• Appell in deutschen und türkischen Zeitungen: Mehr als 200 Prominente fordern Freiheit für Deniz Yücel

Appell in deutschen und türkischen Zeitungen : Mehr als 200 Prominente fordern Freiheit für Deniz Yücel

Von Bono und Sting bis Orhan Pamuk: Deutsche und türkische Zeitungen veröffentlichen einen Appell für den inhaftierten Journalisten. Die "Welt" dokumentiert die Größe seiner Zelle.

Seit Februar in türkischer Haft: Deniz Yücel (hier ein Bild aus dem Jahr 2016).
Seit Februar in türkischer Haft: Deniz Yücel (hier ein Bild aus dem Jahr 2016).Foto: privat

In einem gemeinsamen Appell fordern an diesem Wochenende mehr als 200 Künstler und Prominente aus Deutschland, der Türkei und anderen Ländern einen fairen Prozess und die Freilassung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel aus der Haft in der Türkei. Den Aufruf des Freundeskreises #FreeDeniz unterstützen unter anderem die Popstars Bono und Sting sowie die Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, Elfriede Jelinek, Swetlana Alexijewitsch, Herta Müller und J.M. Coetzee.

In dem Aufruf, der am Samstag und Sonntag in deutschen und türkischen Zeitungen erscheint, wird darauf verwiesen, dass Yücel sich am 10. Dezember seit 300 Tagen in türkischer Gefangenschaft befindet. "Ohne Anklageschrift ist er in einem Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert. Diese 300 Tage sind exakt 300 Tage zu viel", heißt es darin. Yücel habe als Journalist "nichts anderes getan, als seinen Beruf auszuüben und seine Meinung frei zu äußern".

Zu den Unterzeichnern gehören auch die Regisseure Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Fatih Akin, die Maler Gerhard Richter und Daniel Richter, der französische Philosoph Didier Eribon sowie zahlreiche Journalistinnen und Journalisten. Für den Tagesspiegel haben die beiden Chefredakteure Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt unterschrieben.

Yücels Arbeitgeber hat außerdem auf eindrucksvolle Weise dokumentiert, in welchen auch räumlich beengten Verhältnissen der deutsch-türkische Journalist seit Monaten festgehalten wird. Aus 30 Doppelseiten der "Welt"-Samstagausgabe lässt sich der Grundriss der Gefängniszelle in Originalgröße zusammenlegen.

Yücel hatte sich Mitte Februar in Istanbul der Polizei gestellt. Zwei Wochen später wurde er wegen "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung" in Untersuchungshaft genommen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn wiederholt als deutschen "Spion" und "Agenten" der PKK. Seine Festnahme belastet die deutsch-türkischen Beziehungen, die Bundesregierung dringt bisher vergeblich auf seine Freilassung. Vor wenigen Tagen erhielt Yücel eine Hafterleichterung: Er hat nun Zugang zum Gefängnishof. (Tsp, AFP)

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