CO2-Emissionen nehmen sogar zu : G-20-Staaten verfehlen Klimaziel für 2050 klar

Die G20-Staaten verschleppen den Klimaschutz, berichtet die Initiative „Climate Transparency“. Deutschland schneidet dabei besonders schlecht ab.

Christian Schaudwet
Winken allein reicht nicht. Gruppenbild der Regierungschefs beim G20-Gipfel im Juni in Osaka.
Winken allein reicht nicht. Gruppenbild der Regierungschefs beim G20-Gipfel im Juni in Osaka.Foto: imago images / PanoramiC

Schlechte Nachrichten zum Klima sind nichts Ungewöhnliches, wenn die internationale Initiative „Climate Transparency“ das Wort ergreift, aber drei Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz COP 25 in Madrid haben sie besonderes Gewicht: Falls die 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und die Europäische Union (G20) so weitermachen wie bisher, werden sie das Ziel, die Erderwärmung bis zum Jahr 2050 auf 1,5 Grad zu begrenzen, klar verfehlen. Zusammengerechnet nahmen die klimaschädlichen Emissionen der G20 demnach 2018 um 1,8 Prozent zu.

Die größten Volkswirtschaften, Verursacher von rund 80 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen, fahren keinen konsequenten Klimaschutzkurs. Das geht aus dem „Brown-to-Green-Report“ hervor, den Climate Transparency am heutigen Montag vorstellt. Deutschland gehört nicht einmal zur Führungsgruppe unter den Langsamen.

Rund die Hälfte der G20-Staaten immerhin sei auf „gutem Weg, die selbst gesetzten nationalen Klimaziele zu erreichen oder gar zu überbieten“, heißt es in dem Bericht. Damit könnten sie ihre bislang für das Pariser Klimaabkommen gemachten und „ausnahmslos zu schwachen Zusagen“ im kommenden Jahr erhöhen. Deutschlandschneide im G20-Vergleich hingegen „gleich in mehreren Bereichen schwach“ ab, kritisieren die Autoren.

Climate Transparency wird unter anderem von der Weltbank und vom Bundesumweltministerium unterstützt. In ihrem „Brown-to-Green“-Report analysiert die Initiative seit 2015 jährlich, wie die G20 im Klimaschutz vorankommen. Daran nimmt auch die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch Teil.

In Deutschland sehen die Autoren besondere Probleme in den Bereichen Gebäude und Verkehr. In beiden gehöre Deutschland zu den „Negativbeispielen“. Mit Pro-Kopf-Emissionen im Gebäudebereich von mehr als drei Tonnen liege Deutschlands Wert 50 Prozent über dem EU-Schnitt und sei sogar doppelt so hoch wie der G20-Durchschnitt. Deutschland müsse sein Tempo bei der Sanierung des Gebäudebestands verfünffachen, um auf einen wirklich klimafreundlichen Kurs zu kommen. Lediglich bei Neubauten seien die Standards in Deutschland gut.

Erstmals betrachtete die Initiative vom Klimawandel verursachte Schäden und Verluste

Beim Verkehr liegt Deutschland dem Bericht zufolge bei den Emissionen hinter den USA, Kanada, Australien und Saudi-Arabien. Hierzulande werden demnach im Schnitt 84 Prozent der gereisten Kilometer mit dem Auto statt mit klimafreundlicheren Alternativen zurückgelegt – ein Spitzenwert im G20-Vergleich. Bei Elektroautos droht Deutschland dem Bericht zufolge den Anschluss zu verlieren. So hätten die USA, Kanada und Südkorea Deutschland bei den Marktanteilen für neu zugelassene E-Autos überholt.

Zugegeben, das Klimapaket der Bundesregierung ist in die Bewertung noch nicht eingeflossen. Sie hat damit vor allem die Bereiche Verkehr und Gebäude ins Visier genommen. Aber eine Einbeziehung dieser Pläne hätte wohl nicht viel geändert. Es sei in jedem Fall „wahrscheinlich, dass Deutschland ohne massive Nachbesserung seine Klimaziele deutlich verfehlen wird“, erklärte Lena Donat von Germanwatch.

Ein zwiespältiges Bild ergibt sich dem Bericht zufolge bei der Energiegewinnung. 2018 habe die Energieversorgung aus umweltfreundlichen Quellen zwar um fünf Prozent zugenommen, wegen steigender Nachfrage verharre der Anteil der klimaschädlichen fossilen Energieträger bei den G20-Ländern aber auf 82 Prozent.

In diesem Jahr hat die Initiative erstmals auch die Schäden und Verluste betrachtet, die der Klimawandel verursacht: Durch Extremwetterereignisse kamen demnach von 1998 bis 2017 in den G20-Ländern mehr als 260 000 Menschen ums Leben, die Sachschäden beliefen sich auf rund 2,65 Billionen US-Dollar (2,4 Billionen Euro). Deutschland gehöre in den G20 neben Russland, Frankreich, Italien und Indien zu den am stärksten betroffenen Staaten, hieß es.

Im Klimaabkommen von Paris haben sich fast alle Länder der Welt vorgenommen, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen – viele Staaten und Experten halten das Ziel von 1,5-Grad für notwendig. Um knapp ein Grad hat sich die Erde schon erwärmt. Wenn die Staaten lediglich ihre aktuellen Klimaschutz- Zusagen erfüllen, dürften es Klimaforschern zufolge bis Ende des Jahrhunderts drei Grad werden – mit katastrophalen Folgen für Gletscher, Polareis, Korallenriffe, Artenvielfalt – und auch für den Menschen. (mit AFP/dpa)

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