Politik : Haft auf Bewährung für Rechtsextreme

Frank Jansen

Magdeburg – Die Verbrennung eines Exemplars des Tagebuchs der Anne Frank in Pretzien (Sachsen-Anhalt) hat für die rechtsextremen Täter unangenehme Folgen: Richter Eike Bruns vom Amtsgericht Schönebeck verurteilte am Donnerstag fünf der sieben Angeklagten zu je neun Monaten Haft, deren Verbüßung für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. „Sie sind allesamt Mittäter einer öffentlichen Billigung des Holocaust“, sagte Bruns am Ende des Prozesses, der wegen des Medienandrangs im Landgericht Magdeburg stattfand. Sebastian K., Lars K., Patrick R., Marc P. und Guido P., sie hätten sich der Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener schuldig gemacht. Die Verurteilten müssen Geldauflagen zwischen 1300 und 2200 Euro zahlen. Die Mitangeklagten David K. und Christoph H. wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen.

Bei seinem Eintritt in den Justizdienst habe er sich nicht vorstellen können, „dass ich am Beginn des 21. Jahrhunderts über eine Bücherverbrennung richten muss“, sagte Bruns. Er betonte, dass bei der Sonnenwendfeier am 24. Juni 2006 in Pretzien verbrannte Buch sei ein Symbol, „das stellvertretend für viele Opfer das Schicksal des jüdischen Volkes während des ,Dritten Reiches‘ exemplarisch darstellt“. Bruns nannte die Behauptung des Angeklagten Lars K., er habe sich mit dem Wurf des Buches ins Feuer von einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte befreien wollen, „hanebüchen“.

Als „ein Stück Rechtsgeschichte“ lobte der Direktor des Berliner Anne-FrankZentrums, Thomas Heppener, das Urteil. In einem offenen Brief an die Einwohner Pretziens warb er für Zivilcourage. Der wegen seiner Kontakte zu den Rechtsextremisten hart kritisierte Bürgermeister des Ortes, Friedrich Harwig, sagte mit Tränen in den Augen, er hoffe, dass sich die Verurteilten ändern.

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