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Ibiza-Video : Zentrum für Politische Schönheit spielte Rolle bei Veröffentlichung

Wie kam das Ibiza-Video, das Österreichs Vizekanzler zum Rücktritt zwang, zu „Spiegel“ und „SZ“? „Frontal 21“ zufolge war eine Künstlergruppe beteiligt.

Was für ein Treffen: Heinz-Christian Strache (rechts) und Johann Gudenus mit der vermeintlichen Oligarchin.
Was für ein Treffen: Strache (rechts) und Gudenus mit seiner Frau. Die vermeintliche Oligarchin ist nicht im Bild.Foto: -/Spiegel/Süddeutsche Zeitung/dpa

Neue Spur im Fall des Ibiza-Videos mit dem österreichischen FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache: Die Aktivisten vom Zentrum für Politische Schönheit sollen nach einem Bericht des ZDF-Magazins "Frontal 21" das Video erworben, aber nicht beauftragt haben. Mitarbeiter von "Frontal 21" haben demnach mit einem Beteiligten gesprochen.

Einer der Männer, die an dem Projekt beteiligt gewesen sein sollen, habe den Kauf bestätigt. Wenige Tage, bevor der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" den Skandal um Strache und seinen Intimus Johann Gudenus aufgedeckt hatten, habe er von der geplanten Veröffentlichung erfahren. Die "Bild"-Zeitung wiederum schreibt unter Berufung auf das "Umfeld" der Gruppe, dass die Künstlergruppe kein Geld für das Video bezahlt habe. Die Gruppe hätten das Video wie andere auch lediglich vorab zugespielt bekommen. Auch der Satiriker Jan Böhmermann gehört wohl zum Kreis derer, denen das Video angeboten wurde.

Anwalt bot schon früher belastendes Material über Strache an

Die Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit erregt immer wieder Aufsehen mit Aktionen gegen Rechte. So errichtete sie in der Nachbarschaft des AfD-Politikers Björn Höcke einen Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals. Im vergangenen Jahr fahndete das Zentrum vermeintlich nach Teilnehmern einer rechten Demonstration in Chemnitz.

Auch die "Welt am Sonntag" berichtet über neue Details im Fall des Ibiza-Videos. Demnach hat der Wiener Anwalt, der inzwischen zugegeben hat, den Ibiza-Besuch mit den beiden FPÖ-Politikern eingefädelt zu haben, schon einmal im Jahr 2015 politisch belastendes Material über Strache angeboten. Dabei ging es um Fotos und Chatverläufe. Unklar ist bisher immer noch, wen der Auftraggeber der Videofalle auf Ibiza war.

Jan Böhmermann gewährt weiter keine Einblicke in sein mögliches Hintergrundwissen zur Entstehung des Strache-Videos. „Das wird wahrscheinlich nie geklärt werden“, sagte der Satiriker und Moderator am Sonntag in Weimar mit Blick auf die Hintergründe des Videos, das in Österreich ein politisches Erdbeben ausgelöst und den Rücktritt Heinz-Christian Straches als Vizekanzler und FPÖ-Chef zur Folge hatte.

Der Satiriker reagierte damit auf eine Frage des MDR-Journalisten Thomas Bille, der eine Diskussionsveranstaltung zwischen Böhmermann und jungen Aktivisten über politisches Engagement moderierte. Am Abend der Europawahl sprach Böhmermann in Weimar unter anderem mit Max Reschke, der Proteste gegen Rechtsrockkonzerte im Weimarer Land organisiert hat. (Tsp, dpa)

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