Wo entwickeln sich Kleinkinder besser - in der Kita oder zu Hause?

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Kinderbetreuung : Es gibt keine Wahlfreiheit

Entwickeln sich die Kleinkinder denn besser in der Kita oder zu Hause?

In der Frage, wo die Kinder besser aufgehoben sind, ganztags in ihren Familien oder für einige Stunden des Tages in einer Betreuungseinrichtung, kommt die Nubbek-Studie zu einem differenzierten Urteil: Bei den Kleinen, den Zweijährigen, konnten sie zwischen beiden Gruppen keinen Unterschied im Bildungs- und Entwicklungsstand feststellen. Allerdings verzeichnete die Untersuchung bei früherem Eintritt in die außerfamiliäre Betreuung bessere Entwicklungskennwerte in den Bereichen Kommunikationsverhalten und Alltagsfertigkeiten.

Was Untersuchungen wie die große Nichd-Studie aus den USA schon gezeigt haben, bestätigte sich auch hier: Wie weit kleine Kinder in ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten und ihrer Reife sind, hängt am meisten von Merkmalen ihrer Familie ab – selbst wenn sie ganztags in die Kita gehen. Positiv wirken sich hier vor allem der Bildungsstand der Mutter und ihre Gemütsverfassung aus.

Bei den Vierjährigen spielt es dann schon eine größere Rolle, was ihr Kindergarten zu bieten hat. Und das ist nach dem Urteil der Forscher heute nicht mehr als Mitte der 90er Jahre. Wirklich gute „Prozessqualität“, also einfühlsame Betreuung und vielfältige Bildungsangebote im Alltag, fanden sie nur in jeder zehnten, unzureichende aber ebenfalls in jeder zehnten Einrichtung. „Die Befunde rufen nach Verbesserungen“, so das klare Signal an Träger und Politik. „Qualitätsmonitoring ist gerade unter dem momentanen Druck des Ausbaus der Einrichtungen für Kinder unter drei besonders wichtig“, sagt Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des staatlichen Instituts für Frühpädagogik in München.

Für Zweijährige scheinen dabei die Rahmenbedingungen in reinen Krippengruppen bekömmlicher zu sein als in altersgemischten Gruppen, in denen sie oft untergehen. Auch die Arbeit der Tagesmütter schnitt nicht schlechter ab. In der Studie wurden allerdings eher große, professionalisierte Tagespflegestellen unter die Lupe genommen. Die Kindertagespflege sollte nach Ansicht der Autoren weiter untersucht werden, zumal es die politische Absicht ist, dass diese Einrichtungen ab dem nächsten Jahr rund ein Drittel der versprochenen Betreuungsplätze für Kinder unter drei abdecken.

Vor allem Kinder, die in ihrem Elternhaus schlechtere Bildungschancen haben, sollten schon früh zeitweise auch außerhalb betreut werden, so das deutliche Signal von Nubbek. „Politische Maßnahmen, die frühe bildungsrelevante Erfahrungen von Kindern mit Migrationshintergrund und anderen Kindern mit bedenkenswerten Lebenslagen verhindern, sind kontraindiziert“, heißt es in aller Klarheit, allerdings ohne ausdrückliche Erwähnung des viel diskutierten „B“-Wortes, in der Studie. Tietz sagt: „Wir brauchen im Gegenteil ein öffentliches Zugehen auf diese Familien.“

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