Young Euro Classic : Portugiesischer Abend mit Schneid

Beim Young Euro Classic sorgt das Jovem Orquestra Portuguesa für einen Höhepunkt der Reihe.

Portugiesischer Abend beim Young Euro Classic.
Portugiesischer Abend beim Young Euro Classic.Foto: © MUTESOUVENIR | Kai Bienert

Sie habe sich extra Ferien genommen für Young Euro Classic in Berlin, sagt die junge Frau aus Basel im ersten Rang. Kleiner Gedankenaustausch. Passend dazu folgt eine Ansage von Gabriele Minz, der gefeierten Leiterin des Festivals, die von zahlreichen Zugereisten unter den Zuhörern weiß. 20 Jahre mit den „besten Jugendorchestern der Welt“, Minz kündigt das Publikumsfest nach dem Konzert an. Da gleitet die Internationalität dann ins so wunderbar Berlinische, wenn Freibier und Wein fließen und das Publikum auf der Freitreppe des Konzerthauses die Kulisse für schweifende Lichtspiele bietet.

Es geht an diesem Abend um Portugal, eingeleitet als Pate von Rolf-Dieter Krause, dem weisen „Erklärer Europas“. Das Jovem Orquestra Portuguesa (JOB) sorgt für einen Höhepunkt der Reihe. Die Mitglieder, 14 bis 23 Jahre alt, entwickeln ihre Programme in jährlich zwei Arbeitsphasen. Sie haben einen wunderbaren portugiesischen Dirigenten: Pedro Carneiro. Der leitet sie, indem er bei gelassener Gestik musikalisches Feuer versprüht.

Zunächst spiegelt das „Prélude à l’unisson“ von Enescu, dass Klangkultur die erworbene Qualität der Gemeinschaft ist. Die einstimmige Melodie vereint das Streichorchester ohne Kontrabässe in einer Dynamik, die sich dramatisch weitet. Innenspannung im Unisono, bis sich die Musik verlöschend im Nichts verliert.

Attacca setzt der Dirigent mit der Uraufführung einer klangexperimentellen Studie des Portugiesen João Godinho ein, die der Inklusion von Menschen mit Behinderung Raum gibt. Eine musikalische Träumerei. In „Alcance/Reach“ erreicht das Ensemble Notas de Contacto, in dem Menschen mit Behinderung unterrichtet werden, eine quasi improvisatorische Mitwirkung auf Schlaginstrumenten, die das Publikum erobert. Gearbeitet wird mit Mitteln , die keine Notenkenntnis verlangen. Aber mit dem modernen Sound bezaubert besonders die innige Vertrautheit der Interpreten mit dem JOB.

Das Orchester spielt stehend, auch die A-Dur-Symphonie Beethovens, die hier den Klassiker so frisch wie neu erscheinen lässt. Carneiro, von Herkunft Perkussionist, vibriert mit der Musik, ohne ein Pianissimo der Violinen zu vernachlässigen. Die Komposition, die kein pathetisches Adagio hat, kommt dem Schneid des Dirigenten entgegen.

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