Corona-Epidemie : Israel schottet sich ab

Israel verschärft seine Einreisebestimmungen, um die Ausbreitung der Epidemie zu stoppen. Auch deutsche Besucher sind ab diesem Freitag davon betroffen.

Mareike Enghusen
Auf Nummer sicher. Wer als Israeli aus Ländern zurückkehrt, in denen sich das Coronavirus ausbreitet, muss in Quarantäne.
Auf Nummer sicher. Wer als Israeli aus Ländern zurückkehrt, in denen sich das Coronavirus ausbreitet, muss in Quarantäne.Foto: Emmanuel Dunand/AFP

Wenn Israels Oberrabbiner Juden davon abrät, die Mesusa zu küssen, ist das ein sicheres Zeichen für den Ausnahmezustand. Bei der Mesusa handelt es sich um eine Kapsel mit Gebetsschriften, die in den Türrahmen der meisten israelischen Häuser hängt.

Unter gläubigen Juden ist es Brauch, sie mit der Hand zu berühren und diese anschließend zu küssen. Doch in Zeiten des Corona-Virus soll damit Schluss sein. „Wir erleben die Ausbreitung einer ernsthaften Krankheit“, sagte der aschkenasische Oberrabbiner David Lau am Mittwoch.

Das Kuss-Verbot ist nur eine von vielen, teils drastischen Maßnahmen, mit denen Israels Autoritäten die Ausbreitung des Virus einzudämmen versuchen. Ab diesem Freitag müssen sich all jene, die aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Spanien einfliegen, bei der Einreise zu einer zweiwöchigen Heimquarantäne verpflichten.

Ausländer, die keine eigene Wohnung in Israel nachweisen können, werden abgewiesen. Dieselbe Regelung galt bereits für Reisende aus Italien sowie mehreren asiatischen Ländern, darunter China und Thailand.

Quarantäne-Regelung für Israelis gilt auch rückwirkend

Die Quarantäne-Regelung gilt für israelische Staatsbürger auch rückwirkend. Wer beispielsweise fünf Tage vor ihrer Verkündung am Mittwoch aus einem betroffenen Land zurückgekehrt ist, muss sich umgehend in Heimquarantäne begeben. Zu jenen, die in die häusliche Isolation verbannt wurden, gehört der 37-jährige Ingenieur Shlomi Koch.

Als er vor zwölf Tagen vom Ski-Urlaub in Österreich zurückkehrte, machte er sich noch keine Sorgen. Die Zollbeamten am Flughafen in Tel Aviv hätten Masken getragen, berichtet er am Telefon. „Ansonsten war alles normal, niemand hat mich angesprochen.“

Er ging wie gewohnt zur Arbeit – bis ein Freund ihn am Mittwochabend auf die neuen Richtlinien hinwies. Seitdem hat Shlomi Koch sein Häuschen in Mishmar HaShiva, einem Dorf nahe Tel Aviv, nicht mehr verlassen. Die Zeit vertreibt er sich mit Lesen, Sportübungen und TV-Serien. „Zum Glück sind es nur noch ein paar Tage. Mir ist jetzt schon langweilig!“

Indischer Gruß statt Hände schütteln - Premier Netanjahu gibt Hygiene-Tipps.
Indischer Gruß statt Hände schütteln - Premier Netanjahu gibt Hygiene-Tipps.Foto: Menahem Kahana/AFP

Bislang gibt es in Israel 15 bekannte Corona-Fälle. Um die Zahlen gering zu halten, hat Israels Regierung außerdem internationale Konferenzen und Großveranstaltungen ab 5000 Teilnehmern verboten. Abgesagt wurden zudem eine Militärübung mit US-Truppen, die aus Deutschland einreisen sollten, sowie größere Feiern anlässlich des jüdischen Feiertags Purim kommende Woche.

Die drastischen Maßnahmen setzen bereits einigen Unternehmen zu. Israels größte Fluggesellschaft El Al, die viele Flüge hatte absagen müssen, entließ am Mittwoch ein Zehntel ihrer rund 6000 Angestellten. Viele israelische High-Tech-Firmen, deren Kunden und Investoren in Europa oder den USA leben, müssen Geschäftsreisen absagen.

Tipps vom Regierungschef

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu präsentiert die Einschränkungen als Ausweis staatlicher Fürsorge. „Übermäßige Vorbereitung ist besser als ein Mangel an Vorbereitung“, sagte er schon Ende Februar.

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Auf einer Pressekonferenz diese Woche gab er den Bürgern auch einen persönlichen Tipp: Um das Ansteckungsrisiko zu mindern, sollten sie das gewohnte Händeschütteln durch die indische „Namaste“-Geste ersetzen, wobei der Grüßende seine Handflächen vor der Brust aneinanderlegt. Eine Empfehlung, die indische Twitter-Nutzer begeistert aufgriffen. „Danke, israelischer Premierminister“, schrieb einer von ihnen, „dass Sie uns Inder und unsere Kultur stolz machen.“

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