Mundpropaganda - das Genuss-Interview : "Zwischen jedem Kapitel esse ich einen Schokoriegel"

Sebastian Fitzek gehört zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellern. Am 27.11. sendet Sat1 die Verfilmung seines Thrillers „Amokspiel“.

Der erfolgreiche Berliner Thriller-Autor Sebastian Fitzek zu Gast bei der Weinkolumne
Der erfolgreiche Berliner Thriller-Autor Sebastian Fitzek zu Gast bei der WeinkolumneFoto: David Heerde

Schauplatz des Thrillers „Amokspiel“ ist ein Radiosender, Sie selbst haben ja lange als Moderator gearbeitet. Macht es Ihnen eigentlich Spaß, Vertrautes als Bedrohlich darzustellen?
Das kann ich uneingeschränkt mit ja beantworten. Ich mag es auch als Leser, wenn sich das Gruseln in mir durch vertraute Orte einschleicht und nicht gleich die erste Szene im Schlachthaus spielt.

Lassen Sie da auch ehemalige Kollegen sterben?
Eigentlich will ich nicht, dass sich jemand in meinen Protagonisten wiedererkennt. Aber das Unterbewusstsein ist immer Co-Autor, das kann man nicht vermeiden. Es kann also sein, dass sich einige Menschen meinen, sich zu erkennen. Bei  „Amokspiel“  gab es so einige ehemalige Kollegen, die sich in dem Roman sahen, ich habe aber definitiv keinen von ihnen beschrieben.

Rache ist süß, Sie sagten mir mal, Sie mögen Süßes, was zum Beispiel?
Rache mag ich weniger, ich kann die Emotionen nachvollziehen, aber im Ergebnis stellt Rache nie wieder einen guten Zustand her. Süßes mag ich aber tatsächlich gerne, so esse ich zwischen jedem Kapitel einen Riegel „Kinderschokolade“ aus dem Kühlschrank. Momentan ziehe ich Lebkuchen vor. Ich bin definitiv keiner von denen, die sich darüber aufregen, dass ab September schon die Weihnachtssüßigkeiten in den Supermarktregalen stehen.

Wenn Sie ins Kino gehen, sind Sie der Popcorn-Nacho-Typ?
Popcorn weniger, Nachos dafür immer, mit Käse und Salsa. Und die Packung „M&Ms“ kann ich mir danach auch nicht verkneifen. Ähnlich sehen meine Frühstücke aus, ich fange herzhaft an und höre süß auf. Außer auf Lesereisen, da ernähre ich mich leider ziemlich ungesund, esse spät, lasse das Frühstück dann ausfallen – wie beim Intervallfasten.

Gehen Sie eigentlich gerne Brunchen?
Wenn ich Zeit habe zum Brunchen, gehe ich gerne ins Nola’s am Weinbergweg. Das haben mir Freunde empfohlen, die da um die Ecke wohnen. Wir haben uns da getroffen, mir hat’s gefallen und dann bin ich so – phlegmatisch oder treu – dass ich dort, wo es mir einmal gefallen hat, ich immer wieder hingehe.

Wein sei nicht so ganz Ihr Ding, sie verrieten einmal, dass Sie Schirmchencocktails mögen wie Coconut Kiss oder Baileys. Wo kann man das in Berlin trinken, ohne belächelt zu werden?
Nirgendwo. Deshalb bin ich ja auch heilfroh, dass ich inzwischen Gin Tonic für mich entdeckt habe. Vor ein paar Jahren, als Gin in Berlin schon fast wieder out war, war ich mal bei Mannheim in einer Bar, die das Getränk gerade für sich entdeckte. Da wurde mir  „Monkey 47“ empfohlen und ich bin dabei geblieben. In Berlin gehe ich übrigens am liebsten in die Bar vom  „Café Einstein“ in der Kurfürstenstraße, das „Lebensstern“. Die haben eine große und sehr gute Auswahl an Spirituosen.

Sie wohnen in Westend. Wenn man ihrem Nachbarn und Mitautor des Buches „Abgeschnitten“, Michael Tsokos, zuhört, scheint dies das Viertel der Glückseligen zu sein, wo es alles gibt was man braucht (Mundpropaganda vom 1.12.2018). Wohin gehen Sie, wenn Sie doch mal über den Tellerrand von Westend hinausschauen?

Michael würde jetzt noch hinzufügen, dass ich ja nur aus Eichkamp komme. Denn unter Westend versteht man eher die gehobene Gegend um die Reichstraße herum, die Gegend mit den freistehenden Villen. Eichkamp ist tatsächlich nicht gerade die hippste Gegend, aber für Familien ist es dort ideal. Wir gehen öfter in die „Scheune“ , ein Restaurant am S-Bahnhof Grunewald. Da gibt es gutbürgerliche Küche und es wird mit Fleisch aus artgerechter Haltung gearbeitet, was mir sehr wichtig ist. Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln bekommt man nirgendwo besser.

Und noch weiter außerhalb von Westend?
Was wirklich sehr gut ist, ist das „893 Ryotei“ in der Kantstraße. Ich kann das gar nicht so richtig beschreiben, es ist ziemlich ungewöhnlich, asiatisch, aber anders, als man es kennt. Ich war mit Freunden da, die auch für mich bestellt haben, denn da gibt es Dinge, von denen ich nie zuvor gehört hatte geschweige denn gegessen. Der Laden ist  super cool und hipp. Das einzige, was da nicht so gepasst hat für mich, war, dass man gesiezt wurde. Ähm, hoffentlich bin ich nicht der einzige, der da gesiezt wird…

Lieblingsrestaurant?
Da gibt es zwei: Ins „Big Window“ gehe ich immer, wenn es etwas Besonderes sein soll, ohne dass ich mich dafür verkleiden muss. Das war in den Achtzigern, Neunzigern so etwas wie der „place to be“, das Lieblingsrestaurant von Juhnke, der Treffpunkt der Berliner Gesellschaft. Die Küche ist armenisch, der Gastraum sieht aus wie der Orientexpress. Es gibt nur zwei Sorten Wein: rot und weiß und fast auschließlich Fleischgerichte. Das, ich weiß nicht wie, eingelegte Kalbfleisch ist legendär.
Wenn wir mit den Kindern essen gehen,  dann am liebsten in die „Trattoria Toskana“ in der Clayallee. Seit der neue Betreiber drin ist, haben sie eine richtig tolle italienische Küche. Und alles dort ist sehr kinderfreundlich.

Was ist denn Ihr Lieblingsgericht?
Warme Nudeln mit kalter Sauce – den richtigen Namen kenne ich nicht,  und in einem Restaurant habe ich das noch nie gesehen. Es kommt wohl aus Österreich, die Mutter meiner Ex-Freundin hat das immer gemacht: Die Sauce ist aus Sahne, Tomatenmark, einem Spritzer Zitrone und – wer mag – Hähnchenbrustfilet. Ich habe davon auch meiner Frau erzählt, die hat sich gleich mit meiner  Ex-Freundin in Verbindung gesetzt und sich das Rezept geben lassen.

Was gibt es bei Ihnen zu Weihnachten?
Meistens den Berliner Klassiker: Würstchen oder Kassler mit Kartoffelsalat. Manchmal machen wir auch Fondue, aber meistens sind es Klassiker.

Was steht/liegt beim Schreiben immer auf Ihrem Schreibtisch?
Cola light und Kaffee, meistens auch etwas Süßes und am Ende einer Schreibphase Ibuprofen, weil ich dann komplett verspannt bin.

Adressen: Nola’s am Weinbergweg, Veteranenstr. 9, Mitte | Lebensstern, Kurfürstenstr. 58, Schöneberg | Restaurant Scheune, Eichkampstr. 155, Grunewald | 893 Ryotei, Kantstr. 135, Charlottenburg | Big Window, Joachim-Friedrich-Str. 49, Halensee | Trattoria Toscana in der Clayallee 146, Dahlem

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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