• Kontroverse um Orden für Ägyptens Diktator: Dresdens Oberbürgermeister kommt trotzdem zum Semperopernball
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Kontroverse um Orden für Ägyptens Diktator : Dresdens Oberbürgermeister kommt trotzdem zum Semperopernball

Dresdens OB Hilbert kritisiert, dass der Semperopernball dem ägyptischen Diktator al Sisi einen Orden verliehen hat. Mitfeiern will er dennoch.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) mit seiner Ehefrau Su Yeon Min auf dem Semperopernball 2016.
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) mit seiner Ehefrau Su Yeon Min auf dem Semperopernball 2016.Foto: Robert Michael/Imago

Der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat sich nach tagelangem Zögern entschieden, trotz des Eklats über einen Orden für den ägyptischen Diktator Abdel Fattah al Sisi zum Semperopernball zu kommen. Auf Facebook schrieb Hilbert am Donnerstag aber zugleich, die Organisatoren des Balls seien mit der Preisübergabe an den ägyptischen Präsidenten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht geworden.

Der Preis für al Sisi erregt seit Tagen die Gemüter. Ball-Organisator Hans-Joachim Frey war am Wochenende mit einer Delegation nach Kairo gereist, um den sogenannten St. Georgs-Orden zu übergeben. Er lobte al Sisi als „Friedensstifter“ - und verkündete offenbar nicht abgestimmte Pläne zu einem Austausch der Dresdner Semperoper und der Oper in Kairo. Später hatte Frey die Auszeichnung für den Machthaber des Landes, in dem die Menschenrechte seit Jahrzehnten eklatant verletzt werden, als Fehler bezeichnet.

Hilbert begründete seine Entscheidung, dennoch am Ball teilzunehmen, so: „Das Besondere am Semperopernball ist nicht die Feier im Saal, nicht die prominenten Gäste und nicht die Preisträger. Das Besondere sind die vielen Menschen - Dresdnerinnen, Dresdner und Gäste - die gemeinsam mit den Ballbesuchern auf dem Theaterplatz feiern. (...) Ausschließlich mit Blick auf die Feiernden auf dem Theaterplatz und dem Stolz, den viele Dresdner für dieses Ereignis empfinden, habe ich mich entschlossen, auch in diesem Jahr in offizieller Funktion am Ball teilzunehmen.“

Ball-Organisator Hans-Joachim Frey.
Ball-Organisator Hans-Joachim Frey.Foto: imago images/Sven Ellger

Vom Semperopernball-Verein, der den Ball seit Jahren ausrichtet, forderte Hilbert eine Debatte über den St. Georgs-Orden, der in der Vergangenheit unter anderem auch schon an den russischen Staatschef Wladimir Putin gegangen war. Er habe die Vergabe dieses Ordens „schon immer als inflationär betrachtet“, erklärte er. Es müsse hier Veränderungen geben, zumindest die Kriterien für die Preisvergabe müssten transparent und nachvollziehbar sein. „Ein Ball ohne Preis würde der rauschenden Nacht keinen Abbruch tun“, erklärte Hilbert.

Mareile Höppner springt für Judith Rakers ein

Er erwarte entsprechende Informationen an ihn und auch an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), schrieb das Stadtoberhaupt. Kretschmers Staatskanzlei war von den Plänen zur Auszeichnungen al Sisis vorab informiert worden. Der CDU-Politiker will ebenso wie Hilbert zum Ball kommen.

Die ARD-Journalistin Judith Rakers hatte die Moderation des Balls wegen der Preisvergabe an al Sisi abgesagt, sie verzichtet trotz Vorleistungen auf ein Honorar. Anstelle von Rakers soll nun die MDR-Moderatorin Mareile Höppner am 7. Februar an der Seite von Schlagersänger Roland Kaiser durch den Dresdner Opernball führen. Sie hatte 2016 gemeinsam mit Guido Maria Kretschmer den Semperopernball moderiert. Sie spiele „von Herzen gern die Feuerwehr“ und „fühlt sich geehrt“, wird Höppner von der „Sächsischen Zeitung“ zitiert. Der MDR will den Abend live übertragen.

Rassistische Sprüche eines Unternehmers

Aber nicht nur die Vergabe an al Sisi sorgt für Ärger. Auch der Chemnitzer Unternehmer Hans Jürgen Naumann bekommt einen St. Georgs Orden.

Naumann hatte 2017 mit rassistischen Sprüchen in einem Interview in der „Freien Presse“ für Empörung gesorgt. Er kommentierte die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten damals mit den Worten, Trump habe im Gegensatz zu vielen europäischen Politikern erkannt, „dass die weiße Bevölkerung zusammenstehen muss“. Zugleich forderte er, die afroamerikanische Jugend, die „sich sehr stark aus der Verantwortung gezogen habe“, zu disziplinieren.

Trotzdem will der Semperopernballverein an der Ehrung Naumanns festhalten, wie eine Vereinssprecherin am Donnerstag auf Tagesspiegel-Anfrage sagte. Die Ordensverleihung an Naumann sei nicht auf dem Ball selbst geplant, sondern auf dem „vorgelagerten VIP-Empfang im Hotel Taschenberg Kempinski“.

Der Chemnitzer Unternehmer Hans Jürgen Naumann.
Der Chemnitzer Unternehmer Hans Jürgen Naumann.Foto: Christian Essler/imago images/xcitepress

Ball-Organisator Frey verteidigte Naumann gegen Vorwürfe als „Weltbürger“ sowie „wortgewaltigen und streitbaren Diskutanten“.

Die Semperoper hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass es mit dem Verein um Kulturmanager Frey Verträge über die Ausrichtung des Balls bis 2022 gibt. Der Ball soll nach Angaben des Opernhauses also auch in den kommenden Jahren stattfinden.

Allerdings ist Intendant Peter Theiler wegen des Preises für al Sisi wütend und enttäuscht, wie es aus dem Opernhaus heißt. Die Veranstalter des Balls erinnerten Theiler derweil daran, dass die Semperoper mit dem Ball „ein Heidengeld“ verdiene.

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