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In einer Klinik wird bei einer Operation einem Spender eine Niere entnommen, die für eine Transplantation vorgesehen ist.

© dpa

Medizin: Transplantation: Wie andere Länder es machen

Gesundheitsminister Philipp Rösler lehnt sie ab, in vielen Ländern der EU regelt sie aber die Entnahme von Organen zur Transplantation: die Widerspruchsregelung.

Berlin - Das bedeutet: Wer zu Lebzeiten einer Organentnahme nicht ausdrücklich widerspricht, der wird automatisch zum potenziellen Organspender. In Ländern wie Österreich, Spanien, Italien und Tschechien ist dies der Fall. In einigen Staaten haben Angehörige ein Widerspruchsrecht, so zum Beispiel in Belgien und Norwegen.

Ähnlich sieht die Regelung in Frankreich und in Schweden aus. Einziger Unterschied: Über eine geplante Entnahme müssen Angehörige lediglich informiert werden – ein Einspruchsrecht haben sie aber nicht.

Nach Angaben des Präsidenten von Eurotransplant, Bruno Meiser, ist die Zahl der Organspenden in Ländern mit Widerspruchsregelung höher. Deswegen plädiert er für die Einführung der Widerspruchslösung auch in Deutschland. So würden zum Beispiel in Spanien 34 Menschen je eine Million Einwohner nach ihrem Tod mindestens ein Organ spenden. Das macht das Land zum Spitzenreiter: Der EU-Durchschnitt liegt laut Statistiken des Europarats von 2007 bei 18 Spendern. Er führt dies aber auch darauf zurück, dass dort die Organisation in den Krankenhäuser besser läuft als beispielsweise in Deutschland. „In Spanien gibt es Koordinatoren, die sich mit dem Ablauf befassen und dafür auch 1000 Euro monatlich zusätzlich zu ihrem Gehalt bekommen“, so Meiser. Die Organspende müsse auch in den Krankenhäuser hierzulande professioneller organisiert werden.

In Deutschland spenden knapp 15 Menschen pro eine Million Einwohner ein Organ. Hier gilt die strengere sogenannte erweiterte Zustimmungsregelung: Wer hiezulande Organe spenden möchte, muss zu Lebzeiten einen Spendeausweis ausfüllen. Dürfen alle Organe entnommen werden oder nur bestimmte? Fragen wie diese müssen auf dem Ausweis vermerkt werden. Wenn kein Ausweis vorliegt, können die Angehörigen etscheiden, ob Organe gespendet werden – nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation warten in Deutschland etwa 12 000 Patienten auf ein Spenderorgan. Die Verteilung übernimmt Eurotransplant – für Deutschland, Österreich, Luxemburg, Belgien, Kroatien, die Niederlande und Slowenien. Ausschlaggebend für die Verteilung von Organen sind die Erfolgsaussichten einer Transplantation sowie die Dringlichkeit. Die Herkunft der Spender und des wartenden Patienten spielt keine Rolle. Lissy Kaufmann

Mehr zum Thema: www.gesundheitsberater-berlin.de

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