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Die Bundesbürger sind aufgefordert, beim Heizen zu sparen.
© imago images/avanti

Nicht nur Spanien prescht vor: Diese Energiesparmaßnahmen ergreifen andere EU-Länder

15 Prozent Gas sollen die EU-Mitglieder einsparen. Dabei setzen einige Staaten auf Freiwilligkeit, andere verhängen hohe Strafen bei Energieverschwendung.

Spanien prescht beim Energiesparen vor: Öffentliche Gebäude, aber auch Büros, Kaufhäuser, Kinos, Hotels, Bahnhöfe und Flughäfen sollen ihre Räumlichkeiten im Sommer nicht mehr unter 27 Grad abkühlen und im Winter auf höchstens 19 Grad beheizen dürfen. Die Maßnahmen sollen dabei helfen, den europäischen Notfallplan zum Energiesparen einzuhalten.

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Die EU-Energieminister hatten sich vergangene Woche auf einen solchen Plan geeinigt. Dem zufolge sollen die Mitgliedsstaaten – zunächst auf freiwilliger Basis – ihren Gasverbrauch senken. Der Plan gilt zunächst bis Ende März 2023. Bis dahin soll der Bedarf um 15 Prozent im Vergleich zum Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre gekürzt werden. Die Europäische Union reagiert mit der Maßnahme auf einen möglichen russischen Gas-Lieferstopp.

Spanien

Die spanische Regierung, die sich erst skeptisch gegenüber dem Notfallplan zeigte, ist nun offenbar umso motivierter, die Ziele zu erfüllen. Neben den Regeln zum Kühlen und Heizen in ganz Spanien beschloss das Kabinett in Madrid am Montag eine Reihe weiterer Maßnahmen: Demnach müssen Geschäfte, die automatische Türen haben, diese geschlossen halten, um je nach Jahreszeit das Entweichen von Wärme oder kühler Luft zu vermeiden.

Die Beleuchtung von nicht benutzten Büros, Schaufenstern und Denkmälern muss nach 22 Uhr ausgeschaltet werden. Zusätzlich rief die spanische Ministerin für Ökologischen Wandel, Teresa Ribera, die Unternehmen auf, ihre Mitarbeitenden vermehrt ins Homeoffice zu schicken, um den Energieverbrauch einzudämmen.

Bestimmte Gebäude sollen auf ihre Energieeffizienz hin überprüft werden. Um welche genau es sich dabei handelt, ist unklar. Die Energiesparmaßnahmen sollen nach der Sommerpause des spanischen Parlaments umgesetzt werden und vorerst bis zum 1. November 2023 gelten.

Deutschland

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will auch die Unternehmen in die Pflicht nehmen. Per Verordnung sollen Räume, in denen sich Menschen nicht lange aufhalten, im Winter nicht geheizt werden.

Außerdem sollen Wohnungsmieter:innen von ihrer Pflicht entbunden werden, ihre Heizung auf eine Mindesttemperatur einzustellen. Für Gasheizungen kündigte der Grünen-Politiker zudem eine verbindliche Funktionsprüfung an. Die Union kritisiert das Energiesparpaket als unzureichend.

 Bundesminister für Wirtschaft: Robert Habeck (Grüne).
Bundesminister für Wirtschaft: Robert Habeck (Grüne).
© Soeren Stache/dpa

Unterdessen setzen viel Städte und Gemeinden eigene Energiesparmaßnahmen um: Öffentliche Gebäude in Hannover sollen ab Oktober nur noch auf maximal 20 Grad geheizt werden – außerhalb der Heizperiode bleiben die Geräte ganz aus. Kaiserslautern regelt gar auf 17 Grad runter.

Unterschiedlich handhaben die Gemeinden die Situation in Schwimmbädern, teilweise wird es beim Baden und unter der Dusche künftig kälter. Drastischere Energiesparmaßnahmen wie die Schließung ganzer Schwimmhallen werden nur selten umgesetzt.

Weitaus auffälliger dürfte sein, dass es an vielen Plätzen in Deutschland nachts etwas dunkler ist als gewohnt. Viele Städte und Gemeinden schalten die Beleuchtung von Wahrzeichen ab. In Berlin betrifft die Maßnahme etwa 200 Sehenswürdigkeiten.

Frankreich

Licht aus, heißt es auch in Frankreich: Zwischen ein und sechs Uhr morgens ist Lichtwerbung verboten, außer in Bahnhöfen und an Flughäfen, berichtet das französische Nachrichtenmagazin „L‘Express“. Zudem müssen Geschäfte, sobald sie schließen, ihre „Lichtintensität systematisch reduzieren“ und ihre beleuchteten Schilder ausschalten, heißt es in dem Plan der Regierung.

Halten sich Unternehmen nicht die Energiesparmaßnahmen, drohen saftige Bußgelder. Klimatisierte Shops, die ihre automatischen Türen nicht geschlossen halten, riskieren eine Strafe in Höhe von 750 Euro, heißt es in dem Bericht.

In öffentlichen Gebäuden werden – wie in anderen Ländern – die Klimaanlagen hoch und die Heizungen runtergeregelt, so der „L’Express“ weiter. Die Bevölkerung werde gebeten, die Spülmaschine nur einmal am Tag anzuschalten, Licht in ungenutzten Räumen abzuschalten und den Fernseher sowie den Internetrouter bei Nichtbenutzung auszuschalten.

Italien

In Italien hat die Regierung noch keine umfassenden Energiesparmaßnahmen beschlossen. Vor dem Rücktritt von Premierminister Mario Draghi wurde aber an Regelungen gearbeitet. Darunter fallen unter anderem die Abschaltung der Beleuchtung an Sehenswürdigkeiten und veränderte Öffnungszeiten für Unternehmen, berichtet die britische Zeitung „The Guardian“. Die Maßnahmen wurden noch nicht umgesetzt.

Allerdings gilt in Italien bereits seit dem ersten Mai die Regelung, dass Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden nicht mehr unter 27 Grad kühlen dürfen. Im Winter darf auf höchstens 19 Grad geheizt werden. Bei Verstößen drohen Strafen zwischen 500 und 3000 Euro, berichtet die „Deutsche Welle“.

Griechenland

Auch im Mittelmeeranrainerland Griechenland dürfen die Klimaanlagen im Sommer die Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden nicht unter 27 Grad abkühlen, berichtet der „Guardian“. Mitarbeitende seien dazu angehalten, Computer nach Feierabend auszuschalten. Zudem soll in 640 Millionen Euro teures Förderprogramm die Energieeffizienz der öffentlichen Gebäude verbessern.

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Eine eher ungewöhnliche Energiesparmaßnahme richtete der griechische Tourismusminister schon Mitte Juli an deutsche Rentner:innen. Vassilis Kikilias lud sie zum Überwintern in sein Land ein. Der Bürgermeister von Chania auf der Insel Kreta, Panagiotis Simandirakis, unterstützte den Aufruf. „Wir laden jeden Deutschen ein, der in diesem Winter zu uns kommen möchte, um hier zu leben – fern der Krisen“, erklärte er gegenüber „Bild“.

Irland

Irland kommt derweil noch ohne restriktive Maßnahmen zum Energiesparen aus. Die Behörde für nachhaltige Energie rät der Bevölkerung, in Wohnbereichen bis maximal 20 Grad zu heizen, berichtet der „Guardian“. In Fluren und Schlafzimmern würde eine Temperatur zwischen 15 und 18 Grad ausreichen. Zudem empfehle die Behörde, die Spül- und Waschmaschine seltener zu nutzen.

Belgien

Auch Belgien hält sich mit Regeln zum Einsparen von Energie zurück. Die Regierung belohne hingegen energiesparende Renovierungsarbeiten mit einer deutlich niedrigeren Mehrwertsteuer, berichtet die „Deutsche Welle“. Der Steuersatz „für Bauprodukte und -dienstleistungen wie Abriss und Renovierung sowie für Sonnenkollektoren, Wärmepumpen und Solarboiler“ wurde von 21 auf sechs Prozent gesenkt.

Wenn die EU-Mitgliedsstaaten mit ihren Maßnahmen den Gasverbrauch bis Ende März 2023 um 15 Prozent senken können, bleiben ihnen weitere Einschränkungen erspart. Falls es im kommenden Winter jedoch zu weitreichenden Versorgungsengpässen kommt, könnte aus der Freiwilligkeit Zwang werden. (mit Agenturen)

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