• In eigener Sache: Die Tagesspiegel-Redaktion gibt sich neue Redaktions- und Transparenzrichtlinien

In eigener Sache : Die Tagesspiegel-Redaktion gibt sich neue Redaktions- und Transparenzrichtlinien

Die Redaktion des Tagesspiegel hat sich neue Redaktions- und Transparenzrichtlinien gegeben. Hier können Sie sie nachlesen.

Präambel:

Unabhängigkeit und Sorgfalt sind ebenso wie die Freiheit der Presse Grundvoraussetzung für Journalismus. Während die Pressefreiheit durch das Grundgesetz garantiert wird, müssen Medien ihre Unabhängigkeit und die Sorgfalt in der täglichen Arbeit selbst sicherstellen. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung. Die Redaktion des Tagesspiegels hat sich deshalb den Grundwerten einer hochwertigen Pressearbeit verpflichtet. Mit diesen Redaktions- und Transparenzrichtlinien legen wir offen, nach welchen Regeln wir arbeiten und welche Prinzipien unsere tägliche Arbeit leiten. Wir, die Redaktion des Tagesspiegels, sind diesen Prinzipien verpflichtet.

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Grundsätzliche Haltung der Zeitung

Der Tagesspiegel ist eine unabhängige Zeitung. Alle Redakteure verpflichten sich darauf, die Zeitung in voller Unabhängigkeit von Regierung, Par­teien und Interessengruppen auf freiheitlich-demokratischer Grundlage zu gestalten.

1984 wurde die grundsätzliche Haltung der Zeitung wie folgt schriftlich festgehalten:

„Der Tagesspiegel steht ein für die parlamentarische repräsentative und gewaltenteilende rechts-staatliche Demokratie, deren unabdingbare Voraussetzungen die Möglichkeit freier Wahl zwischen mehreren Parteien, die Bindung allen staatlichen Handelns an die Gesetze und die Kontrolle allen staatlichen Handelns durch unabhängige Richter sind.

Der Tagesspiegel tritt für eine freiheitliche und soziale Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung ein.

Der Tagesspiegel lehnt Gewalt als Mittel zur Erreichung politischer, sozialer oder gesellschaftlicher Ziele ab.

Die Chefredaktion bestimmt den geistigen Produktionsprozess der Zeitung.

Zur grundsätzlichen Haltung der Zeitung gehört auch, dass der Tagesspiegel jede Form von Redaktionsstatut, die eine personelle Mitbestimmung des einzelnen Redaktionsmitglieds oder Sachentscheidungen aufgrund von Mehrheitsbeschlüssen der Gesamtredaktion vorsieht, aus publizistischen und verfassungsrechtlichen Gründen ablehnt.

Die Unabhängigkeit der Zeitung ist von jedem einzelnen Redaktionsmitglied auch nach außen zu wahren. Bei politischer oder gesellschaftlicher Betätigung außerhalb des Dienstes und Unternehmens (innerhalb von Redaktion und Verlag ist sie ausgeschlossen) muss auf die erklärte Unabhängigkeit des Tagesspiegels Rücksicht genommen werden, insbesondere darf keine Verbindung mit der Zeitung hergestellt werden. Mit der grundsätzlichen Haltung der Zeitung ist auch die aktive Mitgliedschaft in Organisationen nicht zu vereinbaren, sofern dadurch eine dogmatische Einschränkung der Unvoreingenommenheit des Redaktionsmitgliedes nicht auszuschließen ist.“

Jeder Redakteur, der für den Tagesspiegel arbeitet, verpflichtet sich auf die Grundsätzliche Haltung der Zeitung, die er mit seinem Arbeitsvertrag unterzeichnet.

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Aus der grundsätzlichen Haltung der Zeitung leiten wir folgende Qualitäts- und Transparenzrichtlinien ab:

 

Sorgfalt

Als Medienunternehmen mit einer großen Leserschaft tragen wir Verantwortung dafür, dass die Informationen, die wir recherchieren oder weitergeben, sachlich richtig sind. Wir ordnen sie außerdem so sorgfältig wie möglich ein.

Jede Recherche ist ergebnisoffen. Wir hören alle Seiten.

Wir verpflichten uns für den redaktionellen Alltag außerdem auf folgende Prinzipien:

Umgang mit Quellen

Viele Recherchen basieren auf Gesprächen mit Personen, die Informationen nur unter der Bedingung der Anonymität weitergeben. Die Anonymität von Quellen ist eine Grundbedingung des Journalismus.

Tagesspiegel-Autoren dokumentieren die Identität ihrer Quellen und deren Aussagen in einer Form, die geeignet ist, die Anonymität des Informanten schützen. Im Zweifel sollten sie für die Ressortleiter beziehungsweise die Chefredaktion nachprüfbar sein.

Können die Quellen genannt werden, werden sie genannt.

Wir machen außerdem jeweils deutlich, wann und unter welchen Umständen das Gespräch stattgefunden hat, zum Beispiel, ob es sich um ein Telefonat, einen Chat oder eine persönliche Begegnung handelt.

Tagesspiegel-Autoren recherchieren die Aussagen ihrer Quellen so sorgfältig wie möglich gegen.

Zu größeren, exklusiven und brisanten Recherchen und Reportagen veröffentlichen wir online und im Print ein Making-off, in dem Redakteure ihre Recherchewege beschreiben.

Umgang mit Korrekturen

Auch wenn Der Tagesspiegel sich um größtmögliche Sorgfalt bemüht, unterlaufen uns Fehler.  Ein transparenter Umgang damit und vor allem die Korrektur im Internet sind uns wichtig, damit Fehler sich nicht fortsetzen und verbreiten. Wir korrigieren sachliche Fehler und falsche Schreibweisen online und in der gedruckten Zeitung. In der gedruckten Zeitung veröffentlichen wir Korrekturen im jeweiligen Ressort. Online werden nachträglich eingefügte Korrekturen unter Nennung des unterlaufenen Fehlers unter dem jeweiligen Text kenntlich gemacht.

Auswahl von Experten und Gesprächspartnern

Wir wählen Expertinnen und Experten oder Gesprächspartner, mit denen wir im Zuge von Recherchen Kontakt haben, sorgfältig aus und prüfen im Rahmen der journalistischen Möglichkeiten deren Expertise. Zitieren wir Experten oder Gesprächspartner, nennen wir jeweils die Institution oder Organisation, für die der Experte tätig ist.

Umgang mit Studien

In unserer Berichterstattung beziehen wir uns oft auf wissenschaftliche Studien oder Umfragen. Wir prüfen im Rahmen der journalistischen Möglichkeiten, ob die jeweiligen Studien valide sind und wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Wir nennen in jedem Fall die Autoren oder die herausgebende Organisation und die Organisation oder Auftraggeber, die die Studie finanziert haben. Online verlinken wir, wenn möglich, das Originaldokument oder eine Zusammenfassung im Web.

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Transparenz

Der Beruf des Journalisten kann mit einer aktiven politischen oder gesellschaftlichen Betätigung in Konflikt stehen. Deshalb schaffen wir Transparenz. Wir legen in unseren Autorenprofilen auf Tagesspiegel.de offen, wenn wir Mitglied im Vorstand einer Partei oder eines Wirtschaftsverbandes sind oder ein politisches Mandat in einem Parlament innehaben. Auch Mitgliedschaften in Kuratorien, Beiräten, Aufsichtsräten und vergleichbaren Gremien werden offengelegt.

Bezahlte und unbezahlte Tätigkeiten für Dritte

Tagesspiegel-Redakteure setzen die Chefredaktion in Kenntnis über Moderationen oder andere honorierte und nicht honorierte Tätigkeiten für Dritte. Die Chefredaktion kann entscheiden, dass eine bestimmte Tätigkeit nicht mit dem Unabhängigkeitsprinzip der Zeitung vereinbar ist.

Grundsätzlich berichten Tagesspiegel-Redakteure nicht über Veranstaltungen, an denen sie selbst – zum Beispiel als Diskussionsteilnehmer oder Moderation – beteiligt waren.

Die Ressortleiter fordern freie Autoren auf, offenzulegen, wenn sie Honorare von Dritten aus einem dem Journalismus nahen Bereichen erhalten haben (z.B. PR, Marketing, Corporate Publishing). Eine inhaltlich verwandte Tätigkeit für den Tagesspiegel wird ausgeschlossen. Die Ressortleitung prüft, ob ein freier Autor unabhängig genug ist, um im Tagesspiegel zu einem bestimmten Thema zu veröffentlichen und fällt eine Entscheidung

Reisekosten

Tagesspiegel-Redakteure und freie Autoren des Tagesspiegels legen gegenüber der Ressortleitung und der Chefredaktion offen, wenn Dritte die Kosten oder Teile der Kosten für Recherchereisen übernehmen. Die Ressortleitung oder Chefredaktion kann entscheiden, dass die Annahme einer Einladung nicht mit dem Unabhängigkeitsgebot vereinbar ist und die Reise untersagen. Die Chefredaktion kann grundsätzlich jede Reise ablehnen.

Der Tagesspiegel macht online und im Print unter dem jeweiligen Text kenntlich, welche Organisationen eine Reise finanziert oder mitfinanziert haben. Genannt wird der Name des Unternehmens/der Organisation

Verlagseigene Veranstaltungen

Der Tagesspiegel berichtet regelmäßig über Veranstaltungen, die vom Tagesspiegel-Verlag organsiert werden. Ob über Angebote und Veranstaltungen des Verlages redaktionell berichtet wird, entscheidet und verantwortet allein die Redaktion (dazu auch die Transparenzrichtlinien des Tagesspiegel Verlags). Häufig sind Tagesspiegel-Redakteure bei diesen Veranstaltungen als Moderatoren tätig. Diese Veranstaltungen werden teilweise von Dritten finanziert oder mitfinanziert. Der Tagesspiegel legt diese Sponsoren im jeweiligen Bericht offen. Einen Einfluss auf Tenor oder Umfang der Berichterstattung haben die Sponsoren nicht.

Einladungen und Geschenke

Tagesspiegel-Redakteure nehmen in ihrer Funktion als Journalisten keine Geschenke an, die einen Wert von 40 Euro übersteigen. Arbeitsmaterialien wie Presse- und Rezensionsexemplare oder Karten für Konzerte, die besprochen werden, stellen keine Geschenke dar. Besteht bei der Einladung zu einer Veranstaltung/einem Konzert/einem Sportevent etc. kein unmittelbares Berichtsinteresse, muss die Annahme gegenüber der Ressortleitung offengelegt und begründet werden. Unverlangt zugesandte Geschenke mit einem Wert von über 40 Euro können beim Betriebsrat abgegeben werden, sie werden einmal im Jahr für einen guten Zweck versteigert.

Von der privaten Nutzung von Journalistenrabatten wird abgeraten.

Verhalten in Sozialen Medien

Viele Tagesspiegel-Redakteure haben Accounts auf Facebook, Twitter, Instagram oder anderen Sozialen Medien. In den Sozialen Medien präsent zu sein, ist für uns ein bedeutender Bestandteil unserer Arbeit. Für uns sind die Sozialen Medien ein wichtiger Draht zu Lesern, Zuhörern und Zuschauern, aber auch zu Quellen sowie ein wichtiger Weg der Verbreitung unserer Geschichten und Inhalte. Hier bekommen wir Feedback, können mit Lesern diskutieren und bekommen Anregungen für neue Recherchen.

Es ist uns bewusst, dass es in Sozialen Netzwerken besonders schwierig ist, zwischen der Privatperson des Journalisten und seiner Tätigkeit als Journalist zu unterscheiden. Das verpflichtet zu besonderer Umsicht. Auch in den Sozialen Medien verpflichten wir uns zu Sorgfalt und legen die folgenden Grundregeln fest:

Wir verzichten auf Äußerungen, die der grundsätzlichen Haltung der Zeitung zuwiderlaufen.

Tagesspiegel-Redakteure kommentieren auch in den Sozialen Medien das politische und gesellschaftliche Geschehen. Wir sind uns bewusst, dass die kurze Textform in den Sozialen Medien zu Zuspitzung verleitet. Ebenso wie auf Tagesspiegel.de oder in der gedruckten Zeitung sollte der Stil von Argumenten, Respekt, Kritik in der Sache und Maß geprägt sein.

Wir teilen nur Informationen aus Quellen, denen wir vertrauen oder Informationen, deren Stichhaltigkeit wir geprüft haben. Wir teilen Meinungen oder Informationen aus Quellen, die gegen die grundsätzliche Haltung der Zeitung stehen, nur dann, wenn wir sie einordnen und sie von besonderem öffentlichen Interesse sind.

Mit Korrekturen verfahren wir analog zur Webseite und zur gedruckten Zeitung: Sachliche Fehler werden korrigiert. Das kann heißen, einen Tweet oder Post wieder zu löschen. In diesem Fall weisen wir in einem weiteren Tweet oder Post auf den gelöschten Post hin und nennen den Fehler und die Korrektur.

Wir achten auf eine faire und kultivierte Debatte in unseren Kanälen in den Sozialen Medien und in der Community auf Tagesspiegel.de und moderieren die Leserkommentare entsprechend. Persönliche Anwürfe, Herabwürdigungen oder gar üble Nachrede und Beleidigungen haben bei uns keinen Platz. Unsere Community- und Kommentarrichtlinien können hier nachgelesen werden.

Zugehörigkeit zum Dieter von Holtzbrinck-Verlag

Der Tagesspiegel gehört zur DvH Medien GmbH, eine von dem Verleger Dieter von Holtzbrinck gegründete Gesellschaft, zu der außerdem das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche, die Zeit (anteilig) und der Werbevermarkter IQ Media gehören. Aufsichtsratsvorsitzender ist Michael Grabner. Der Tagesspiegel-Herausgeber Sebastian Turner hält 20 Prozent der Gesellschaftsanteile.

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Diese Transparenz- und Redaktionsrichtlinien sind eine freiwillige Selbstverpflichtung und ziehen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen nach sich, sofern sie nicht zugleich arbeitsvertragliche Pflichtverstöße sind. 

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