Anschlagsserie in Sri Lanka : Verheerende Botschaft aus dem Paradies

Sicher ist, dass die Täter in Sri Lanka Christen treffen wollten. In dem Land ist vieles in Unordnung, nun muss weitere Gewalt verhindert werden. Ein Kommentar.

Colombo: Trauer einer Angehörigen eines Anschlagsopfers
Colombo: Trauer einer Angehörigen eines AnschlagsopfersFoto: LAKRUWAN WANNIARACHCHI / AFP

Mindestens 290 Tote, mehr als 500 Verletzte: Die Anschlagsserie vom Ostersonntag in Sri Lanka ist unfassbar. Unklar ist, wer verantwortlich ist. Die Regierung in Colombo beschuldigt eine einheimische islamistische Gruppe National Thowheeth Jama'ath.

Deutsche Sicherheitskreise sind der Ansicht, es könnte eine größere islamistische Struktur verantwortlich sein.

Wer auch immer die Täter waren: Die Anschläge sollten Christen treffen. Die verorten die Täter wohl vor allem im Ausland und griffen deshalb nicht nur Kirchen, sondern auch große internationale Hotels an.

Die Angreifer wählten einen der hohen christlichen Feiertage – und sie wissen vermutlich sehr genau, dass ihre Botschaft um die Welt geht, wo auch immer sie solch verheerende Attacke verüben.

Auf die Insel im Indischen Ozean – für manche ein kleines tropisches Paradies – kehren damit Terror und Angst zurück. Die Bevölkerung musste jahrzehntelang Gewalt erleiden. Tamilen kämpften in einem Bürgerkrieg für die Unabhängigkeit. Immer wieder hat es in dieser Zeit brutale Anschläge gegeben, für die die so genannten Tamilentiger auch Kinder als Selbstmordattentäter einsetzten.

Bewaffnete Checkpoints hinter Sandsäcken prägten lange das Bild in der Hauptstadt. Zugangssperren für bestimmte Gebiete, Ausgangssperren – all das kennen viele Menschen in Sri Lanka nur allzu gut. Die Annäherung nach dem Sieg über die Tamilentiger, die Überwindung des gegenseitigen Misstrauens, auch sie ist noch längst nicht geschafft. Es sind auch die Christen in Sri Lanka, die sich für eine Versöhnung nach dem Bürgerkrieg einsetzen.

In Sri Lanka leben mehrere Religionen, doch keineswegs existieren sie immer friedlich nebeneinander. So hetzten extremistische buddhistische Mönche mit nationalistischen Tönen gegen Muslime.

Nach dem Bürgerkrieg ist auch auf politischer Ebene keine Ruhe eingekehrt, noch immer ist ein Machtkampf im Gange. Als 2015 Maithripala Sirisena für viele überraschend zum Präsident gewählt worden war, galt er als eine Art Heilsbringer – nicht zuletzt im Kampf gegen die Gewalt gegen Minderheiten. Doch die in ihn gesetzten Erwartungen hat er nicht erfüllen können.

Nach dem verheerenden Wochenende ist zu hoffen, dass die politisch Verantwortlichen ihre Ränke beenden und gemeinsam die Aufklärung vorantreiben – um ihres Volkes und ihrer Glaubwürdigkeit willen. Das bringt keinen einzigen getöteten Menschen zurück. Aber es könnte weitere Gewalt in einer aufgeheizten Atmosphäre verhindern. Und es wäre ein Anfang zur Versöhnung, die auch in der Region so sehr Not tut.

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