nach dem historischen DDR-Vorbild umgeben sein soll.

Da auch die Hedwigskathedrale bereits aus dem Projekt ausgestiegen ist, umfasst das Projekt-Gelände nun nur noch das Kronprinzenpalais, in dem die zentralen Veranstaltungen und Präsentationen rund um die 13 „Dau“-Filme des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky stattfinden sollen, den Schinkel-Pavillon, die Alte Kommandantur und das Gelände der Bauakademie bis zur Uferstraße und zur Französischen Straße. Es handelt sich um insgesamt 37.000 Quadratmeter brutto. Statt der maximal 15.000 Besucher pro Tag, wie sie bislang vorgesehen waren, geben die Festspiele nun die Zahl von täglich 4000 Besuchern an.

„Wir sind uns der außerordentlich hohen Belastungen in den Bezirks- und Senatsbehörden sehr bewusst", sagte Festspiele-Intendant Thomas Oberender. „Wir hoffen, mit unserem Entgegenkommen zur Lösung offener Fragen beizutragen. Wir hoffen weiterhin, dieses exzeptionelle Projekt in Berlin und zusammen mit den Berlinerinnen und Berlinern realisieren zu können.“ Das geschrumpfte Areal soll mit 430 Mauersegmenten umschlossen werden, eine Nachbildung der innerdeutschen Grenze. Diese seien bereits fertiggestellt.

Monika Grütters unterstützt das Projekt

Als Grund der geänderten Pläne geben die Veranstalter bauliche Probleme an, auf die man gemeinsam mit den Behörden gestoßen sei, etwa bei neu entstandenen Grünflächen oder auch in Bezug auf den historischen Lindentunnel. Am künstlerischen Programm soll sich jedoch nichts ändern. Auch soll der optische Eindruck Unter den Linden zwischen Spreekanal und Bebelplatz wie geplant erhalten bleiben. Nach Angaben der Festspiele sind die „sehr guten Beziehungen“ zu Staatsoper und Barenboim-Said-Akademie von den Planungen und deren Modifikationen ungetrübt.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich ebenfalls am Dienstag erneut zu dem umstrittenen „Dau“-Projekt geäußert. Die CDU-Politikerin hält Kunstfreiheit und „Respekt vor der Autonomie der Künstler und der Kultureinrichtungen“ für unverzichtbar. Im Interview mit der Deutschen Welle sagte Grütters, ein solches Großprojekt könne „natürlich eine Zumutung sein für den einen oder anderen, aber es kann auch ein Weltereignis werden“. Man müsse der Kunst die Möglichkeit einräumen, zu provozieren und unbequem zu sein. Das Projekt stehe unter der Überschrift „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und solle daran erinnern, wie schlimm Unfreiheit sein könne und dass diese Gefahr bis auf den heutigen Tag nicht gebannt sei. „Es gibt auch in der Nachbarschaft hier in Europa Staaten, die damit anfangen, Künstler und kritische Journalisten mundtot zu machen“, sagte Grütters.

Über die Genehmigung des Projekts wollen die zuständigen Behörden am 28. September entscheiden. Auf der Website der Berliner Festspiele werden Fragen zu "Dau" und zum Besuch des Areals ab 12. Oktober ausführlich beantwortet. (mit dpa)

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