ORF-Moderator Armin Wolf : Der Unbotmäßige

Die FPÖ attackiert ORF-Moderator Armin Wolf: Ouvertüre zu einer „Säuberung“ in Österreichs öffentlich-rechtlichem Rundfunk?

Herbert Lackner
TV-Moderator Armin Wolf ist für seine hartnäckigen Fragen in Interviews mit Politikern bekannt.
TV-Moderator Armin Wolf ist für seine hartnäckigen Fragen in Interviews mit Politikern bekannt.Foto: picture alliance / Daniel Bockwoldt

Am Dienstag zeigte er erstmals Nerven. Er sei in seinen 32 Journalisten-Jahren nur einmal beklagt worden und habe selbst nie Klage eingereicht, aber damit sei nun Schluss, postete der Anchorman auf Facebook: Armin Wolf, Starmoderator des ORF, klagt gegen den Vizekanzler der Republik. FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache, hatte – ebenfalls auf Facebook – ein ORF-Fake-Plakat mit einem Wolf-Foto platziert, umrahmt mit bösem Text: „Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das ist der ORF. Das Beste aus Fake News, Lügen und Propaganda. Im Fernsehen, im Radio und auf dem Facebook-Profil von Armin Wolf.“

Den frechen Frager Wolf, 51, haben die beiden Regierungsparteien ÖVP und FPÖ schon lange im Visier. Wiewohl der stets akribisch vorbereitete Interviewer Sozialdemokraten keineswegs sanfter behandelt, hat er es sich vor allem mit den Granden rechts der Mitte verscherzt. Schon 2006 kritisierte Wolf das von der ersten schwarz-blauen Regierung eingesetzte ORF-Management öffentlich, die folgende Debatte mündete in die Abwahl der konservativen Generaldirektorin Monika Lindner. Neuer Chef wurde der bis heute amtierende Sozialdemokrat Alexander Wrabetz.

Das hat die ÖVP Leuten wie Wolf nie verziehen. Der setzte noch eins drauf, als er deren scheidenden Landeshauptmann Niederösterreichs, Erwin Pröll, im allerletzten Interview wegen einer etwas schrägen Stiftung arg in die Zange nahm. Die FPÖ hält den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs seit jeher für eine linkslinke Veranstaltung. Düster hatte Strache schon bei Regierungsantritt angekündigt, man werde künftig im ORF „die Objektivität optimieren“. Norbert Steger, der Vertreter der FPÖ im ORF-Stiftungsrat, befand unlängst ein Interview Wolfs mit Strache für „eine Spur unbotmäßig“. Strafweise drohen die Freiheitlichen dem ORF regelmäßig mit der Streichung der Fernsehgebühren – derzeit rund 25 Euro pro Haushalt und Monat. Damit wäre dem Öffentlich-Rechtlichen der Boden weggezogen: Die Gebühren machen etwa die Hälfte der Einnahmen aus.

Nachrichtenredaktion macht Fehler

So als wollte die sonst recht trittsichere Nachrichtenredaktion den Streit noch anheizen, unterliefen ihr zuletzt einige Schnitzer. Einmal wurde in den Abendnachrichten gemeldet, gegen den ehemaligen Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPÖ) sei Anklage erhoben worden, was sich als falsch herausstellte. Zwei Wochen später berichtete man vom EU-Verkehrsministergipfel ohne den österreichischen Verkehrsminister zu interviewen, wie es dem Ritual entspricht. Norbert Hofer (FPÖ) protestierte heftig. Dann zeigte der ORF-Tirol einen schwer antisemitischen Passanten, der den offenbar zustimmenden Tiroler FPÖ-Spitzenkandidaten anlaberte. Dessen Erwiderung hatten die Reporter einfach weggeschnitten.

Armin Wolf kann dafür nichts, ihn, den Rauflustigen, hat sich die FPÖ als Sparringpartner gewählt. Wolf hat ein As im Ärmel: Die von ihm und Lou LorenzDittlbacher abwechselnd moderierten 22-Uhr-Nachrichten („Zeit im Bild 2“) ist sehr beliebt. 600 000 Zuschauer hat das Format, das entspricht einer Sechs-Millionen-Sendung im deutschen Fernsehen. Die Tagesreichweite des ORF liegt bei 31 Prozent. Der stärkste Private, RTL, folgt mit weitem Abstand. Werden die Gebühren gekappt, ist diese Vorherrschaft weg. Entscheidungen fallen nach einer Enquete im Frühjahr. Medienjournalisten gehen davon aus, dass im ORF kaum ein Stein auf dem anderen bleibt. Lässt man den bis 2021 laufenden Vertrag des roten Generaldirektors Wrabetz bis zum Ende laufen, dann wohl nur mit einem regierungsnahen Co-General an der Seite. Ob Wolf dann noch moderiert, ist unklar. Wenn nicht, hat er die Genugtuung, dass sich Strache bei ihm wohl entschuldigen muss: Der Klage von Armin Wolf gegen den Vizekanzler werden gute Chancen eingeräumt.

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