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Pakistan : Zwei Flugzeuge über Kaschmir-Region abgeschossen

Der Konflikt zwischen den Atommächten Indien und Pakistan verschärft sich. Die Regierung in Dehli wirft dem Nachbarland die Verletzung des Luftraums vor.

Pakistanische Soldaten stehen neben dem Wrack eines abgestürzten Flugzeugs.
Pakistanische Soldaten stehen neben dem Wrack eines abgestürzten Flugzeugs.Foto: STR/AFP

Indien hat den Verlust eines Flugzeugs seiner Luftwaffe bei einem Angriff durch Pakistan auf indischem Gebiet bestätigt. Der Pilot der MiG-21 werde vermisst, sagte der Sprecher des indischen Außenministeriums, Raveesh Kumar, am Mittwoch in Neu Delhi. Pakistans Luftwaffe habe am Morgen militärische Ziele in Indien angegriffen. Indische Abfangjäger hätten den Angriff vereitelt und ein pakistanisches Flugzeug abgeschossen. Dieses sei auf pakistanischer Seite der De-facto-Grenze abgestürzt.

Der pakistanische Armeesprecher Asif Ghafoor hatte zuvor erklärt, Pakistan habe zwei indische Flugzeuge abgeschossen und zwei indische Piloten festgenommen. Ein Video, das angeblich einen Oberstleutnant der indischen Luftwaffe in pakistanischer Gefangenschaft zeigt, wurde in sozialen Medien in Pakistan verbreitet.

Das pakistanische Außenministerium hatte mitgeteilt, dass die pakistanische Luftwaffe über die faktische Grenze hinweg Luftangriffe geflogen habe. Diese seien keine Vergeltung auf „andauernde indische Kriegslust“, heißt es in der Mitteilung, daher habe man menschliche Verluste vermieden und es habe keine Kollateralschäden gegeben.

„Der einzige Zweck dieser Aktion bestand darin, unser Recht, unseren Willen und unsere Fähigkeit zur Selbstverteidigung zu demonstrieren“, twitterte der Außenministeriumssprecher Mohammad Faisal. Man wolle keine Eskalation, aber man sei völlig vorbereitet.

Der kommerzielle Flugverkehr wurde Behördenangaben zufolge an den Flughäfen im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir - Srinagar, Leh und Jammu - eingestellt. Laut der indischen Fluglinie IndiGo landeten und starteten vorübergehend auch in anderen nordindischen Städten - Chandigarh, Amritsar und Dehradun - keine Passagierflieger. 

Drei Flughäfen geschlossen

Laut Armeesprecher Ghafoor wurden in Pakistan mindestens drei Flughäfen in der Nähe der indischen Grenze geschlossen. 

In der Nacht zu Mittwoch wurden zudem mindestens vier Menschen bei Zusammenstößen zwischen indischen und pakistanischen Bodentruppen im pakistanischen Teil Kaschmirs getötet. Zwei von ihnen seien Frauen gewesen, sagte der pakistanische Informationsminister Mushtaq Minhas. Von indischer Seite habe es Maschinengewehr-, Mörser- und Artilleriebeschuss gegeben.

Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan rief angesichts der militärischen Konfrontation zu Gesprächen auf. Es sei einfach, einen Krieg zu beginnen, aber wohin dieser führt, könnte niemand kontrollieren, sagte Khan in einer Fernsehansprache. Sollte Indien über Terrorismus sprechen wollen, sei Pakistan dazu bereit. „Wir sollten uns hinsetzen und reden.“

Die Spannungen zwischen den beiden Atommächten haben sich in den vergangenen zwei Wochen stark zugespitzt. Indien hatte am Dienstag mitgeteilt, es habe ein Terroristencamp im Nachbarland angegriffen. Dabei sei „eine sehr große Anzahl“ Angehöriger der islamistischen Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed getötet worden. Diese hatte nach eigenen Angaben am 14. Februar im indischen Teil Kaschmirs bei einem Anschlag 40 indische Sicherheitskräfte einer paramilitärischen Polizeitruppe getötet. Indien hatte Pakistan für den Anschlag verantwortlich gemacht und eine „gebührende Antwort“ angekündigt.

Versöhnliche Töne aus Pakistan

Die Regierung in Islamabad wies alle Vorwürfe zurück. Sie dementierte zudem die Angaben Indiens, es habe ein Terroristenlager angegriffen und den Islamisten schwere Verluste zugefügt. Armeesprecher Ghafoor bestätigte lediglich eine Verletzung des pakistanischen Luftraumes. Pakistanische Kampfflieger hätten „rechtzeitig und effektiv“ darauf reagiert. Das habe dazu geführt, dass die indischen Flieger hastig ihre Ladung abgeworfen hätten. Es habe keine Verluste oder Schäden gegeben.

Bereits nach dem Anschlag Mitte Februar hatten Kommentatoren gewarnt, dass schon ein begrenzter Militärschlag Indiens die Gefahr eines schnell eskalierenden Konflikts zwischen beiden Atommächten erhöhen würde. (dpa)

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