Politik : Naumann begeistert Hamburger Sozialdemokraten

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Hamburg - Der „beste Wahlkämpfer aller Zeiten“ (Michael Naumann über Gerhard Schröder) verausgabte sich auf dem Podium für seinen ehemaligen Kulturstaatsminister wie zu seinen besten Zeiten. Schröder, den der neue Spitzenkandidat der Hamburger SPD nicht Altkanzler nennen wollte, „weil der Kerl immer jünger wird“, ging beim Reden in die Knie, brüllte in den Saal und erinnerte an seinen letzten Wahlkampf. Da es dabei nicht ganz zum Sieg gereicht hat, empfahl Schröder den Hamburger Genossen: „Macht eine Woche länger Wahlkampf, dann ist das Ergebnis umgekehrt.“

Als Naumann am Samstag in den voll besetzten Saal eines Hotels am südlichen Stadtrand einzog, lief neben Schröder auch Ex-Bundesinnenminister Otto Schily in seinem Gefolge. Für den Nachmittag hatte sich Parteichef Kurt Beck angesagt, und vorne in der ersten Reihe saßen die ehemaligen Ersten Bürgermeister Henning Voscherau und Klaus von Dohnanyi, um zu demonstrieren: Die SPD in Hamburg kann auch noch geschlossen auftreten, anders jedenfalls, als sie es zuletzt gezeigt hat.

Dieses Aufgebot an Prominenz schien angebracht zu sein. Die Flügelkämpfe der Hamburger SPD, die sich an der Person des zurückgetretenen Landeschefs Mathias Petersen entzündet hatten – und für den am Samstag Ingo Egloff als Nachfolger gewählt wurde –, waren längst über Hamburg hinaus zur Gefahr für die SPD geworden. Nach dem gestrigen Tag allerdings darf man vermuten, dass Naumann wohl auch ohne prominente Begleitung gut angekommen wäre.

Angriffslustig und mit klaren Schwerpunkten für den Wahlkampf legte er die Grundlage dafür, dass eine verunsicherte Partei wieder beginnen kann, an sich zu glauben. Einer der Strippenzieher bei den Hamburger Sozialdemokraten sagte nach Naumanns Rede: „Es war die unglaubliche Stoffdichte, mit der er überzeugt hat.“ Tatsächlich bewegte sich der beurlaubte Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“ kenntnisreich durch die Hamburger Themen und warb vor allem für eine neue Sozialpolitik. Den breitesten Raum seiner über einstündigen Rede nahm die Kinder- und Jugendpolitik ein. Den größten Applaus aber bekam er bei seinen Angriffen gegen den Christdemokraten Ole von Beust. Naumann zitierte genüsslich den Ersten Bürgermeister, der sich einmal fragte, wie er verhindern könne, dass eine Gesellschaft auseinanderfalle. Naumanns Antwort: „Durch Ihre Abwahl.“ Standing Ovations, fünf Minuten lang, 339 von 343 Stimmen für Naumann. ale

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