Politik : Gefangener von Mithäftlingen tagelang misshandelt

Dieter Hanisch

Schleswig - Tagelange Misshandlungen durch fünf Mithäftlinge hat ein 18-jähriger Strafgefangener in Schleswig über sich ergehen lassen müssen. Der Vorfall ereignete sich bereits Mitte Februar, doch das Justizministerium in Kiel wurde erst jetzt darüber informiert.

Das Martyrium hat sich in einer mit elf jungen Männern besetzten offenen Wohngruppe abgespielt, in der die Inhaftierten alle auf ihre in Kürze anstehende Entlassung vorbereitet werden. Das Opfer wurde während der gemeinsamen Freizeit unter anderem gefesselt, zwangsweise geduscht, entkleidet, getreten und es musste mit einer Zahnbürste Toiletten reinigen. Nach dem dritten Tag der jeweils stundenlangen Drangsalierungen hat sich ein anderes nicht an den Taten beteiligtes Wohngruppenmitglied den Aufsichtsbeamten offenbart. Sie setzten dem Treiben ein Ende, indem sie den gelockerten Vollzug für die Verdächtigen im Alter von 19 und 20 Jahren aufhoben und die Polizei einschalteten. Die beschuldigten Inhaftierten verbüßen ihre Gefängnisstrafe wegen Diebstahls und Raubes, waren aber bisher nicht als Gewalttäter bekannt.

Alle Beteiligten verbringen die Nächte ab 21 Uhr in der Justizvollzugsanstalt Schleswig. Die Wohngruppe wurde nur tagsüber genutzt. Weshalb das Opfer die Misshandlungen nicht selbst meldete, ist noch unklar. Auch die Motive der geständigen Täter und weitere Hintergründe liegen noch im Dunkeln. Aus dem Justizministerium hieß es, das Opfer habe keine körperlichen Verletzungen davongetragen.

Die Jugendhaftanstalt Schleswig beherbergt zurzeit 76 Straftäter und ist nach den Worten von Justizminister Uwe Döring nicht überbelegt. Auch den Vollzugsbediensteten könne er keine Vorwürfe machen.

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